29 Feb

Der gute Mensch (Therapeutische Geschichte)

Eine Mutter zog ihren Sohn gern mit den Worten „Werde ein guter Mensch.“ groß. Auch wenn er noch keine genaue Vorstellung davon hatte wie, beschloss er, ein richtig guter Mensch zu werden.

Er half erst seiner Familie, dann seinen Freunden und den Nachbarn und anderen Menschen, die ihm hilfsbedürftig vorkamen. Er half ihnen, in dem er Dinge für sie erledigte, ihnen Geld gab oder seine Zeit schenkte. Er vermied es, zu widersprechen oder ein böses Wort zu sagen. Da es ihm wichtig war, versuchte er stets, die Wünsche seines Gegenübers zu erfüllen.

Und da er ein RICHTIG guter Mensch werden und immer mehr Menschen helfen wollte, hatte er zu wenig Zeit einer Arbeit nachzugehen, zu essen, schlafen oder gar sich auszuruhen. Er gab, bis es nichts mehr zu geben gab. Es ging ihm mit der Zeit immer schlechter. Vermutlich, weil er noch immer kein richtig guter Mensch geworden war.

Eines Tages hörte er von einem Berg, auf dem ein weiser Mann lebte und wo er Antworten bekommen könnte. Und da ihn die Frage beschäftigte, wie er denn ein RICHTIG guter Mensch wird, machte er sich auf den Weg.

Es war ein langer Weg, also packte er Brot und Wasser ein, Kleidung zum Schutz vor Sonne und Kälte und machte sich auf den Weg. Als er ein Stück des Berges erklommen hatte, traf er andere Wanderer. Da diese weniger hatte, als er, gab er ohne zu fragen Teile seiner letzten Kleidung ab, teilte sein Brot und Wasser und gab es den anderen.

Kurz bevor er oben war, begann er fürchterlich zu frieren, denn er hatte kaum noch Kleidung übrig und seit einiger Zeit nichts mehr gegessen und getrunken. Mit letzter Kraft kämpfte er sich weiter und kam zu einer Hütte aus der ein Feuer schien. Mit Tränen in den Augen erkannte er einen alten Mann. Der Alte schenkte ihm einen Becher Wasser ein und gab ihm Brot und wärmende Kleidung. „Ich habe meine Kleider gegeben, mein Brot und Wasser geteilt und anderen geholfen, bis ich es selbst nicht mehr konnte … und fühle mich nicht besser … und bin kein guter Mensch geworden.“

„Ein guter Mensch“, sagte der Alte, „gibt nicht alles, um des Gebens wegen. Er bedenkt andere, aber er denkt auch an sich.“ Der Alte schaute ihn freundlich an „Wenn Du anderen helfen willst, bist Du wie dieser Krug, der die Becher füllt. Der Krug kann nur einige Becher füllen. Behandelst Du den Krug aber nicht pfleglich, bekommt er Risse und geht kaputt. Dann füllt er keine Becher mehr.“

„Gehe heim, gründe eine Familie, lebe und liebe … und achte Dich selbst.
… dann kannst Du auch anderen helfen.“

 
 

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2016)







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Der gute Mensch (Therapeutische Geschichte)
22 Feb

Vortrag zum Thema Angst – Netzwerktreffen Berlin

Am 17. März 2016 werde ich einen kurzen Impulsvortrag zu meiner Arbeit mit der Angst / Angstpatienten halten.

Wer daran Interesse hat, kann sich über den folgenden Link anmelden.

Ich freue mich auf einen interessanten Abend, kurzweilige Gespräche und neue Kontakte.

 

Business Kontakte – Stellen Sie sich vor …

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Vortrag zum Thema Angst – Netzwerktreffen Berlin
22 Feb

Zwei Brüder (Therapeutische Geschichte)

-gewidmet meiner Frau Elke-

 

Auf einem Hof oben in den Bergen, nur ein Stück vom Dorf entfernt, lebte ein Vater mit seinen zwei Söhnen. Hannes war der Ältere und Felix der Jüngere. Als sie klein waren, half Hannes der Mutter gerne in der Küche und war geschickt, die leckersten Speisen zu zubereiten und Felix half dem Vater gerne bei den Tieren und auf den Wiesen. Die Mutter war vor einigen Jahren verstorben und nur ein Rosenstock, den sie so geliebt hatte, erinnerte noch an sie. Die drei lebten gut von dem, was der Hof erwirtschaftete. So wie es Brauch war, wurde der ältere Sohn Bauer und der jüngere lernte Zimmermann und half so, den Hof zu erhalten. Die jungen Männer tanzten mit den Mädchen, liefen im Wettstreit mit den Männern im Dorfe und tranken gemeinsam ein Glas Wein.

