19 Dez

Das Weihnachtslicht (Therapeutische Geschichte) 8/8

Ein Weihnachtslicht ist eine besondere Erscheinung. Es leuchten zwar zur Weihnachtszeit viele Lichter, aber Weihnachtslichter leuchten, wo menschliche Wärme, Herzlichkeit und Liebe sich zeigen. Dabei ist ein Weihnachtslicht nicht unbedingt heller oder größer als andere Lichter und es leuchtet auch nicht nur im Dezember. Es ist aber ein Licht, das so voller Wärme leuchtet, dass es Menschen berührt und Herzen wärmt. Von acht dieser Weihnachtslichter will ich Euch berichten.

 

8. Licht „Der Wunschzettel“
-gewidmet all denen, die an andere denken und die Welt jeden Tag im Kleinen und Großen etwas besser machen-

Theo(dor) ist acht Jahre alt und schreibt seinen Wunschzettel zum Weihnachtsfest. Als seine Mutter ihn findet, stutzt sie und spricht mit ihrem Mann. Eine neue Schultasche, neue Sportschuhe, eine blaue Winterjacke, eine Spiderman-Trinkflasche, eine Taschenlampe, einen MP3-Player und einen Schokoladenweihnachtsmann.

Ganz schön viel überlegen sich die Eltern. Die Mutter schaut in den Flur. Der Schulranzen ist nicht mehr neu, aber auch nicht so abgenutzt, dass er unbedingt ausgetauscht werden müsste, gleiches gilt für die Sportschuhe. Eine weitere Winterjacke – nun gut, Trinkflasche, Taschenlampe, MP3-Player – wären auch kein Problem. Aber irgendwie passte es nicht zu Theo. Sonst hatte er nie so viele Wünsche geäußert.

„Er wird auch älter.“, dachten sich die beiden, „Es könnte auch schlimmer sein. Und naja – er ist ja meistens ein guter Junge. Wir könnten das schon möglich machen.“ Und doch schlafen beide mit einem eigenartigen Gefühl und fragen sich, was ihren Sohn so verändert haben könnte.

Beim nächsten gemeinsamen Frühstück fragen sie ihn, wie er auf seine Liste gekommen ist. „Ist es zu viel?“, fragte Theo? „Nein, das geht schon in Ordnung. Wir fragen uns nur, was mit Deinem Schulranzen und den Sportschuhen nicht mehr ok ist?“, antwortete ihm seine Mutter.

„Weißt Du Mama, mit meiner Schultasche ist alles ok.“ Die Mutter stutzte und sah Theo fragend an. „Aber Marios Tasche ist so kaputt, dass er schon seine Sachen in einen Beutel hinlegt, damit sie nicht herausfallen. Seine Eltern haben momentan nicht so viel Geld. Ich wollte ihm eine Freude machen. … Das macht man doch zu Weihnachten.“ Die Eltern sahen sich sprachlos an. “ … und anderen Sachen?“, fragte der Vater vorsichtig nach. „Naja, eine Winterjacke bräuchte er auch, seine ist recht dünn und er zieht dann immer mehrere Pullover an. Und Leon fand meine neuen Schuhe so toll, weil die schon in dem großen Fußballstadion waren – dann brauche ich andere. Sophie fährt sehr lange mit dem Bus – dann kann sie Musik hören und fühlt sich nicht so allein. Die Taschenlampe ist für Oma, dann findet sie ihre Brille besser, wenn sie mal wieder unter das Sofa fällt. … Die Trinkflasche könnte ich für den Sportunterricht brauchen, da habe ich immer mehr Durst und der Weihnachtsmann …“, da grinste er nur noch.

Die Eltern waren so stolz auf ihren kleinen Jungen. Der Vater strich ihm über den Kopf und in den Augen der Mutter löste sich eine Träne. Die Kerze auf dem Tisch leuchtete wohl noch nie so warm und hell … und ein Weihnachtslicht wurde geboren.

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2016)

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Das Weihnachtslicht (Therapeutische Geschichte) 8/8
13 Dez

Das Weihnachtslicht (Therapeutische Geschichte) 7/8

Ein Weihnachtslicht ist eine besondere Erscheinung. Es leuchten zwar zur Weihnachtszeit viele Lichter, aber Weihnachtslichter leuchten, wo menschliche Wärme, Herzlichkeit und Liebe sich zeigen. Dabei ist ein Weihnachtslicht nicht unbedingt heller oder größer als andere Lichter und es leuchtet auch nicht nur im Dezember. Es ist aber ein Licht, das so voller Wärme leuchtet, dass es Menschen berührt und Herzen wärmt. Von acht dieser Weihnachtslichter will ich Euch berichten.

