26 Apr

21.04.2016 Vortrag und Gesprächsrunde im Seniorenclub Herthastraße

Praxis Der Zuhörer - Steffen Zöhl

Vortrag im Seniorenclub Herthastraße 21.4.2016

Berlin, 21.04.2016 Vortrag und Gesprächsrunde im Seniorenclub Herthastraße
Am Donnerstag durfte ich im Seniorenclub einen Vortrag „Abschied und Trauer – Bedeutende Themen des Lebens zum Thema Umgang mit Abschied, Trauer und Ängsten halten. Neben der Vorstellung der Trauer-Modelle von Verena Kast und Yorick Spiegel waren mir die 5 Wünsche, “… die Sterbende am meisten bereuen“ (Bronnie Ware) wichtig.

In der anschließenden offenen Gesprächsrunde, die ich begleiten durfte, sprachen die Anwensenden, vor allem Frauen, über die aktuellen bzw. zurückliegenden Erfahrungen mit Trauer und Abschieden. Die Offenheit, in der sich meist fremde Menschen austauschten und auch die positive Aspekte, die viele nach einer Trauerphase finden konnten, haben mich sehr berührt.

So fand eine Dame nach dem Verlust ihres Mannes in der Kreativität, Gedichte zu schreiben (was sie vorher nicht tat), einen Weg, ihren Verlust zu verarbeiten. Und durch die vielfältigen Möglichkeiten und Angebote im Seniorenclub, die sie regelmäßig nutzte, boten sich ihr neue Beschäftigungen und neue Kontakte.

Ich bedanke mich nochmals herzlich bei der Leiterin Maud Meinel für diese Möglichkeit und ihre Unterstützung. Vielleicht erwächst aus diesem ersten Treffen ein regelmäßiger Gesprächskreis, in dem Hinterbliebene sich gegenseitig zur Verfügung stehen, sich Mut zusprechen und füreinander da sind.
(Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl)



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21.04.2016 Vortrag und Gesprächsrunde im Seniorenclub Herthastraße
18 Apr

jelly beans (Therapeutische Geschichte)

Praxis Der Zuhörer - Steffen Zöhl Charlottenburg

Jelly beans sind diese kleinen, süßen Geleebohnen, die es in so vielen verschiedenen Geschmacksnoten gibt. Sie haben alle verschiedene Farben, manche sind auch bunt oder gemustert – nur die Form ist gleich. Da findet eigentlich jeder etwas für seinen Geschmack.

Felix liebte jelly beans und hatte besonderes Glück, denn sein Vater hatte einen einen Stand, an dem er diese Süßigkeiten verkaufte. Eines Tages besuchte Felix seinen Vater und bekam wie so oft ein paar Bohnen geschenkt. Er durfte sie sich selbst aussuchen und wählte wie eigentlich immer seine Lieblingssorte – Erdbeere. Da der Vater an diesem Tag noch etwas zu besorgen hatte, bat er Felix, für eine Stunde auf den Stand aufzupassen. Das war für Felix nicht neu.

„Aber“, sagte der Vater, „mehr Bohnen iss besser nicht mehr, sonst bekommst Du nur wieder Bauchschmerzen.“ und ging. Als Felix so die Bohnen betrachtete, entdeckte er plötzlich eine neue Sorte, die ihn doch ansprach. Sie schien etwas größer als die anderen Bohnen. Diese Bohnen glänzten ganz wunderbar, schillerten prächtig und dufteten einfach fantastisch. „Der Vater würde es wohl nicht merken, wenn ich nur ein paar davon nasche und er würde sie mir wohl auch schenken“, dachte sich Felix. „aber er vertraut mir – und, wenn ich zuviele nasche, bekomme ich ja -zumindest manchmal- Bauchweh. Ich hab ja meine Erdbeerbohnen.“

Die Entscheidung fiel ihm schwer. Sollte er nun probieren, was ihm da so lecker vor der Nase stand oder widerstehen? Vielleicht würde es der Vater ja doch merken? Was würde der dann denken? Vielleicht bekäme er ja wirklich Bauchschmerzen? Zu allem Übel stand ausgerechnet auf dem Glas auch noch „Greif zu“. Es war fast so, als wollten diese Bohnen vernascht werden. Warum gab es auch Bohnen, die so verführerisch dufteten? Die eine Bohne tat ja niemandem weh – es war also eine Frage des Gewissens. Könnte er sich die Bohnen überhaupt schmecken lassen, wo er sie doch nicht essen sollte?