Als der Vater eines Tages spürte, dass ihm nicht mehr viele Tage blieben, sagte er zu seinen Söhnen „Ich möchte, dass Ihr glücklich werdet. Macht mit dem Hof, was Ihr wollt und lebt Euer Leben. Ich war hier glücklich, solange Eure Mutter bei uns war – nun könnt Ihr es werden. Meine glücklichen Tage hier sind gezählt.“ Und es vergingen nur wenige Tage, bis sie ihn im Dorfe neben der Mutter zu Grabe trugen.

Als die Trauer langsam verblichen war, sprachen sie darüber, wie denn der Hof zu führen sei und wie sie den letzten Wunsch des Vaters erfüllen konnten. Sie überlegten, was ihm am besten entsprochen hätte und worüber er sich gefreut hätte. Über einige Jahre arbeiteten sie viel und hart und gingen immer seltener ins Dorf. Die Mädchen, mit denen sie getanzt hatten und auch die beiden, die sie jeweils ins Herz geschlossen hatten, schienen vergessen. Manchmal stritten sie sogar darüber, wie man den Vater glücklicher machen könnte – und wie der Hof zu verändern wäre. Eines solchen Abends, als sie wieder darüber diskutierten, ob der Wunsch des Vaters, in rechtem Maße erfüllt sei, kam eine alte Frau mit weißen Haaren vorbei. Und da sie schon etwas müde aussah, luden die beiden sie zu einem Nachtlager ein.

Während Hannes im Hause ein Abendmahl vorbereitete, setzte sich die Alte mit Felix vor das Fenster und sah der untergehenden Sonne zu. Dann fragte sie ihn, was für ihn Glück bedeutete. „Nun“, sagte er, „Glück wäre für mich, wenn ich die Marie aus dem Dorf gefreit hätte und die Hälfte vom Hof verkauft. Wir hätten ein Haus im Dorf gebaut und ich hätte als Zimmermann im Dorf ein gutes Auskommen gehabt. Manchmal gehe ich noch heimlich ins Dorf zu ihr. Aber ich weiß nicht, wie lange sie noch warten würde.“ Noch nie hatte er mit jemandem darüber gesprochen. Doch die Augen der Alten erinnerten ihn wohl an seine Mutter in Kindestagen. Die Alte blickte ihn an und fragte, warum er nicht täte, was er doch wolle. „Mein Vater hatte hier sein Glück gefunden und ich glaube, mein Bruder würde auch nie verkaufen wollen. Mein Vater sagte im Sterben, er wolle, dass wir glücklich werden, da kann ich doch nicht seinen Hof verkaufen.“ Die Alte blickte ihn wieder fragend an „und … bist Du glücklich ?“ Ein Glänzen kam in Felix’ Augen und er schluchzte. „Wenn es der Wunsch Eures Vaters war, dass Ihr glücklich werdet, solltest Du vielleicht nochmal überdenken, ob der Ort seines Glücks auch der Deines Glücks sein muss.“

Plötzlich fiel ein Kessel zu Boden und Felix lief ins Haus hinein . Drinnen hockte am Boden Hannes zusammengekauert. Er hatte alles durch das geöffnete Fenster gehört. „Und ich dachte, Du wolltest den Hof halten! Seit Jahren schleiche ich zur Anna ins Dorf und bin traurig, weil ich so selten zu ihr kann. Ich wäre so gerne als Wirt und Koch ins Dorf gegangen und die Schänke übernommen.“ Da fielen sich die Brüder in die Arme. Als hinaus gingen, um mit der Alten zu speisen, war diese spurlos verschwunden … nur eine Rose lag noch auf der Sitzbank vor dem Fenster.

