19 Jan

Aus dem Fenster geschaut (Therapeutische Geschichte)

© Praxis Der Zuhörer - Steffen Zöhl, 2017Gestern Abend schaute ich aus dem Fenster. Es war ein klarer, kalter Winterabend. Einer dieser Winternächte, wo man nicht draußen sein wollte, wenn es unbedingt nötig war. Der Wind pfiff durch die Straße und ließ die kalte Luft noch kälter auf der Haut scheinen, als sie ohnehin schon war.

Ich schaute hinaus in die Nacht – auf die kleine Straße und die Bäume, die gegenüber auf dem Schulhof stehen. „Wie gut, dass ich nicht hinaus muss.“, war mein erster Gedanke, „So klar auch die Luft sein mag – es ist schon ganz schön kalt da draußen.“ Eine Frau ging die Straße entlang und verschwand bald wieder in der Dunkelheit der Straße.

„da draußen …“, ich nahm mir einen Moment für mich. In diesem Moment wurde mir bewusster, dass ein „da draußen“ bedeutete, dass es auch ein „da drinnen“ gibt – eine Wohnung, die warm war, ein Bett, in das ich gleich steigen würde und schlafen könnte. Ich würde schlafen können – gesund, ohne Hunger, ohne Angst verfolgt zu werden, ganz gleich weshalb. Ich werde warm, sicher und behütet schlafen können.

Ich habe ein „Zuhause“, einen Ort des Rückzuges, der Privatsphäre und der Sicherheit. Ein Zuhause voller ‘Luxus’ – mit Kleidungsstücken, die ich tlw. bestimmt schon über ein 1 Jahr nicht getragen habe -manche vermutlich länger, mit einem Computer, Fernseher, Bücherregalen und einer recht gut ausgestatteten Küche.

Ich bin nicht allein oder isoliert – ich habe Familie, Freunde, Bekannte, Kollegen, Klienten, Kunden oder kann neue freundliche Menschen kennenlernen.

Auch wenn es kitschig klingen mag … einmal bewusst wahrzunehmen, wie viele Dinge ich in meinem Leben besitze (von denen ich sicher nicht alle ‘brauche’) oder wie viel Glück es für mich bedeutet, genau hier und jetzt leben zu dürfen, erfüllt(e) mich mit einer großen Dankbarkeit.

Natürlich war es nicht immer und auch nicht alles leicht in meinem Leben. Es gab und gibt immer wieder Stolpersteine, Herausforderungen, aber ich erfreue mich mehr an den Erfolgen, als dass ich mich über die Tiefschläge des Lebens ärgere. … zumindest im Nachhinein. Jeder trägt sein Päckchen – ich kann meines (er)tragen.

Das Bewusstwerden, dass ich in meinem Leben aber viel Glück hatte – eine glückliche Kindheit, keine größeren Probleme in der Schule, Ausbildung, Studium, Erfolg im Beruf und ein auskömmliches Einkommen, was mir ein zufriedenes Leben und letztlich den Start in meine jetzige Berufung als Heilpraktiker für Psychotherapie ermöglichte, ließ mich unglaublich glücklich und dankbar sein.

Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.
(Sir Francis Bacon)

Die Chance, etwas tun zu können, was mich aus tiefstem Herzen glücklich werden lässt – Menschen helfen zu dürfen, wurde mir möglich. Und dafür war und bin ich zutiefst dankbar.

Auch mit meinen Klienten mache ich gerne eine Übung -meist als Hausaufgabe zwischen zwei Terminen, bei der sie eine Liste aufstellen, z.B. wofür sie dankbar sind, worauf sie in ihrem Leben stolz sind oder was sie an kleinen und großen Dingen in ihrem Leben glücklich macht. Denn allzu oft verlieren wir das aus den Augen und fokussieren uns auf das, was uns (scheinbar) fehlt.

Oft denken wir nicht an die wichtigsten Dinge … Gesundheit, Freiheit, Liebe, …

P.S. Wie wäre es, heute mit diesen oder zumindest einer dieser Listen zu beginnen?

 

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2017)

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