Aber was, wenn gerade diese Bohnen morgen nicht mehr da wären und er nie erfahren würde, wie sie schmeckten. Manchmal hatte der Vater Sorten, die es nur einmal als Sonderaktion gab. Vielleicht würde er es dann immer bereuen, den süßen Geschmack nicht probiert zu haben. Es ging in ihm hin und her – für beide Seiten gab es gute Gründe. Er ging also tief in sich und dann entschied er sich.

 [Ich konnte mir hier verschiedene Ausgänge vorstellen und jeder wäre erzählenswert. Wer mag, fühle sich frei, sein eigenes Ende zu finden und zu schreiben. Entschieden habe ich mich für folgendes:]

Leicht fiel es ihm nicht, doch er wusste, dass es manchmal besser ist, mit dem Naschen aufzuhören, als einen Geschmack nicht zu kennen. Bauchschmerzen bekam er schnell, sonst hätte der Vater es ihm gegönnt.

Und während er noch in Gedanken versunken war, kam ein Junge an den Stand. Er sah die jelly beans und wollte unbedingt die, über die Felix gerade noch nachgedacht hatte. „Dann sollte es so sein.“, dachte Felix, als er das Lächeln im Gesicht des Jungen sah, nachdem dieser die erste Bohne genüsslich vernascht hatte. Die Augen des Jungen leuchteten. „Diese Bohnen waren wohl nicht für mich bestimmt. Nun machen sie einen anderen glücklich.“ – und Felix lächelte.
(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2016)

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jelly beans (Therapeutische Geschichte)
11 Apr

Eine Welt – zwei Welten (Therapeutische Geschichte)

Eine Welt – zwei Welten
-für Elke-



Elke ist eine attraktive Frau Mitte vierzig, verheiratet
und aufgrund ihrer sportlichen Laufbahn noch immer sportlich und fit. Um weiterhin in Form zu bleiben, entscheidet sie sich, einen Kurs zu probieren.
Eines Abends besucht sie ein Fitnessstudio zum
Spinning-Probetraining (Fahrradergometer). Sie setzte sich auf das ‘Rad’ und machte fleißig das Training unter Anleitung des Trainers mit. Nach einer Weile bemerkte sie, dass der Trainer sie genau beobachtet und auch einige der anderen, meist jüngeren Frauen.
Sie versuchte bei sich zu bleiben und sich auf das Training zu konzentrieren. Doch die Frage, was die anderen über Sie denken, beschäftigte sie. „Die denken bestimmt, was will die Alte denn noch hier?“ oder „Warum trainiert die nicht mit Gleichalten?“ „Die sehen alle so jung und hübsch aus und meine beste Zeit ist vorbei.“ Und dann blickte sie doch einige Male zu den jungen Frauen rüber.
Sie beeilte sich nach dem Training und wollte nur noch schnell duschen. Da es ein Probetraining war, hatte sie noch keine Duschmarken.
Einer der mit ihr trainierenden Männer bemerkte das und schenkte ihr eine. „Es gibt also noch nette Männer
… oder hat der das jetzt aus Mitleid gemacht … ?“

Als sie nach Hause kam, erzählte sie ihrem Mann davon. „Ich weiß nicht, ob ich da nochmal hingehen sollte. Die jungen Frauen finden das bestimmt komisch, wenn sie mich sehen.“ Ihr Mann nahm sie in den Arm und küsste sie.