Im Jahr darauf wurden zwei Hochzeiten gefeiert, die Schänke hatte einen neuen Wirt und das Dorf einen tüchtigen Zimmermann. Und als nach vielen glücklichen Jahren die beiden beerdigt wurden, stand auf dem einen Grabstein
„Sei ehrlich zu Dir und anderen und bleib Dir selbst treu“ und dem anderen „Dein Glück findest Du nicht in den Träumen anderer, sondern nur in Deinen eigenen.“

 
 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2016)
 
 

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Zwei Brüder (Therapeutische Geschichte)
14 Feb

Das größte Geschenk

Das größte Geschenk (Therapeutische Geschichte)
-Dem Geburtstagskind Dietlind-

In einem kleinen Städtchen lebte ein Junge mit seinen Eltern. Sie arbeiteten hart und viel, damit ihr Sohn Matthies es einmal besser haben würde. Die Zeit, in der die Eltern arbeiteten, war der kleine Matthies oft allein. Aber sie sagten ihm stets, dass sie all das nur für ihn tun. Und so ging es ihm auch gut und er genoss die gemeinsame Zeit umso mehr.

Der kleine Matthies wuchs heran und es fehlte ihm an nichts. Die Familie hatte zu Essen und zu Trinken, ein kleines Häuschen und sie schickten ihn auf die Schule und in die Lehre. Er war klug und fleißig und erlernte das Kaufmanns¬geschick. Zog durch die Lande, kaufte und verkaufte und kam zu einem Vermögen.

So wurde Matthies erwachsen und lernte als junger Mann ein Mädchen kennen. Amanda war die schönste Frau, die er sich vorstellen konnte, sie war freundlich, warmherzig und liebevoll, fleißig und hatte das bezauberndste, herzerwärmenste Lächeln. Sie spielte mit den Kindern auf der Straße, schenkte einem Bettler etwas Brot und ein Lächeln und hatte für jeden ein gutes Wort.

Wenn sie lachte, strahlten ihre Augen und die Welt um ihn herum war für Matthies verschwommen. Er sah nur noch sie. Um ihr Herz zu gewinnen, pflückte er die schönsten Blumen von der Wiese und brachte die süßesten Beeren, die er im Wald finden konnte. Als Amanda spürte, wie sein Herz für ihn schlug, schenkte sie ihm das Ihrige und die beiden wurden ein glückliches Paar.

Ein paar Jahre gingen ins Land und der Kaufmannsladen ernährte die beiden. Der Alltag kehrte ein und Amandas Lächeln wurde etwas weniger. Als Matthies dies bemerkte, wurde er traurig und wollte sie wieder glück¬lich machen. So schenkte er ihr eine goldene Kette, die er von seinem Gewinn beiseitegelegt hatte. Sie bedankte sich herzlich, doch es war nicht das gleiche Lachen wie zuvor. Also er kaufte den größten Strauß Blumen, den er finden konnte und stellte ihn in ihr Zimmer. Sie umarmte ihn und lächelte und bedankte sich sehr herzlich. Doch das Strahlen ihrer Augen sah er nicht. Er hörte von einem Bäcker, der den süßesten Kuchen der Region backen würde und einem Schneider, der die schönsten Kleider anfertigte. So machte er sich auf den Weg. Nach einem Tag erreichte er den Schneider und kaufte ein wunderschönes Kleid für seine Liebste. Nach einem weiteren Tag kam er zu dem Bäcker und nahm von dem Kuchen mit, von dem alle schwärmten.

Auf dem Weg zurück begegnete ihm eine Frau, deren Kleider waren so kaputt und verschlissen, dass sie fror. Da erbarmte er sich und gab ihr das Kleid seiner Liebsten. Noch nie hatte die Frau ein solches Kleid gesehen und mit Tränen in den Augen dankte sie ihm. Das einzige, was sie besaß, war ein einfacher Holzring, doch den wollte sie ihm zum Dank unbedingt schenken.
Nach einer Weile sah er einen Bettler am Wegesrand an einem Baum kauernd. „Habt Mitleid Herr, ich habe seit drei Tagen nichts gegessen“, flehte dieser ihn an. Wie sollte er ohne Geschenke nach Hause kommen ? Ein Kuchen war doch für den Bettler viel zu schade. Aber es gab dort nichts anderes an essbarem. Und wenn er an seine Amanda dachte, die so oft ihr Brot geteilt hatte, konnte er nicht vorbei gehen. Also gab er dem Verhun¬gern¬den den halben Kuchen. Der Mann hatte noch nie etwas so Süßes und Köstliches gegessen. „Herr, ich habe nichts außer diesem alten Lederband, was ich seit meiner Jugend habe. Ich will es Euch schenken. Möge es Euch beschützen.“

