26 Apr

21.04.2016 Vortrag und Gesprächsrunde im Seniorenclub Herthastraße

Praxis Der Zuhörer - Steffen Zöhl

Vortrag im Seniorenclub Herthastraße 21.4.2016

Berlin, 21.04.2016 Vortrag und Gesprächsrunde im Seniorenclub Herthastraße
Am Donnerstag durfte ich im Seniorenclub einen Vortrag „Abschied und Trauer – Bedeutende Themen des Lebens zum Thema Umgang mit Abschied, Trauer und Ängsten halten. Neben der Vorstellung der Trauer-Modelle von Verena Kast und Yorick Spiegel waren mir die 5 Wünsche, “… die Sterbende am meisten bereuen“ (Bronnie Ware) wichtig.

In der anschließenden offenen Gesprächsrunde, die ich begleiten durfte, sprachen die Anwensenden, vor allem Frauen, über die aktuellen bzw. zurückliegenden Erfahrungen mit Trauer und Abschieden. Die Offenheit, in der sich meist fremde Menschen austauschten und auch die positive Aspekte, die viele nach einer Trauerphase finden konnten, haben mich sehr berührt.

So fand eine Dame nach dem Verlust ihres Mannes in der Kreativität, Gedichte zu schreiben (was sie vorher nicht tat), einen Weg, ihren Verlust zu verarbeiten. Und durch die vielfältigen Möglichkeiten und Angebote im Seniorenclub, die sie regelmäßig nutzte, boten sich ihr neue Beschäftigungen und neue Kontakte.

Ich bedanke mich nochmals herzlich bei der Leiterin Maud Meinel für diese Möglichkeit und ihre Unterstützung. Vielleicht erwächst aus diesem ersten Treffen ein regelmäßiger Gesprächskreis, in dem Hinterbliebene sich gegenseitig zur Verfügung stehen, sich Mut zusprechen und füreinander da sind.
(Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl)



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18 Apr

jelly beans (Therapeutische Geschichte)

Praxis Der Zuhörer - Steffen Zöhl Charlottenburg

Jelly beans sind diese kleinen, süßen Geleebohnen, die es in so vielen verschiedenen Geschmacksnoten gibt. Sie haben alle verschiedene Farben, manche sind auch bunt oder gemustert – nur die Form ist gleich. Da findet eigentlich jeder etwas für seinen Geschmack.

Felix liebte jelly beans und hatte besonderes Glück, denn sein Vater hatte einen einen Stand, an dem er diese Süßigkeiten verkaufte. Eines Tages besuchte Felix seinen Vater und bekam wie so oft ein paar Bohnen geschenkt. Er durfte sie sich selbst aussuchen und wählte wie eigentlich immer seine Lieblingssorte – Erdbeere. Da der Vater an diesem Tag noch etwas zu besorgen hatte, bat er Felix, für eine Stunde auf den Stand aufzupassen. Das war für Felix nicht neu.

„Aber“, sagte der Vater, „mehr Bohnen iss besser nicht mehr, sonst bekommst Du nur wieder Bauchschmerzen.“ und ging. Als Felix so die Bohnen betrachtete, entdeckte er plötzlich eine neue Sorte, die ihn doch ansprach. Sie schien etwas größer als die anderen Bohnen. Diese Bohnen glänzten ganz wunderbar, schillerten prächtig und dufteten einfach fantastisch. „Der Vater würde es wohl nicht merken, wenn ich nur ein paar davon nasche und er würde sie mir wohl auch schenken“, dachte sich Felix. „aber er vertraut mir – und, wenn ich zuviele nasche, bekomme ich ja -zumindest manchmal- Bauchweh. Ich hab ja meine Erdbeerbohnen.“

Die Entscheidung fiel ihm schwer. Sollte er nun probieren, was ihm da so lecker vor der Nase stand oder widerstehen? Vielleicht würde es der Vater ja doch merken? Was würde der dann denken? Vielleicht bekäme er ja wirklich Bauchschmerzen? Zu allem Übel stand ausgerechnet auf dem Glas auch noch „Greif zu“. Es war fast so, als wollten diese Bohnen vernascht werden. Warum gab es auch Bohnen, die so verführerisch dufteten? Die eine Bohne tat ja niemandem weh – es war also eine Frage des Gewissens. Könnte er sich die Bohnen überhaupt schmecken lassen, wo er sie doch nicht essen sollte?

Aber was, wenn gerade diese Bohnen morgen nicht mehr da wären und er nie erfahren würde, wie sie schmeckten. Manchmal hatte der Vater Sorten, die es nur einmal als Sonderaktion gab. Vielleicht würde er es dann immer bereuen, den süßen Geschmack nicht probiert zu haben. Es ging in ihm hin und her – für beide Seiten gab es gute Gründe. Er ging also tief in sich und dann entschied er sich.

 [Ich konnte mir hier verschiedene Ausgänge vorstellen und jeder wäre erzählenswert. Wer mag, fühle sich frei, sein eigenes Ende zu finden und zu schreiben. Entschieden habe ich mich für folgendes:]

Leicht fiel es ihm nicht, doch er wusste, dass es manchmal besser ist, mit dem Naschen aufzuhören, als einen Geschmack nicht zu kennen. Bauchschmerzen bekam er schnell, sonst hätte der Vater es ihm gegönnt.