 

7. Licht „Der Hund des Fleischers“ -gewidmet Luna-

Amadeo hatte einen kleinen Laden, in dem er Fleisch verkaufte. Seinem kleinem Sohn hatte er einen Hund geschenkt. Oftmals kauften die Leute das Fleisch, ließen es von Amadeo entbeinen und dann bekam der Hund den Knochen. Seine Kunden kannten das und die meisten waren damit sehr einverstanden. Sein Sohn liebte diesen Hund und spielte oft im und vor dem Laden mit ihm. Die Familie hatte nicht viel, aber der Laden ermöglichte ein recht angenehmes Leben.

Eines Tages kam ein neuer Kunde in den Laden. Er war gut gekleidet und kaufte etwas Fleisch. Seine Nachbarin hatte ihm Amadeos Fleischgeschäft empfohlen. Auch dieser Kunden ließ sich die Knochen aus dem Fleisch entfernen. Gerade wollte Amadeo den Knochen dem Hund wie gewohnt zuwerfen. Als der Mann das sah, sagte der Mann „Den Knochen packen Sie bitte ein.“

Amadeo war verwundert, warum war dieser Mann wohl so knauserig war. Gönnte er seinem Hund nicht mal einen Knochen? Dieser Kerl musste wohl ein gemeiner, geiziger Mensch und Hundehasser sein. Der sah auch gleich so komisch aus. „Naja, wer weiß, wo der auch herkommt!“, dachte er sich, als der Mann seinen Einkauf einpackte und zur Tür hinausging. Der Mann schaute auf den kleinen Sohn und den Hund und ging.

Kurz darauf kaufte der Mann wieder bei Amadeo ein. Diesmal ein Stück Filet. „Na klar – der kauft natürlich Fleisch gleich ohne Knochen – damit er bloß nichts an den Hund abgeben muss“, dachte sich Amadeo noch und unterdrückte sein Grummeln. Der Mann lächelte und ging. „Wie kann jemand einfach Hunde hassen? Der Hund hat ihm doch gar nichts getan. Aber was interessiert den schon mein Hund?“

Einige Tage später kam der Mann erneut. In Amadeo brodelte es schon, als er den Mann nur sah, aber war er höflich – schließlich war es ein Kunde. Wieder bestellte der Mann ein Stück Fleisch und ließ sich den Knochen herausschneiden. „Lassen sie ruhig etwas Fleisch am Knochen.“, sagte der Mann zu Amadeo. „Nun gut“, dachte sich Amadeo und schnitt großzügig den Knochen frei. Amadeo wollte den Knochen gerade einpacken, da nahm der Mann den Knochen und gab ihm den Hund. Er streichelte ihn und wollte gerade gehen, als sich Amadeo ein Herz fasste und ihn ansprach.

„Werter Herr, ich verstehe das nicht. Ihr habt nun schon mehrfach bei mir eingekauft und dem Hund keine Knochen gegeben. Was ist geschehen?“ Der Mann sah ihn freundlich an und sagte „Beim ersten Mal kaufte ich Huhn. Ich wusste zwar von meiner Nachbarin, dass Ihr die übrig gebliebenen Knochen gerne mal Eurem Hund gebt, aber ich sah auch Euren Sohn.“ Amadeo blickte ihn verwundert und fragend an. „Euer Sohn liebt diesen Hund ganz offensichtlich. Hühnerknochen können leicht splittern und Hunde könnten sich daran verletzen oder sogar sterben. Dieses Risiko wollte ich nicht eingehen.“, sagte der Mann ruhig, “…und ich konnte die Knochen noch auskochen. So wurde die Brühe kräftiger. Mein Sohn war erkältet – die Suppe hat ihm geholfen.“

Amadeo war sprachlos – das hatte er nicht erwartet. Der Mann sah die Verwunderung in Amadeos Gesicht. „Beim zweiten Mal ging es meinem Sohn schon wieder gut und er wünschte sich ein Filetstück. Da ist leider kein Knochen dran. Aber heute habe ich Rind gekauft. Da soll der Hund auch seinen Knochen bekommen – er musste ja schon lange warten.“, sagte der Mann zwinkerte mit einem Auge.

Amadeo war überrascht, berührt und beschämt zugleich. Wie konnte er nur so falsch gelegen haben? Der Mann mochte Hunde ganz offensichtlich. Er lächelte und Amadeo lächelte zurück. „Vielleicht kommt mein Sohn beim nächsten Mal mit … er mag Hunde auch sehr und ist etwa so alt wie Euer Sohn.“, verabschiedete sich der Mann. Amadeo strahlte und sein Herz begann zu leuchten. Ein Weihnachtslicht leuchtete in ihm.