Je näher Matthies seinem Haus kam, umso schwerer wurde ihm das Herz. Wie sollte er Amanda mit einem halben Kuchen, einem Kupferring und einem Lederhalsband seine Liebe zeigen. Als er in die Tür kam, blickte er voller Scham auf den Boden. Seine Frau begrüßte ihn liebevoll und fragte, was ihn so bedrückte. Da erzählte er seine Geschichte und bat sie um Verzeihung, dass er nur noch einen halben Kuchen brachte. Amanda liefen die Tränen von den Wangen und sie umarmte ihren Matthies. „Heute hast Du mir das schönste Geschenk gemacht, was es gibt. Du hast mir gezeigt, dass Du wahre Liebe in Dir trägst, in dem Du für die da warst, die Dir nicht am nächsten sind.“ Und das Lächeln, das er so liebte, erstrahlte in ihrem Gesicht so hell, wie die Sonne im Frühling. Sie zog den Ring durch das Lederband und trug ihn fortan wie einen Schatz.

Auch wenn ich nicht dabei, so glaube ich, dass der Tag, an dem Matthies zurückkam, der 14. des zweiten Monats des Jahres war …

 

 

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2016)

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Das größte Geschenk
09 Feb

Der Zuhörer (Therapeutische Geschichte)

Eines Tages stand ich an einer Bushaltestelle. Etwas neben mir auf der Bank saß ein älterer Mann. Eine junge Frau setzte sich daneben. An ihrem Gesicht -besonders den Augen- und ihrer Körperhaltung war gut erkennbar, dass es ihr gerade nicht gut ging.

Der alte Mann sah sie an, lächelte und nickte. Erst blickte sie vorsichtig zurück, aber irgendetwas in seinem Blick schien in ihr etwas zu verändern. Er wandte sich ihr zu und nickte wieder mit einem wohlwollenden Lächeln. Plötzlich liefen ihr die Tränen herunter und sie begann zu erzählen von ihrem Freund, den Streit, den sie hatten und dem Studium, was sie gerade belastete und dass ihr ihre Familie oft fehlte. Der Mann hörte aufmerksam zu, nickte und ich meine von Zeit zu Zeit ein „hmm“ zu hören. Je mehr sie erzählte und die Tränen geflossen waren, desto mehr hatte ich den Eindruck, hellte sich ihr Gesicht wieder auf und der Traurigkeit folgte eine Erleichterung.

Es kam ein Bus und ein zweiter, aber ich war so gebannt von diesem Erlebnis, dass ich dabei blieb. Auch die Frau schien völlig in ihren Bericht vertieft und bemerkte vermutlich nicht einmal die Busse. Es war für mich, als ob eine tiefe Verbundenheit die beiden einhüllte, von der eine große Wärme ausging. Obwohl er gar nichts sagte, hatte sie immer wieder Ideen … dass sie vielleicht doch etwas heftig auf ihren Freund reagiert hatte und sich mit ihm aussprechen wird und dass sie ja eigentlich durch ihre Lerngruppe doch ganz gut vorbereitet war und noch heute abend zuhause anrufen wird.

Nach einer Weile lächelte sie und stand mit einem Gesichtsausdruck großer Erleichterung und ich meine sogar etwas Freude auf. Und auch der alte Mann stand auf. Sie ging auf ihn zu und drückte ihn herzlich und bedankte sich mehrfach. Es war ein ergreifendes Bild für mich. Der alte Mann lächelte freudig und nickte.

Kurz danach kam ein Bus und die junge Frau stieg beschwingt ein, drehte sich nochmal um und winkte ihm im Wegfahren zu. Neben mir stand wohl schon eine Weile eine Frau. Sie setzte sich neben den alten Mann und begrüßte ihn mit einem Winken. Ganz offensichtlich kannten sich die beiden.

Was dann geschah … war unglaublich.

Sie sah ihn fragend an und bewegte ihre Hände und er schüttelte mehrfach den Kopf. Mir fiel auf, dass sie wild mit den Händen gestikulierte und der Mann, der die ganze Zeit ruhig dagesessen hatte, bewegte ebenfalls heftig seine Hände.

Auch wenn ich in dem Moment eine Träne im Auge hatte und die Gebärdensprache nicht beherrsche, wusste ich genau was die Frau ihn gefragt hatte. Ich war tief bewegt und verstand, dass man zum Zuhören und für einfühlsames Verständnis weder Gehör noch Sprache braucht, sondern ein Herz.

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2016)

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Der Zuhörer (Therapeutische Geschichte)