Und während er noch in Gedanken versunken war, kam ein Junge an den Stand. Er sah die jelly beans und wollte unbedingt die, über die Felix gerade noch nachgedacht hatte. „Dann sollte es so sein.“, dachte Felix, als er das Lächeln im Gesicht des Jungen sah, nachdem dieser die erste Bohne genüsslich vernascht hatte. Die Augen des Jungen leuchteten. „Diese Bohnen waren wohl nicht für mich bestimmt. Nun machen sie einen anderen glücklich.“ – und Felix lächelte.
(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2016)

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11 Apr

Eine Welt – zwei Welten (Therapeutische Geschichte)

Eine Welt – zwei Welten
-für Elke-



Elke ist eine attraktive Frau Mitte vierzig, verheiratet
und aufgrund ihrer sportlichen Laufbahn noch immer sportlich und fit. Um weiterhin in Form zu bleiben, entscheidet sie sich, einen Kurs zu probieren.
Eines Abends besucht sie ein Fitnessstudio zum
Spinning-Probetraining (Fahrradergometer). Sie setzte sich auf das ‘Rad’ und machte fleißig das Training unter Anleitung des Trainers mit. Nach einer Weile bemerkte sie, dass der Trainer sie genau beobachtet und auch einige der anderen, meist jüngeren Frauen.
Sie versuchte bei sich zu bleiben und sich auf das Training zu konzentrieren. Doch die Frage, was die anderen über Sie denken, beschäftigte sie. „Die denken bestimmt, was will die Alte denn noch hier?“ oder „Warum trainiert die nicht mit Gleichalten?“ „Die sehen alle so jung und hübsch aus und meine beste Zeit ist vorbei.“ Und dann blickte sie doch einige Male zu den jungen Frauen rüber.
Sie beeilte sich nach dem Training und wollte nur noch schnell duschen. Da es ein Probetraining war, hatte sie noch keine Duschmarken.
Einer der mit ihr trainierenden Männer bemerkte das und schenkte ihr eine. „Es gibt also noch nette Männer
… oder hat der das jetzt aus Mitleid gemacht … ?“

Als sie nach Hause kam, erzählte sie ihrem Mann davon. „Ich weiß nicht, ob ich da nochmal hingehen sollte. Die jungen Frauen finden das bestimmt komisch, wenn sie mich sehen.“ Ihr Mann nahm sie in den Arm und küsste sie.

Laura ist eine attraktive junge Frau Anfang zwanzig, seit 2,5 Jahren mit ihrem Freund fest zusammen. Sie wohnen in einer gemeinsamen Wohnung und machen beide gerne Sport – als Ausgleich zum Job und um fit zu bleiben.
Eines Abends besucht sie mal wieder ihr Fitnessstudio zum Spinning-Probetraining (Fahrradergometer). Sie setzte sich auf das ‘Rad’ und machte fleißig das Training unter Anleitung des Trainers mit. Nach einer Weile bemerkte sie, dass der Trainer sie genau beobachtet und eine neue Teilnehmerin.
Sie versuchte es sich nicht anmerken zu lassen und sich auf das Training zu konzentrieren. Doch die Frage, wer die Neue war, beschäftigte sie. „Wenn ich mit 30 noch so aussehen würde und fit bin wir die Neue, das wäre schon klasse. Das sieht bei ihr so leicht aus und ich schwitze hier und kämpfe. Die sieht schon klasse aus.“ Und dann blickte sie noch einige Male zu der neuen Frau rüber.
Nach dem Training sah sie, wie ihr Thomas aus dem Kurs eine Duschmarke schenkte. „Tja, wenn man so gut aussieht, kriegt man auch eine Duschmarkte geschenkt … ;o) Mal schauen, wenn sie häufiger kommt, spreche ich sie vielleicht mal an und frag wer sie ist. Naja jetzt ab nach Hause.“

Als sie nach Hause kam, erzählte sie ihrem Freund davon. „Heute kam eine Neue in meinem Kurs – schätze mal so Anfang-Mitte 30. Ich sage Dir, wenn ich mal noch so aussehe und so fit bin …“ Ihr Freund nahm sie in den Arm und küsste sie.

 

 

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2016)

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04 Apr

Wie ein Flug mein Leben veränderte (Therapeutische Geschichte)

Wie ein Flug mein Leben veränderte
-inspiriert durch Vanessa-

Montagmorgen – recht früh machte ich mich auf den Weg zum Flugplatz. Ein Inlandsflug macht Termine fast überall in Deutschland möglich. Auf der Fahrt bemerke ich noch, wie wunderschön die Sonne an manchen Tagen über Berlin aufgeht. Der Captain grüßt aus dem Cockpit und brummelt wie gewohnt halbverständliches Zeug ins Mikrofon. Ich schließe die Augen und döse ein bisschen bis die Crew die Getränke reicht. Beim Anflug gibt es ein paar irritierende Geräusche, aber zum Glück habe ich keine Flugangst. Plötzlich kommt der Captain wieder über den Lautsprecher. Bevor ich noch denken kann „den Text kenne ich schon …“, schrecke ich doch zusammen. „Meine Damen und Herren, es gibt ein Problem mit dem Fahrwerk. Wir haben eine Fehlermeldung und können zum derzeitigen Zeitpunkt nicht sicher vorhersehen, ob eine planmäßige Landung möglich sein wird. Bitte nehmen Sie alle Ihren Sitzplatz ein und benutzen Sie die Sicherheitsgurte. Ladies and Gentlemen …“

Angst machte sich in mir breit wie ein Lauf-Feuer, dass von meiner Brust aus in den Körper ausstrahlte. Ich spürte, wie mein Herz pumpte und meine Hände kalt wurden und leicht zitterten. Ich malte mir aus, welche Szenarien möglich werden und, was ich darüber wusste, auf welchen Plätzen die größten Überlebenschancen im Falle eines Absturzes bzw. einer Notlandung bestehen. Noch war nichts passiert und alles könnte gut verlaufen, aber ich wollte vorbereitet sein auf den schlimmsten Fall. In den Gesichtern meiner Mitreisenden erblickte ich überwiegend Angst, Panik, Erstarren und Traurigkeit. Das Bordpersonal versuchte Ruhe auszustrahlen und bat auch die Passagiere um Aufmerksamkeit und Ruhe.

Es war wie in einem Film, der zu langsam ablief und meine Gedanken waren wie im Nebel. Doch plötzlich war mir klar, dass ich den wichtigsten Menschen in meinem Leben noch etwas mitzuteilen hatte. Ich holte mein Handy aus der Hosentasche und überlegte kurz. Wer weiß, wie viel Zeit mir noch blieb. Wem habe ich noch unbedingt etwas zu sagen und vor allem was? Es ist in solchen Momenten schwer, Herr seiner Gedanken und seiner Finger zu sein. Kein Handy an Board benutzen … es war mir sowas von egal.