Laura ist eine attraktive junge Frau Anfang zwanzig, seit 2,5 Jahren mit ihrem Freund fest zusammen. Sie wohnen in einer gemeinsamen Wohnung und machen beide gerne Sport – als Ausgleich zum Job und um fit zu bleiben.
Eines Abends besucht sie mal wieder ihr Fitnessstudio zum Spinning-Probetraining (Fahrradergometer). Sie setzte sich auf das ‘Rad’ und machte fleißig das Training unter Anleitung des Trainers mit. Nach einer Weile bemerkte sie, dass der Trainer sie genau beobachtet und eine neue Teilnehmerin.
Sie versuchte es sich nicht anmerken zu lassen und sich auf das Training zu konzentrieren. Doch die Frage, wer die Neue war, beschäftigte sie. „Wenn ich mit 30 noch so aussehen würde und fit bin wir die Neue, das wäre schon klasse. Das sieht bei ihr so leicht aus und ich schwitze hier und kämpfe. Die sieht schon klasse aus.“ Und dann blickte sie noch einige Male zu der neuen Frau rüber.
Nach dem Training sah sie, wie ihr Thomas aus dem Kurs eine Duschmarke schenkte. „Tja, wenn man so gut aussieht, kriegt man auch eine Duschmarkte geschenkt … ;o) Mal schauen, wenn sie häufiger kommt, spreche ich sie vielleicht mal an und frag wer sie ist. Naja jetzt ab nach Hause.“

Als sie nach Hause kam, erzählte sie ihrem Freund davon. „Heute kam eine Neue in meinem Kurs – schätze mal so Anfang-Mitte 30. Ich sage Dir, wenn ich mal noch so aussehe und so fit bin …“ Ihr Freund nahm sie in den Arm und küsste sie.

 

 

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2016)

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Eine Welt – zwei Welten (Therapeutische Geschichte)
04 Apr

Wie ein Flug mein Leben veränderte (Therapeutische Geschichte)

Wie ein Flug mein Leben veränderte
-inspiriert durch Vanessa-

Montagmorgen – recht früh machte ich mich auf den Weg zum Flugplatz. Ein Inlandsflug macht Termine fast überall in Deutschland möglich. Auf der Fahrt bemerke ich noch, wie wunderschön die Sonne an manchen Tagen über Berlin aufgeht. Der Captain grüßt aus dem Cockpit und brummelt wie gewohnt halbverständliches Zeug ins Mikrofon. Ich schließe die Augen und döse ein bisschen bis die Crew die Getränke reicht. Beim Anflug gibt es ein paar irritierende Geräusche, aber zum Glück habe ich keine Flugangst. Plötzlich kommt der Captain wieder über den Lautsprecher. Bevor ich noch denken kann „den Text kenne ich schon …“, schrecke ich doch zusammen. „Meine Damen und Herren, es gibt ein Problem mit dem Fahrwerk. Wir haben eine Fehlermeldung und können zum derzeitigen Zeitpunkt nicht sicher vorhersehen, ob eine planmäßige Landung möglich sein wird. Bitte nehmen Sie alle Ihren Sitzplatz ein und benutzen Sie die Sicherheitsgurte. Ladies and Gentlemen …“

Angst machte sich in mir breit wie ein Lauf-Feuer, dass von meiner Brust aus in den Körper ausstrahlte. Ich spürte, wie mein Herz pumpte und meine Hände kalt wurden und leicht zitterten. Ich malte mir aus, welche Szenarien möglich werden und, was ich darüber wusste, auf welchen Plätzen die größten Überlebenschancen im Falle eines Absturzes bzw. einer Notlandung bestehen. Noch war nichts passiert und alles könnte gut verlaufen, aber ich wollte vorbereitet sein auf den schlimmsten Fall. In den Gesichtern meiner Mitreisenden erblickte ich überwiegend Angst, Panik, Erstarren und Traurigkeit. Das Bordpersonal versuchte Ruhe auszustrahlen und bat auch die Passagiere um Aufmerksamkeit und Ruhe.

Es war wie in einem Film, der zu langsam ablief und meine Gedanken waren wie im Nebel. Doch plötzlich war mir klar, dass ich den wichtigsten Menschen in meinem Leben noch etwas mitzuteilen hatte. Ich holte mein Handy aus der Hosentasche und überlegte kurz. Wer weiß, wie viel Zeit mir noch blieb. Wem habe ich noch unbedingt etwas zu sagen und vor allem was? Es ist in solchen Momenten schwer, Herr seiner Gedanken und seiner Finger zu sein. Kein Handy an Board benutzen … es war mir sowas von egal.