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2016)

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Das Weihnachtslicht (Therapeutische Geschichte) 7/8 Der Glücksknochen auf „Nur positive Nachrichten“
05 Dez

Das Weihnachtslicht (Therapeutische Geschichte) 6/8

Ein Weihnachtslicht ist eine besondere Erscheinung. Es leuchten zwar zur Weihnachtszeit viele Lichter, aber Weihnachtslichter leuchten, wo menschliche Wärme, Herzlichkeit und Liebe sich zeigen. Dabei ist ein Weihnachtslicht nicht unbedingt heller oder größer als andere Lichter und es leuchtet auch nicht nur im Dezember. Es ist aber ein Licht, das so voller Wärme leuchtet, dass es Menschen berührt und Herzen wärmt. Von acht dieser Weihnachtslichter will ich Euch berichten.

 

6. Licht „Die Predigt“ -gewidmet Julia-

An einem Sonntagmorgen ging Lucia in die Kirche. Sie mochte die feierliche Atmosphäre und die meisten Menschen dort waren freundlich zu ihr. Sie hatte im Leben viel Pech gehabt. Ihr Elternhaus war nicht sehr liebevoll gewesen, was die Schule nicht leichter und ihren beruflichen Weg nicht erfolgreicher gemacht hatte.

Heute sollte ein bekannter Prediger aus Amerika, Michael Johns, kommen und eine Gastpredigt zur Nächstenliebe halten. Sie hörte gerne den Predigten zu. Der Pfarrer hatte eine so schöne Stimme, wie sie fand, und seine Worte regten sie meist zum Nachdenken an. Sie war extra früh in Kirche gegangen, um noch einen guten Platz aussuchen zu können und den Gast auch gut zu sehen und zu hören.

In der vierten Reihe direkt am Mittelgang hatte sie einen Platz gefunden. Es waren noch nicht so viele Menschen da. Nur ein junger Mann schräg von ihr -unter der Kanzel- war ihr aufgefallen, der lächelte sie so nett an. Langsam füllte sich der Raum. Plötzlich kam eine Frau im sehr schicken Mantel und stellte sich neben sie. In der Sitzreihe waren noch 2-3 Plätze rechts neben Lucia frei geblieben, weil dort ein Pfeiler die Sicht einschränkte. Die so schick gekleidete Frau schaute Lucia an und fragte, ob noch zwei Plätze frei wären – für sie und ihren Mann. Lucia stand auf und wollte die Dame durchlassen. „Rutschen Sie doch einfach durch. Da hinten sehe ich ja nicht so gut“, sagte die Dame.

Lucia sah sie an und überlegte und verzog das Gesicht. „Hören Sie, ich bin Frau van Itas, mein Mann ist der Chefarzt im Klinikum hier. Wir spenden dieser Gemeinde jedes Jahr viel Geld. Da werden wir wohl einen vernünftigen Sitzplatz bekommen können.“, polterte die Frau ihr entgegen. Lucia war irritiert, traurig und eingeschüchtert zugleich. „Bitte … setzen Sie sich.“, war das einzige, was sie noch sagen konnte.

Sie überlegte, die Kirche zu verlassen … oder doch noch einen anderen Platz zu suchen, um der Predigt zuhören zu können. Der junge Mann, der sie so freundlich angelächelte hatte, hatte das Ganze beobachtet und winkte Lucia zu. Sie sah ihn verwundert an und er winkte noch deutlicher und zeigte auf einen freien Sitz neben seinem. Die Kirche war schon sehr voll. Bevor sie gar keinen Platz mehr finde würde, war dieser immerhin in der Nähe der Kanzel. „Tut mir leid, was da gerade passiert ist.“, sagte er als Lucia sich setzte, „aber so werde ich Deine Gesellschaft genießen. Ich bin Michael.“ „Lucia“, antwortete sie kurz. Selten war ein Mann so nett zu ihr gewesen und hatte etwas so Freundliches, Anerkennendes zu ihr gesagt. In ihr spürte sie ein warmes Gefühl und ihre Augen wurden wässrig – eine kleine Träne bildete sich im Augenwinkel. Ein Sonnenstrahl, der durch das Kirchenfenster fiel, brach sich darin. In diesem Funkeln wurde ein Weihnachtslicht geboren.

Der junge Mann stand plötzlich auf und ging die Kanzel hinauf. Er stellte sich kurz vor und sprach davon, wie er aus seiner Heimatstadt vor einigen Jahren nach Amerika ging und jetzt zurückkam, um hier heute eine Predigt zu halten. Dann sprach er über Nächstenliebe und wie diese im Alltag aussehen kann. Eine Dame fühlte sich sichtlich unwohl dabei.

Nach der Predigt geleitete Michael Lucia unter den Blicken vieler anderer noch bis zu Tür. Sie lächelte, wie sie vielleicht noch nie in ihrem Leben gelächelt hatte und nahm dieses warme Gefühl mit nach Hause.

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2016)

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Das Weihnachtslicht (Therapeutische Geschichte) 6/8 KGS Magazin Der Traum vom Sterben