Zum Glück gibt es Verteiler – also schrieb ich an meine Eltern, meinen Bruder und meine Frau „Ihr seid die wichtigsten Menschen in meinem Leben. Ich liebe Euch und bin so unendlich dankbar, was Ihr alles für mich getan habt und, dass Ihr Teil meines Lebens seid. Ihr habt immer einen besonderen Platz in meinem Herzen.“ Ich hoffte, niemanden damit zu beunruhigen, doch es war mir wichtig.

Das war geschafft. Noch immer nichts Neues vom Captain. Die Crew hatte inzwischen mehrfach erläutert, wie wir uns im Falle des Falles zu verhalten und hinzusetzen haben. Niemand beschwerte sich erfreulicherweise über die Handys – denn mit einem kurzen Blick hatte ich gesehen, dass auch andere meinen Gedanken teilten. Was schreibt man noch, wenn man vielleicht nicht mehr lange lebt? „Du bist ein einzigartiger Mensch. Ich bin sehr dankbar dafür, glücklich und stolz, dass ich Dich kenne.“ Schon wieder rumpelt die Maschine und setzte einen erneuten Adrenalinstoß frei. Ich überlege, wie lange mir noch bleibt „Lebe Dein Leben.“ Schnell den Verteiler „Enge Freunde“ und abgeschickt.

Der Ton der Flugbegleiter wird schärfer. Wir sollen alle die Notfallposition einnehmen und uns ruhig verhalten. Aus einigen Sitzreihen höre ich ein Jammern und Weinen und auch meine Anspannung steigt. Mein ganzer Körper ist gespannt, meine Hände kalt und bleich und ich will eigentlich nur noch eine Entscheidung. Sind das meine letzten Momente? Ich drücke mich in den Sitz und male mir aus, was ich tun muss, um hier rauszukommen, wenn ich den Aufprall überlebe. Ein flüchtiger Blick aus dem kleinen Fenster – die Landung naht.

Ein immenser Ruck geht durch das Flugzeug, als wir auf dem Boden aufsetzen und ein quietschendes Geräusch, das definitiv nicht sein sollte, bohrte sich schmerzhaft in meine Ohren. Der Flieger rüttelt noch immer und wir sind recht schnell. Aber ich lebe noch … und meine Chancen, dass zu überleben steigen. Zumindest teilweise muss das Fahrwerk funktionieren, sonst wäre die Landung schlimmer gewesen.

Wir werden langsamer. Der Captain meldet sich: „Meine Damen und Herren, …“. Er klingt entspannt genug für mich, als dass ich weiter zuhören müsste. Ich war selten so froh über eine Landung. Die abfallende Anspannung ließ mich ruhiger werden und ermatten. Nach dem Ausstieg schaltete ich wieder auf „kein Empfang“, da ich meine Termine vor mir hatte. Der Tag konnte mich nicht mehr schocken und verlief ‘wie im Flug’.

Erst am Abend zuhause stellte ich mein Handy wieder an. So viele Mails in Posteingang und Anrufe in Abwesenheit? In dem Durcheinander hatte ich wohl nicht „Enge Freunde“ sondern den weitaus größeren Verteiler „Freunde“ aus dem Adressbuch geklickt. Es gab viel Fragen, wie ich denn darauf käme und ob alles in Ordnung sei. Doch die meisten haben sich sehr gefreut.

Ich dachte etwas darüber nach und entschied mich, mein Flugzeugabenteuer nicht weiter zu erwähnen. Eigentlich wollte ich es meinen Freunden ohnehin sagen und meinte es genau so – ich hatte mir nur nie die Zeit dafür genommen. Auf diese Weise hatte ich einen Anstoß bekommen. Also schrieb ich meinen Freunden zurück, dass ich ihnen das schon lange mal sagen wollte. Und die Verbindung zu vielen wurde danach enger.

 Wozu ein defektes Fahrwerk alles gut sein kann …

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2016, derzuhoerer-berlin.de)

 

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21 Mrz

Liebes Leid (Therapeutische Geschichte)

Liebes Leid

– für V.-

Vor zwei Jahren lernten sich Valerie und Konstantin bei einem gemeinsamen Projekt kennen. Irgendwie mochten sich die beiden von Anfang an. Aber außer sich ein paar Blicke zuzuwerfen und sich gelegentlich zu necken, passierte nichts. Einige gemeinsame Mittagspausen hatten die beiden miteinander verbracht und genossen. Konstantin war ein guter Zuhörer, der stets eine große Ruhe ausstrahlte. Valerie konnte mit Begeisterung erzählen und malte Bilder in den Köpfen ihrer Zuhörer. Nach einigen Wochen war das Projekt beendet. Zum Abschluss gingen die beiden Eis essen und dann trennten sich die Wege. Es sollten 10 Monate vergehen bis sich die beiden auf einer Tagung wieder begegneten. Beide freuten sich sichtlich bei dem überraschenden Wiedersehen. Nach einem Händeschütteln, kurzem Lächeln und Hallo – gingen beide mit ihren Begleitungen weiter.

 

Valerie – Halbspanierin, aber 100% temperamentvoll,
ein bisschen schüchtern, humorvoll bis über beide Ohren, 1,83m groß und sehr gut aussehend, eine Frau, die viele Männerherzen höher (+schneller) schlagen
lässt – sich selbst aber eher als durchschnittlich betrachtet, sportlich, Chirurgin, Single … und verliebt
Konstantin – Akademiker-Sohn, Kieferchirurg , ruhig, ziemlich schüchtern, bodenständig, kein Frauentyp eher ein Kumpel, zuverlässig, ein bisschen träge, ein Fels in Brandung, 1,85m, ein bisschen pummelig, mag Kabarett, Oper, klassische Musik, engagiert sich beim DRK, seinem Segelclub, Single … und verliebt

Am Abend nach der Tagung tauschen sich beiden mit ihren Freunden aus :

V: Hi Lara, ich hab IHN heute wieder getroffen, den Konstantin, von dem ich Dir erzählt habe. Bin ganz durcheinander, er sieht noch immer toll aus und ich
war soo nervös, als er mir die Hand gab. Was soll ich
nur tun?