Zum Glück gibt es Verteiler – also schrieb ich an meine Eltern, meinen Bruder und meine Frau „Ihr seid die wichtigsten Menschen in meinem Leben. Ich liebe Euch und bin so unendlich dankbar, was Ihr alles für mich getan habt und, dass Ihr Teil meines Lebens seid. Ihr habt immer einen besonderen Platz in meinem Herzen.“ Ich hoffte, niemanden damit zu beunruhigen, doch es war mir wichtig.

Das war geschafft. Noch immer nichts Neues vom Captain. Die Crew hatte inzwischen mehrfach erläutert, wie wir uns im Falle des Falles zu verhalten und hinzusetzen haben. Niemand beschwerte sich erfreulicherweise über die Handys – denn mit einem kurzen Blick hatte ich gesehen, dass auch andere meinen Gedanken teilten. Was schreibt man noch, wenn man vielleicht nicht mehr lange lebt? „Du bist ein einzigartiger Mensch. Ich bin sehr dankbar dafür, glücklich und stolz, dass ich Dich kenne.“ Schon wieder rumpelt die Maschine und setzte einen erneuten Adrenalinstoß frei. Ich überlege, wie lange mir noch bleibt „Lebe Dein Leben.“ Schnell den Verteiler „Enge Freunde“ und abgeschickt.

Der Ton der Flugbegleiter wird schärfer. Wir sollen alle die Notfallposition einnehmen und uns ruhig verhalten. Aus einigen Sitzreihen höre ich ein Jammern und Weinen und auch meine Anspannung steigt. Mein ganzer Körper ist gespannt, meine Hände kalt und bleich und ich will eigentlich nur noch eine Entscheidung. Sind das meine letzten Momente? Ich drücke mich in den Sitz und male mir aus, was ich tun muss, um hier rauszukommen, wenn ich den Aufprall überlebe. Ein flüchtiger Blick aus dem kleinen Fenster – die Landung naht.

Ein immenser Ruck geht durch das Flugzeug, als wir auf dem Boden aufsetzen und ein quietschendes Geräusch, das definitiv nicht sein sollte, bohrte sich schmerzhaft in meine Ohren. Der Flieger rüttelt noch immer und wir sind recht schnell. Aber ich lebe noch … und meine Chancen, dass zu überleben steigen. Zumindest teilweise muss das Fahrwerk funktionieren, sonst wäre die Landung schlimmer gewesen.

Wir werden langsamer. Der Captain meldet sich: „Meine Damen und Herren, …“. Er klingt entspannt genug für mich, als dass ich weiter zuhören müsste. Ich war selten so froh über eine Landung. Die abfallende Anspannung ließ mich ruhiger werden und ermatten. Nach dem Ausstieg schaltete ich wieder auf „kein Empfang“, da ich meine Termine vor mir hatte. Der Tag konnte mich nicht mehr schocken und verlief ‘wie im Flug’.

Erst am Abend zuhause stellte ich mein Handy wieder an. So viele Mails in Posteingang und Anrufe in Abwesenheit? In dem Durcheinander hatte ich wohl nicht „Enge Freunde“ sondern den weitaus größeren Verteiler „Freunde“ aus dem Adressbuch geklickt. Es gab viel Fragen, wie ich denn darauf käme und ob alles in Ordnung sei. Doch die meisten haben sich sehr gefreut.

Ich dachte etwas darüber nach und entschied mich, mein Flugzeugabenteuer nicht weiter zu erwähnen. Eigentlich wollte ich es meinen Freunden ohnehin sagen und meinte es genau so – ich hatte mir nur nie die Zeit dafür genommen. Auf diese Weise hatte ich einen Anstoß bekommen. Also schrieb ich meinen Freunden zurück, dass ich ihnen das schon lange mal sagen wollte. Und die Verbindung zu vielen wurde danach enger.

 Wozu ein defektes Fahrwerk alles gut sein kann …

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2016, derzuhoerer-berlin.de)

 

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Wie ein Flug mein Leben veränderte (Therapeutische Geschichte)