30 Jun

Silbergras (Therapeutische Geschichte)

Praxis Der Zuhörer - Steffen Zöhl

 

Linus war einer der Hasen, die es liebten, Neues zu entdecken. Seine ständigen Ausflüge hatten ihm schon die eine oder andere Schramme beschert und ihn in brenzlige Situationen geraten lassen. Aber er war ein schneller kleiner Hase und mutig dazu.

Schon oft war er über die Heide und den kleinen Hügel im Norden, um den Teich im Osten, die westlichen Waldlichtungen oder die Wiesen und Felder im Süden des Hasenwaldes gehoppelt. Und hatte viel Neues und Schönes entdeckt. Linus liebte es, Schönes zu entdecken. Daran hatte er Freude. Dann konnte er vergessen, wie oft ihn andere Hasen wegen seines einen Knickohrs geärgert hatten. Das Problem für Linus war, dass das Schöne für ihn schnell wieder an Reiz verlor, wenn er es eine Weile betrachtet hatte. So musste er immer längere Ausflüge unternehmen und schneller laufen, damit er zum Abend zurück im Dorf war.

Eines Tages traf er die alte Louisa. Die greise Häsin hatte schon weißes Haar und bewegte sich nur noch langsam. Linus dachte sich, so alt, wie sie ist, hat sie bestimmt schon vieles gesehen – und viel Schönes. Vielleicht kann sie mir sagen, wo ich noch etwas Schönes und Neues finden kann. Also setzte er sich neben sie auf ihre Bank. Louisas Bank stand ziemlich in der Mitte des Hasendorfes nahe bei ihrem Haus. So konnte Louisa noch viel mitbekommen, was so im Dorf passierte. Linus fragte die alte Louisa, was wohl das Schönste sei, was sie jemals gesehen hatte. „Silbergras“, sagte Louisa, „ich liebe Silbergras.“ Linus überlegte. „Wo finde ich Silbergras?“, fragte er Louisa. Sie erklärte ihm, dass Silbergras etwas Sonne und etwas Feuchte braucht, um zu gedeihen und wunderschön anzusehen ist.

Linus lief los so schnell er konnte und suchte an all den Orten, die er besucht hatte. Doch er fand kein Silbergras. Er hatte zwar noch nie selbst welches gesehen, aber dafür eine gute Vorstellung davon, wie Silbergras aussehen würde. Er lief immer schneller und weiter und fand doch kein Silbergras.

Eines Tages kam er ziemlich erschöpft zurück ins Hasendorf und setzte sich wieder neben Louisa auf die Bank. „Ich habe kein Silbergras gefunden.“, sagte er zu ihr. Sie lächelte nur. „Warte noch etwas, dann zeig ich es Dir“ lächelte sie ihm zu. Nun begann Linus zu überlegen. Wie wollte ihm die alte Louisa, Silbergras zeigen? Er war doch schon durch die ganze Landschaft gelaufen und hatte nichts entdeckt.

Langsam dämmerte es und nur der Mond erhellte das Hasendorf. Louisa nahm Linus an die Hand und sie gingen hinter Louisas kleine Hütte. Der Abendtau hatte sich auf den Boden gelegt und das Mondlicht ließ das Gras silbrig schimmern. „Sieh nur – Silbergras. Das hab ich mit meinen Moritz gerne angeschaut und wir haben uns daran erfreut.“, sagte Louisa. „Aber das ist doch nur ganz normales Steingras. Das wächst hier überall.“, sagte Linus und verzog das Gesicht. „Für mich ist es Silbergras. Schau nur einmal genau hin.“, lächelte Louisa.

Und dann geschah es. Linus schaute eine Weile auf das Gras, das im Mondlicht glänzte und konnte es plötzlich sehen – Silbergras. Er hatte das Gras schon so oft gesehen, aber sich nie die Zeit genommen, es sich genau anzuschauen. Es wog sich bei jedem kleinen Luftzug, war zart und filigran und leuchtete im Mondlicht wie die weißen Haare der alten Louisa.

Von nun an entdeckte Linus jeden Tag auf’s Neue viele kleine und große Schönheiten, die ihn umgaben. Er genoss den Wind, der den „Blütenzauberduft“ von den Wiesen ins Dorf trug, das „Glitzerglimmen“ der Mittagssonne im Teich oder die „Goldlichter“ im Wald, wenn die Sonne unterging.

 

 

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2016)
Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl

 

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Silbergras (Therapeutische Geschichte)
08 Jun

7.6.2016 Vortrag Angst im BKC

im Tomasa Zehlendorf

Berlin, 07.06.2016 Vortrag ‘Angst’ beim BKC-BusinessKontakteClub-Netzwerktreffen im Tomasa Zehlendorf

Am Dienstag habe ich einen Impulsvortrag zu Angst gehalten.

 + Angst / Prüfungsangst
+ Was ist Angst?
+ Was passiert im Körper bei Angst?
+ Formen von Angst
+ Wofür ist meine Angst gut?(!)
+ Praxisbeispiel Prüfungsangst
+ Wie kann ich damit (besser) umgehen?

Mein Ziel war es, ein kleines Plädoyer für die Angst zu halten und die positiven Aspekte aufzuzeigen. Viele Ängste haben eine positive Absicht (z.B. Schutz, Warnung, Unterstützung, Aufmerksamkeit, Wichtigkeit) und sind oft ein verkannter Freund. Ich hatte viel Spaß dabei.

Im Anschluß gab es eine Vorstellungsrunde aller Teilnehmer und ein aktives „Speed-Dating“. Ein toller Abend in schöner Atmosphäre und mit Sonne.

Ich bedanke mich nochmals herzlich bei Michael Krebs für die Einladung, das Interesse am Thema, die Möglichkeit mich vorzustellen und Helga Breusing, Jolanta Schaefer und Angelika Mix für den freundlichen Empfang.

(Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl)

Praxis Der Zuhörer -Steffen Zöhl

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7.6.2016 Vortrag Angst im BKC