L: Hi Süße, Mensch klingt als ob Du grad verknallt bist? War das nicht der pummelige, wo Du nicht wusstest,
ob er Dich überhaupt mag? Erzähl mehr ;o)

V: Naja wir waren heute beide auf der Tagung – hätte
ich das gewusst, hätte ich mich ein bisschen mehr aufgebrezelt *grins* Im Anzug sah er total klasse aus
und das pummelige ist mir total egal. Als er mich angesehen hat – ich bin bestimmt rot geworden, mir
war heiß und mein Herz klopfte vielleicht … meinst Du
ich kann ihm mal eine sms schreiben ??? Danke, dass
Du für mich da bist.

L: Hey Süße, das ist doch klar. Der muss Dich ja echt beeindruckt haben … ich frag auch nicht wie ;o) Eigent-
lich sollte er glücklich sein, dass so eine tolle Frau, wie
Du sich für ihn interessiert. Weiß er denn, dass Du ihn magst?

V: Er ist einfach sooo toll, bei ihm fühl ich mich sicher, geborgen, er ist nicht so oberflächlich und ich kann mit ihm lachen :o))) Ich war mal mit ihm Eis essen, da hat er mich gefüttert … romantisch, ich war hin und weg, aber als wir uns verabschiedeten, gab es weder eine Umarmung noch ein Küsschen :o/ Ich versteh das nicht
… wenn er mich nicht mag, warum kommt er dann mit
Eis essen – aus Mitleid?

L: Nun bleib mal ganz ruhig, Männer sind auch nur Menschen, vielleicht ist er nur schüchtern? Wenn Du seine Nummer noch hast, schreib ihm doch. Kannst es
ja neutral machen – hast Dich über das Wiedersehen gefreut, Wie geht’s so? sowas …

L: Warum hast Du ihn nicht umarmt nach dem Eis? ;o)

V: Ich weiß nicht, vielleicht ist er schon vergeben oder
er will gar nichts von mir … vielleicht sollte ich noch
etwas abnehmen, vielleicht war ich auch zu direkt mit dem Eis, oh ich weiß nicht weiter

V: Ich? Das muss der Mann machen … sowas trau ich mich nicht. Aber ich hätte nicht nein gesagt, wenn er mich geküsst hätte ;o)

L: Na dann träum mal süß von Deinem Traumtypen ;o)

V: Du auch *knuddel*

K: Hi Basti, Du wirst es nicht glauben – ich habe heute die Kleine von dem Projekt wiedergesehen. Hammer, die ist so süß. 10/10 ;o)

B: Glückwunsch Kon – hast Du sie gefragt ???

K: Nee – musste gleich weiter. Morgen ist sie bestimmt nicht mehr da, aber selbst wenn, die würde ich nie ansprechen.

B: Wieso nicht? Die fandest Du doch total scharf oder

K: Klar aber da mach ich mich voll zum Klops. Die kann da vermutlich jeden haben … was soll sie da mit mir?

B: Alter, jetzt mach mal halb lang, Du bist doch ein cooler Typ. Versuchs doch! Was haste zu verlieren?

K: Damals war sie Single – heute bestimmt verheiratet mit Kindern – wobei mit der Figur vielleicht auch nicht ;o)) Ich sag Dir zum niederknien

B: Na dann RUF SIE AN

K: und dann geht ihr Mann ;o) nee ich weiß nicht – vllt ist sie ja morgen doch noch da

B: Kon – Zeltlager organisieren, Segelregatta gewinnen – aber bei einer Frau kneifen?






Am nächsten Morgen gibt es wieder sms(en)

V: Hallo Konstantin, vielleicht erinnerst Du Dich, hier ist Valerie, wir haben uns gestern getroffen. Wenn Du magst, können wir uns in der Mittagspause sehen, ich geb Dir auch ein Eis aus. Du bist doch noch auf der Tagung? LG Valerie

K: Hi Valerie, ja klar können wir uns treffen. Ich kann ab 14:00 Uhr, wenn das ok ist. cu Konstantin

V: Super, ich freu mich riesig. cu Valerie





Woraufhin beide weiter sms schreiben …

V: Lara-Maus, ich bin verzweifelt. Ich habe ihn nach

einem Mittagessen gefragt. Er kann erst später, so ab 14:00 – das ist noch soooo lange. Und auf meine letzte sms hat er nicht geantwortet, obwohl ich „freu mich riesig“ geschrieben habe … das muss er doch verstanden habe … ich immer mit meinem Kopf durch die Wand, vielleicht bin ich zu schnell für ihn und er wollte fragen oder er wollte nicht fragen … HILFE ;o)

L: Guten Morgen Sonnenschein, na wie hast Du geschlafen? Von Deinem Dreamboy geträumt?

Entspann Dich – er ist ein MANN, die brauchen meist klare Ansagen – ob der Dich mit Deiner Andeutung verstanden hat … kann sein oder auch nicht. Vermutlich musst Du da mal die Initiative ergreifen und ihn Dir schnappen. Das kannst Du doch wie ich weiß *zwinkerzwinker* ich erinnere mich da an ein Sommerfest mit Martin

V: Martin :o) das ist Ewigkeiten her, Konstantin ist da anders. Vielleicht sollte ich eine Kollegin mitnehmen?

L: Bloß nicht – ich denke, Du willst mit ihm allein reden, wenn er wirklich schüchtern ist, machst Du ihn damit
erst recht fertig.

V: muss jetzt zur Tagung, berichte Dir nach dem Essen

K: Basti – sie hat sich gemeldet !!! Wir wollen heute Mittag zusammen essen. Was soll ich jetzt machen? Wenn sie wieder ihre Kolleginnen im Schlepptau hat, wird das wieder nix. Eine Abfuhr wäre ja schon bitter genug, aber im großen Kreis … brauch ich echt nicht. Soll ich lieber absagen?

B: Alter verbock das nicht – wenn sie Dich schon nach einem Mittagessen fragt – vielleicht hast Du ja den Hauptgewinn und sie mag Dich. Und wenn nicht, verkrümelst Du Dich in die Tagung zurück.

