11 Mrz

Äpfel (Therapeutische Geschichte)

Die kleine Sabine wohnte mit ihren Eltern in einem Haus mit einem großen Garten. Und weil der Garten und das Haus so schön waren, bauten ihre Eltern zum Schutz einen Zaun darum. Im Garten standen Apfelbäume – groß und kräftig und mit Äpfeln süß und saftig, zur Hälfte grüngelb und zur Hälfte orange-rot. Sabine spielte gerne im Garten und sie liebte die Äpfel. Im Herbst erntete der Vater die Äpfel stets mit der großen Leiter, in dem er sie einzeln und vorsichtig pflückte. Und es gab so viele tolle Sachen, die man aus Äpfeln machen kann.

Als Sabine in die Schule kam, lernte sie zum ersten Mal andere Kinder kennen. Im Herbst brachten viele Kinder auch ihre Äpfel als Stärkung in den Pausen mit. „Schau mal“, sagte Max, „den hat mein Papa extra für mich mit der Pflückstange von unserem besten Baum geholt,“ und biss mit einem Leuchten in den Augen in seinen Apfel. „Pflückstange?“, fragte Sabine, „Äpfel gehören von Hand gepflückt mit einer Leiter“. „

Hm, wir pflücken Äpfel immer mit der Pflückstange. Da können wir auf dem Boden bleiben“, antworte Max. „Wie kannst Du nur sowas sagen?“, ärgerte sich Sabine. „Ich habe Dir eben erklärt, wie man Äpfel pflückt. Das solltest Du Dir mal merken.“ und ließ ihn verwundert stehen.

Am nächsten Tag sah sie, wie die kleine Ulrike einen Apfel aß, der ganz grün war. „Was hast Du da für einen komischen Apfel? Der ist ja ganz grün und schmeckt bestimmt ganz sauer“, spöttelte Sabine und sah die anderen Kinder an. Die sahen Sabine erstaunt an und drehten sich weg. Die kleine Ulrike sagte „Meine Mutter hat den von unserem Bäumchen geschüttelt.“ und biss nochmal ab. „Geschüttelt?“, Sabine wurde ganz rot im Gesicht, „Ihr schüttelt die Äpfel vom Baum? Äpfel pflückt man mit einer Leiter vom Baum!“ Ulrike sah sie verwundert an. „Unsere Bäumchen sind nicht so groß, dass da eine Leiter nützlich wäre. … Ist doch auch egal, wie – Hauptsache, er schmeckt!“ und lächelte. Dann griff sie in ihre Tasche und holte noch einen grünen Apfel heraus und bot ihn Sabine an.

„Egal? Wieso verstehst Du das nicht?“ – Sabine wurde immer wütender. „So einen komischen Apfel esse ich nicht! Äpfel sollten zur Hälfte grüngelb und zur Hälfte orange-rot sein. Und wenn Du das nicht endlich kapierst, bist Du doof!“, grollte Sabine verärgert und stampfte davon. Ulrike wurde traurig und lief zu den anderen Kindern. Die hatten sich von den beiden entfernt, um in Ruhe ihre Äpfel zu essen.

Sabine konnte gar nicht verstehen, warum die anderen Kinder sie so mit ihren Äpfeln ärgern wollten. Schließlich hatte sie doch Recht und die anderen waren alle komisch.

Als sie nach Hause kam, erzählte sie ihrer Mutter davon und wurde schon bei den Gedanken an die Pause wieder wütend. Denen werde ich es morgen zeigen, ich werde der Lehrerin ein paar Äpfel aus unserem Garten mitbringen, dann wird sie den anderen schon sagen, wie richtige Äpfel aussehen und wie man sie pflückt.

Die Mutter sah sie traurig an. Dann nahm sie Sabine an die Hand und spazierte mit ihr durch die Nachbarschaft. „Das hätte ich mit Dir schon viel früher machen sollen.“, sagte sie und zeigte ihr die Gärten und die Apfelbäume darin. Da waren dunkelrote, rot-grüne, gelbe und bunte, große und kleine Äpfel. „Das sind alles Äpfel. Manche sind süßer, andere saurer, manche fester und andere weiche und jeder ist genau so richtig, wie er ist.“ Dann kniete sie sich zu ihrer Tochter „Es gibt viele Sorten Äpfel und verschiedene Wege, sie zu pflücken.“ „ABER…“, unterbrach sie Sabine. „Nur weil wir eine Leiter benutzen und Du die eine Apfelsorte magst, sind die anderen nicht komisch oder schlechter“ „ABER…“, konterte Sabine wütend ein zweites Mal, „die anderen Kindern ärgern mich mit ihren Äpfeln!“

„Nein“, sagte die Mutter, „Du ärgerst Dich! Die anderen Kinder stören sich nicht an Deinem Apfel. Warum tust Du es?“ „Ich bin doch so stolz, auf unsere Äpfel“ sagte Sabine etwas kleinlauter, „daraus, kann man so tollen Kuchen und Apfelmus daraus machen“ Die Mutter grinste verschmitzt „Den Apfelkuchen mache ich aber mit den Äpfeln vom Max und zu Deinem geliebten Apfelmus mische ich stets ein paar von den Äpfeln von der Ulrike dazu. Dann schmeckt es besser.“

Es dauerte ein paar Tage und einige Spaziergänge durch die Gärten bis Sabine erkannte, wie viele Apfelsorten und Apfelbäume es gab. „Eigentlich ist es doch ganz schön, dass es verschiedene Äpfel gibt, so kann man auch mal andere Äpfel zu probieren“, freute sie sich.

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2016, derzuhoerer-berlin.de)

Äpfel

Äpfel


Praxis Der Zuhörer -Steffen Zöhl

(Visited 96 times, 1 visits today)
Äpfel (Therapeutische Geschichte)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Äpfel (Therapeutische Geschichte)