Kon mach das !

K: Danke. Mal schauen.



Valerie und Konstantin besuchen beide die Tagung jedoch in verschiedenen Vorlesungen. Beide in der ganzen Zeit angespannt, nervös und pendeln immer wieder zwischen Vorfreude und Angst. Um auch garantiert pünktlich zu sein, ist Valerie schon ein paar Minuten eher da und setzt sich. Sie schreibt noch schnell eine sms „ich bin ganz kribbelig – ich kann ihm doch nicht sagen, dass ich ihn mag, damit er es versteht :oP „

Konstantin erscheint kurze Zeit später und sieht sie sofort. Mit jedem Schritt, den er auf sie zugeht, nimmt das Herzklopfen zu, der Mund wird immer trockener und die Knie zittern. „Hoffentlich merkt sie nicht, wie aufgeregt ich bin. Wow sie sieht mal wieder klasse aus. Verbock das nicht Konstantin! So eine Chance bekommst Du nie wieder“ denkt er noch, bevor er ihr zulächelt und sie mit einem „Hallo Valerie“ begrüßt. Beide schauen sich verlegen an und verstecken sich hinter den Speisekarten. Nachdem sie ihr Essen gewählt hatten, entschuldigt sich Valerie kurz. Durch die Aufregung muss Valerie auf Toilette … und sich nochmal „aufhübschen“, wie sie es gerne nennt. Plötzlich klingelt Valeries Handy, das sie auf dem Tisch zurückgelassen hatte. Nach dem dritten Klingeln wird es Konstantin unangenehm, denn andere Gäste schauen ihn schon an. Er greift über den Tisch und will per Knopfdruck, das Gespräch ablehnen. Plötzlich kommt per Lautsprecher eine Stimme – über Kopf war es wohl die falsche Taste. Konstantin wird rot. „Süße wenn Du es ihm nicht sagst, wird er es vielleicht nie erfahren. Und wenn Du Konstantin magst – SAG ES IHM … Süße? Val..le..rie? *beep* *beep* *beep*

Konstantin weiß nicht ob er lachen oder heulen soll, er zittert vor Anspannung und vor Glück. Valerie kommt in diesem Moment zurück. Er steht auf. „Alles oder nichts“ – er nimmt allen Mut zusammen und geht einen Schritt auf sie zu. Als sie ihm in die Augen schaut, kann er nicht mehr anders – ein letzter Schritt und er gibt ihr einen Kuss. Er erschrickt – vor sich, seinem Mut und … dass er das gerade getan hat … doch sie erwidert seinen Kuss und schließt ihre Augen. Sekunden werden gefühlt zu einer Ewigkeit. „Das wollte ich schon lange“ bricht es fast gleichzeitig aus beiden heraus.

Mit einem Moment war die Tagung unwichtig, die anderen Gäste, Zeit, Raum … sie hatten nur noch Augen füreinander und so viel was es zu erzählen gab. Aus Zweifeln und Angst wurde Leichtigkeit und Selbstverständ-lichkeit. Und es war an den Tag nicht der letzte Kuss. Die Herzen schlugen immer noch heftig, aber diesmal im Gleichklang.

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2016)

Zum einfacheren Lesen:  Liebes Leid als pdf









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15 Mrz

Klara (Therapeutische Geschichte)

In einem Dorf am Hang eines Berges wohnte das Mädchen Klara. Ihre Eltern waren verstorben, weshalb sie bei ihrer Tante aufwuchs. Die Tante hatte ein eigenes Kind – Magnus. Er war zwar nicht so gescheit und fleißig wie Klara, aber als ihr eigenes Kind hatte sie ihn doch lieber.

Klara liebte die Natur, die Tiere und Menschen und hatte eigentlich immer ein strahlendes Lächeln im Gesicht. Die häufige Schelte ihrer Tante, sie sei zu nichts zu gebrauchen und nur ein unnützes Maul, was zu stopfen ist, vergaß sie schnell, wenn sie die Tiere oder den Garten pflegte. Ein wenig neidisch war die Tante wohl, wie gut das noch junge Mädchen mit den Tieren umgehen konnte und wie der Garten gedieh, seit Klara sich darum kümmerte. Aber das hätte sie nie zugegeben.

Als Klara in die Schule kam, bewunderte sie die anderen Kinder. Bei allem bemerkte sie, was diese besonders gut konnten. Dem starken Gerd, der schon allein morgens die Milch für die ganze Klasse in die Schule trug, Julia, die so gut malen konnte oder Jan, der so schnell laufen konnte. Nur an sich konnte sie nichts finden, was sie wohl gut könnte. Zu oft hatte sie auch die Worte der Tante gehört und vielleicht hatte die ja auch recht. Ihre Lehrerin bewunderte Klara, sie konnte den Kindern so vieles erklären und blieb ruhig, auch wenn einer es nicht gleich beim ersten Mal verstand.

Eines Tages saß der starke Gerd betrübt auf der Bank hinter der Schule. Sie setzte sich neben ihn und fragte, was ihn beschäftigte. Ach, das Zählen und Rechnen wollte ihm einfach nicht gelingen. „Hm“, sagte Klara, „habe mich schon oft gefragt, wie Du die 9 Flaschen Milch für die ganze Klasse jeden Tag in die Schule tragen kannst.“ „Oh, das ist leicht. Ich habe schon klein angefangen und dem Vater tragen geholfen auf dem Hof.“ antwortete Gerd. „Und das von Montag bis Samstag … und jede Milchflasche wiegt ein halbes Kilo …“ sagte Klara. „Ich kann noch viel mehr als 4,5 Kilo tragen – bestimmt an die neun“ meinte Gerd. Klara lächelte und plötzlich grinste auch Gerd. Und auf dem Weg nach Hause zählten sie alles, was ihnen begegnete – Bäume, Hunde, Hühner und Leute. Jeden Tag zählte und rechnete der Gerd nun auf dem Weg in die Schule und zurück.

„Du kannst so schön malen.“, sagte Klara zu Julia, die vor der Schule auf der Wiese saß. „Findest Du? Danke, das hat mir noch keiner gesagt. Ich würde so gerne einen Schmetterling malen, aber ich krieg das einfach nicht hin. Die fliegen immer so schnell wieder weg.“ Klara nahm eine Tasse, tat etwas Zucker und Wasser hinein und tröpfelte etwas davon auf die Blumen, die vor Julia wuchsen. Nach einer Weile setzte sich ein Schmetterling darauf … und blieb. Das Zuckerwasser hatte es ihm angetan. Julia betrachtete den Falter sehr genau und dann malte eine ganze Weile, immer wieder Schmetterlinge. Im nächsten Unterricht bemerkte auch die Lehrerin, wie schön Julia Schmetterlinge malen konnte.

Eines Tages auf dem Heimweg sagte der schnelle Jan zu Klara „Verrate es niemandem, aber ich habe Angst, sitzenzubleiben – ich schaff das nicht mit dem Lesen. Im Unterricht konnte ich mich bislang erfolgreich drücken, aber wenn ich nicht bald besser und schneller werde, bleibe ich wohl sitzen.“ „Ich glaube an Dich und weiß, dass Du das lernen kannst, wenn Du es willst.“ antwortete Klara und nahm einen Zettel und schrieb etwas darauf. Es wurde ein längerer Zettel. Den gab sie Jan. „Mein Geheimnis“ stand da … und Jan wurde neugierig. Auch wenn es schwer fiel, er übte jeden Tag und las Stück für Stück Klaras Zettel. Jeden Tag schrieb sie ihm einen Zettel. Sie schrieb von Ihrer Mutter, der Tante und was sie so an ihren Mitschülern bewunderte. Und dann fing Jan an, ihr zu schreiben. Zunächst waren es nur kurze Zettel über den Schultag und sein Alltag mit den Eltern. Doch dann begann er auch Geschichten für sie zu schreiben – immer länger und fantasievoller. Er konnte so wunderbar erzählen und fand stets Worte, die einem die Bilder vor Augen erscheinen ließen.

Und mit der Zeit näherte sich die Schulzeit dem Ende. Fast alle hatten einen Wunsch, was sie danach tun bzw. werden wollten. Gerd würde den Hof vom Vater übernehmen, Julia wollte Kunst studieren und Jan – Sprachen. Er hatte einige seiner Geschichten einem Verlag zugeschickt und die Zusage, dass man sie veröffentlichen wollte. Nur Klara wusste nicht, was sie werden sollte.

Traurig fragte sie die Lehrerin kurz vor Unterrichtsbeginn. Die Lehrerin überlegte und fragte, was Klara denn besonders gut könnte. „Ich kann eigentlich nichts so richtig gut.“ Die anderen Schüler waren inzwischen in die Klasse gekommen und machten große Augen. „DU ..weißt nicht, was Du werden willst? Aber … das ist doch sonnenklar!“

„Ich würde nicht mehr malen, wenn Du mir nicht geholfen hättest und mich immer wieder ermuntert hättest.“ sagte Julia. „Wenn Du nicht an mich geglaubt hättest, würde ich wohl noch immer lesen lernen“ sagte Jan und Gerd grinste „Ja und ich hätte vielleicht nie das Rechnen kapiert – wenn Du mich nicht dazu ‘angestiftet’ hättest.“

Die Lehrerin lächelte, denn sie hatte verstanden. „Das wusste ich ja gar nicht. Aber offenbar hast Du eine ganz besondere Gabe. Du kannst die Begabungen anderer erkennen und fördern, Interesse wecken und lässt sie das, was sie noch nicht verstanden haben, auf ihre eigene Weise erlernen.“

Dann sah sie Klara an „Behalte Dir die wunderbare Gabe, denn in den Kindern dieser Welt liegt unsere Zukunft. Und was die anderen in Dir sehen ist mir nun auch klar … Du solltest Lehrerin werden und Deine Begeisterung für andere in ihren Herzen weitertragen.“
(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2016)

 
 
 
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11 Mrz

Äpfel (Therapeutische Geschichte)

Die kleine Sabine wohnte mit ihren Eltern in einem Haus mit einem großen Garten. Und weil der Garten und das Haus so schön waren, bauten ihre Eltern zum Schutz einen Zaun darum. Im Garten standen Apfelbäume – groß und kräftig und mit Äpfeln süß und saftig, zur Hälfte grüngelb und zur Hälfte orange-rot. Sabine spielte gerne im Garten und sie liebte die Äpfel. Im Herbst erntete der Vater die Äpfel stets mit der großen Leiter, in dem er sie einzeln und vorsichtig pflückte. Und es gab so viele tolle Sachen, die man aus Äpfeln machen kann.

Als Sabine in die Schule kam, lernte sie zum ersten Mal andere Kinder kennen. Im Herbst brachten viele Kinder auch ihre Äpfel als Stärkung in den Pausen mit. „Schau mal“, sagte Max, „den hat mein Papa extra für mich mit der Pflückstange von unserem besten Baum geholt,“ und biss mit einem Leuchten in den Augen in seinen Apfel. „Pflückstange?“, fragte Sabine, „Äpfel gehören von Hand gepflückt mit einer Leiter“. „

Hm, wir pflücken Äpfel immer mit der Pflückstange. Da können wir auf dem Boden bleiben“, antworte Max. „Wie kannst Du nur sowas sagen?“, ärgerte sich Sabine. „Ich habe Dir eben erklärt, wie man Äpfel pflückt. Das solltest Du Dir mal merken.“ und ließ ihn verwundert stehen.

Am nächsten Tag sah sie, wie die kleine Ulrike einen Apfel aß, der ganz grün war. „Was hast Du da für einen komischen Apfel? Der ist ja ganz grün und schmeckt bestimmt ganz sauer“, spöttelte Sabine und sah die anderen Kinder an. Die sahen Sabine erstaunt an und drehten sich weg. Die kleine Ulrike sagte „Meine Mutter hat den von unserem Bäumchen geschüttelt.“ und biss nochmal ab. „Geschüttelt?“, Sabine wurde ganz rot im Gesicht, „Ihr schüttelt die Äpfel vom Baum? Äpfel pflückt man mit einer Leiter vom Baum!“ Ulrike sah sie verwundert an. „Unsere Bäumchen sind nicht so groß, dass da eine Leiter nützlich wäre. … Ist doch auch egal, wie – Hauptsache, er schmeckt!“ und lächelte. Dann griff sie in ihre Tasche und holte noch einen grünen Apfel heraus und bot ihn Sabine an.

„Egal? Wieso verstehst Du das nicht?“ – Sabine wurde immer wütender. „So einen komischen Apfel esse ich nicht! Äpfel sollten zur Hälfte grüngelb und zur Hälfte orange-rot sein. Und wenn Du das nicht endlich kapierst, bist Du doof!“, grollte Sabine verärgert und stampfte davon. Ulrike wurde traurig und lief zu den anderen Kindern. Die hatten sich von den beiden entfernt, um in Ruhe ihre Äpfel zu essen.

Sabine konnte gar nicht verstehen, warum die anderen Kinder sie so mit ihren Äpfeln ärgern wollten. Schließlich hatte sie doch Recht und die anderen waren alle komisch.

Als sie nach Hause kam, erzählte sie ihrer Mutter davon und wurde schon bei den Gedanken an die Pause wieder wütend. Denen werde ich es morgen zeigen, ich werde der Lehrerin ein paar Äpfel aus unserem Garten mitbringen, dann wird sie den anderen schon sagen, wie richtige Äpfel aussehen und wie man sie pflückt.

Die Mutter sah sie traurig an. Dann nahm sie Sabine an die Hand und spazierte mit ihr durch die Nachbarschaft. „Das hätte ich mit Dir schon viel früher machen sollen.“, sagte sie und zeigte ihr die Gärten und die Apfelbäume darin. Da waren dunkelrote, rot-grüne, gelbe und bunte, große und kleine Äpfel. „Das sind alles Äpfel. Manche sind süßer, andere saurer, manche fester und andere weiche und jeder ist genau so richtig, wie er ist.“ Dann kniete sie sich zu ihrer Tochter „Es gibt viele Sorten Äpfel und verschiedene Wege, sie zu pflücken.“ „ABER…“, unterbrach sie Sabine. „Nur weil wir eine Leiter benutzen und Du die eine Apfelsorte magst, sind die anderen nicht komisch oder schlechter“ „ABER…“, konterte Sabine wütend ein zweites Mal, „die anderen Kindern ärgern mich mit ihren Äpfeln!“

„Nein“, sagte die Mutter, „Du ärgerst Dich! Die anderen Kinder stören sich nicht an Deinem Apfel. Warum tust Du es?“ „Ich bin doch so stolz, auf unsere Äpfel“ sagte Sabine etwas kleinlauter, „daraus, kann man so tollen Kuchen und Apfelmus daraus machen“ Die Mutter grinste verschmitzt „Den Apfelkuchen mache ich aber mit den Äpfeln vom Max und zu Deinem geliebten Apfelmus mische ich stets ein paar von den Äpfeln von der Ulrike dazu. Dann schmeckt es besser.“

Es dauerte ein paar Tage und einige Spaziergänge durch die Gärten bis Sabine erkannte, wie viele Apfelsorten und Apfelbäume es gab. „Eigentlich ist es doch ganz schön, dass es verschiedene Äpfel gibt, so kann man auch mal andere Äpfel zu probieren“, freute sie sich.

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2016, derzuhoerer-berlin.de)

Äpfel

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29 Feb

Der gute Mensch (Therapeutische Geschichte)

Eine Mutter zog ihren Sohn gern mit den Worten „Werde ein guter Mensch.“ groß. Auch wenn er noch keine genaue Vorstellung davon hatte wie, beschloss er, ein richtig guter Mensch zu werden.

Er half erst seiner Familie, dann seinen Freunden und den Nachbarn und anderen Menschen, die ihm hilfsbedürftig vorkamen. Er half ihnen, in dem er Dinge für sie erledigte, ihnen Geld gab oder seine Zeit schenkte. Er vermied es, zu widersprechen oder ein böses Wort zu sagen. Da es ihm wichtig war, versuchte er stets, die Wünsche seines Gegenübers zu erfüllen.

Und da er ein RICHTIG guter Mensch werden und immer mehr Menschen helfen wollte, hatte er zu wenig Zeit einer Arbeit nachzugehen, zu essen, schlafen oder gar sich auszuruhen. Er gab, bis es nichts mehr zu geben gab. Es ging ihm mit der Zeit immer schlechter. Vermutlich, weil er noch immer kein richtig guter Mensch geworden war.

Eines Tages hörte er von einem Berg, auf dem ein weiser Mann lebte und wo er Antworten bekommen könnte. Und da ihn die Frage beschäftigte, wie er denn ein RICHTIG guter Mensch wird, machte er sich auf den Weg.

Es war ein langer Weg, also packte er Brot und Wasser ein, Kleidung zum Schutz vor Sonne und Kälte und machte sich auf den Weg. Als er ein Stück des Berges erklommen hatte, traf er andere Wanderer. Da diese weniger hatte, als er, gab er ohne zu fragen Teile seiner letzten Kleidung ab, teilte sein Brot und Wasser und gab es den anderen.

Kurz bevor er oben war, begann er fürchterlich zu frieren, denn er hatte kaum noch Kleidung übrig und seit einiger Zeit nichts mehr gegessen und getrunken. Mit letzter Kraft kämpfte er sich weiter und kam zu einer Hütte aus der ein Feuer schien. Mit Tränen in den Augen erkannte er einen alten Mann. Der Alte schenkte ihm einen Becher Wasser ein und gab ihm Brot und wärmende Kleidung. „Ich habe meine Kleider gegeben, mein Brot und Wasser geteilt und anderen geholfen, bis ich es selbst nicht mehr konnte … und fühle mich nicht besser … und bin kein guter Mensch geworden.“

„Ein guter Mensch“, sagte der Alte, „gibt nicht alles, um des Gebens wegen. Er bedenkt andere, aber er denkt auch an sich.“ Der Alte schaute ihn freundlich an „Wenn Du anderen helfen willst, bist Du wie dieser Krug, der die Becher füllt. Der Krug kann nur einige Becher füllen. Behandelst Du den Krug aber nicht pfleglich, bekommt er Risse und geht kaputt. Dann füllt er keine Becher mehr.“

„Gehe heim, gründe eine Familie, lebe und liebe … und achte Dich selbst.
… dann kannst Du auch anderen helfen.“

 
 

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2016)







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22 Feb

Vortrag zum Thema Angst – Netzwerktreffen Berlin

Am 17. März 2016 werde ich einen kurzen Impulsvortrag zu meiner Arbeit mit der Angst / Angstpatienten halten.

Wer daran Interesse hat, kann sich über den folgenden Link anmelden.

Ich freue mich auf einen interessanten Abend, kurzweilige Gespräche und neue Kontakte.

 

Business Kontakte – Stellen Sie sich vor …

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22 Feb

Zwei Brüder (Therapeutische Geschichte)

-gewidmet meiner Frau Elke-

 

Auf einem Hof oben in den Bergen, nur ein Stück vom Dorf entfernt, lebte ein Vater mit seinen zwei Söhnen. Hannes war der Ältere und Felix der Jüngere. Als sie klein waren, half Hannes der Mutter gerne in der Küche und war geschickt, die leckersten Speisen zu zubereiten und Felix half dem Vater gerne bei den Tieren und auf den Wiesen. Die Mutter war vor einigen Jahren verstorben und nur ein Rosenstock, den sie so geliebt hatte, erinnerte noch an sie. Die drei lebten gut von dem, was der Hof erwirtschaftete. So wie es Brauch war, wurde der ältere Sohn Bauer und der jüngere lernte Zimmermann und half so, den Hof zu erhalten. Die jungen Männer tanzten mit den Mädchen, liefen im Wettstreit mit den Männern im Dorfe und tranken gemeinsam ein Glas Wein.

Als der Vater eines Tages spürte, dass ihm nicht mehr viele Tage blieben, sagte er zu seinen Söhnen „Ich möchte, dass Ihr glücklich werdet. Macht mit dem Hof, was Ihr wollt und lebt Euer Leben. Ich war hier glücklich, solange Eure Mutter bei uns war – nun könnt Ihr es werden. Meine glücklichen Tage hier sind gezählt.“ Und es vergingen nur wenige Tage, bis sie ihn im Dorfe neben der Mutter zu Grabe trugen.

Als die Trauer langsam verblichen war, sprachen sie darüber, wie denn der Hof zu führen sei und wie sie den letzten Wunsch des Vaters erfüllen konnten. Sie überlegten, was ihm am besten entsprochen hätte und worüber er sich gefreut hätte. Über einige Jahre arbeiteten sie viel und hart und gingen immer seltener ins Dorf. Die Mädchen, mit denen sie getanzt hatten und auch die beiden, die sie jeweils ins Herz geschlossen hatten, schienen vergessen. Manchmal stritten sie sogar darüber, wie man den Vater glücklicher machen könnte – und wie der Hof zu verändern wäre. Eines solchen Abends, als sie wieder darüber diskutierten, ob der Wunsch des Vaters, in rechtem Maße erfüllt sei, kam eine alte Frau mit weißen Haaren vorbei. Und da sie schon etwas müde aussah, luden die beiden sie zu einem Nachtlager ein.

Während Hannes im Hause ein Abendmahl vorbereitete, setzte sich die Alte mit Felix vor das Fenster und sah der untergehenden Sonne zu. Dann fragte sie ihn, was für ihn Glück bedeutete. „Nun“, sagte er, „Glück wäre für mich, wenn ich die Marie aus dem Dorf gefreit hätte und die Hälfte vom Hof verkauft. Wir hätten ein Haus im Dorf gebaut und ich hätte als Zimmermann im Dorf ein gutes Auskommen gehabt. Manchmal gehe ich noch heimlich ins Dorf zu ihr. Aber ich weiß nicht, wie lange sie noch warten würde.“ Noch nie hatte er mit jemandem darüber gesprochen. Doch die Augen der Alten erinnerten ihn wohl an seine Mutter in Kindestagen. Die Alte blickte ihn an und fragte, warum er nicht täte, was er doch wolle. „Mein Vater hatte hier sein Glück gefunden und ich glaube, mein Bruder würde auch nie verkaufen wollen. Mein Vater sagte im Sterben, er wolle, dass wir glücklich werden, da kann ich doch nicht seinen Hof verkaufen.“ Die Alte blickte ihn wieder fragend an „und … bist Du glücklich ?“ Ein Glänzen kam in Felix’ Augen und er schluchzte. „Wenn es der Wunsch Eures Vaters war, dass Ihr glücklich werdet, solltest Du vielleicht nochmal überdenken, ob der Ort seines Glücks auch der Deines Glücks sein muss.“

Plötzlich fiel ein Kessel zu Boden und Felix lief ins Haus hinein . Drinnen hockte am Boden Hannes zusammengekauert. Er hatte alles durch das geöffnete Fenster gehört. „Und ich dachte, Du wolltest den Hof halten! Seit Jahren schleiche ich zur Anna ins Dorf und bin traurig, weil ich so selten zu ihr kann. Ich wäre so gerne als Wirt und Koch ins Dorf gegangen und die Schänke übernommen.“ Da fielen sich die Brüder in die Arme. Als hinaus gingen, um mit der Alten zu speisen, war diese spurlos verschwunden … nur eine Rose lag noch auf der Sitzbank vor dem Fenster.

Im Jahr darauf wurden zwei Hochzeiten gefeiert, die Schänke hatte einen neuen Wirt und das Dorf einen tüchtigen Zimmermann. Und als nach vielen glücklichen Jahren die beiden beerdigt wurden, stand auf dem einen Grabstein
„Sei ehrlich zu Dir und anderen und bleib Dir selbst treu“ und dem anderen „Dein Glück findest Du nicht in den Träumen anderer, sondern nur in Deinen eigenen.“

 
 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2016)
 
 

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