30 Jan

Das Geheimnis der alten Flasche 1 (Therapeutische Geschichte)

© Praxis Der Zuhörer - Steffen Zöhl, 2017

 

Als die alte Flasche an diesem Morgen erwachte, wusste sie noch nicht, dass dieser Tag ein ganz besonderer Tag werden würde. Schon lange lag sie in der Uferböschung des kleinen Flüsschens. Sie war in ein paar Zweigen hängengeblieben und hatte sich dort verfangen. Sie wusste nicht mehr, wie sie dort hingekommen und auch nicht, warum sie überhaupt dort war.

 

 

Für eine Flasche ist das ja ein ungewöhnlicher Ort. Sie hatte schon so viele Sommer, Herbste, Winter und Frühlinge gesehen. Von außen hatte sie eine Hülle von Schmutz angenommen. Ein rotbraunes Kleid, was sie undurchsichtig und geheimnisvoll machte. Sie bekam dadurch ebenfalls einen antiken Charme. Durch die rotbraune Schicht war sie in der Umgebung schwer zu erkennen, denn auch manche Blätter und Büsche hatten diese Farbtöne.

Manchmal fragte sie sich, ob sie dort jemand vergessen hatte. Sie fühlte sich so nutzlos und leer. Was sollte auch jemand mit einer alten, schmutzigen Flasche anfangen? Das kühle Wasser des Flüsschens umspülte sie und gab etwas Trost, aber seine Kraft reichte nicht aus, die alte Flasche fortzutragen. „Ans Meer und hinaus in die weite Welt oder zumindest auf eine Reise – mit der Strömung eines richtigen Flusses“, träumte die alte Flasche oft.

Der kleine Ben schlenderte an diesem Tag über die Wiesen und an dem kleinen Flüsschen entlang. Er war nun alt genug, dass seine Großeltern ihn die Umgebung rund um ihr Gartenhäuschen erkunden ließen. Von Zeit zu Zeit schauten sie und hatten ihn von der Terrasse aus ganz gut im Blick. Ben war langweilig und so schaute er in das kleine Flüsschen. Er hoffte, vielleicht ein paar Fische, Libellen oder Frösche zu erspähen. Stattdessen sah er die alte Flasche. „Was da wohl drin ist?“, fraget sich Ben. „Sie sieht alt aus. Vielleicht eine Schatzkarte …“, er wurde ganz aufgeregt und sah sich schon mit seinem Opa auf Schatzsuche gehen.

Aber so einfach war die alte Flasche gar nicht zu erreichen – zumindest nicht, ohne nasse Füße zu bekommen. Sie war gerade so weit entfernt vom Ufer, dass Ben sie ohne Hilfe nicht erreichen konnte. Da musste wohl sein Opa helfen. Der war ganz froh über etwas Abwechslung. Auch wenn es für ihn „nur eine alte Flasche“ war. Für seinen Enkel macht er doch so einiges. Der Opa hielt Ben fest an einer Hand und ließ ihn soweit hinab, dass er die Flasche greifen konnte.

Die alte Flasche, die in der Sonne ein bisschen gedöst hatte, wurde plötzlich hell wach. Irgendwas war anders – sie spürte das Wasser nicht mehr und sah nun ganz andere Dinge um sich herum. „Und … und … was ist drin ? Eine Schatzkarte ?“, fragte Ben aufgeregt. „Wir werden sie säubern und öffnen“, sagte der Opa, immer noch sicher, dass es nur eine alte Flasche war, die jemand weggeworfen hatte. Unter der Pumpe und mit etwas Seife wurde die alte Flasche gewaschen. Durch das noch leicht verschmutzte Glas konnte man plötzlich erkennen, dass sich tatsächlich etwas in der Flasche befand.

Der Opa wurde nun auch etwas neugierig und hielt die Flasche gegen die Sonne. Ben war nun kaum noch zu halten, „Mach sie auf, mach sie auf! Ich will die Schatzkarte sehen.“, rief er und tanzte vor Freude. „Na mal schauen, was für ein ‚Schatz‘ sich darin verbirgt“, lächelte der Opa schelmisch. Aber er wollte auch Ben die Freude nicht nehmen. Es kostete etwas Kraft, doch dann ließ sich die alte Flasche öffnen.

Sie war selbst sehr gespannt, was sich wohl in ihrem Inneren verbergen würde. Der Opa schüttelte die Flasche… und hervor kam ein Zettel. Er war gerollte und schien schon ziemlich alt zu sein. „Ein Schatz, ein Schatz“, rief Ben wieder. Der Opa nahm das Papier und entrollte es vorsichtig. Dann las er vor:

„Mein lieber Lukas, ich danke Dir sehr für den heutigen Abend, das Tanzen und dass Du mich so lieb nach Hause gebracht hast. Ich glaube, ich habe mich in Dich verliebt. Ich lege Dir diese Flaschenpost an Deinen Lieblingsplatz zum Angeln an „unserem Flüsschen“. Du bist der tollste Junge, den ich kenne und der erste, den ich geküsst je habe. Es war wunderschön. Vielen Dank. Deine Hanna“

„Eine Liebesbotschaft“ – die kleine alte Flasche war beeindruckt, dass sie etwas so wundervolles aufbewahrt hatte. Plötzlich fiel es ihr auch wieder ein… das Mädchen … der Junge und der erste Kuss der beiden … und sie war dabei gewesen. Das Mädchen hatte die Flasche mit nach Hause genommen und aufbewahrt. Aber an dem Tag hatte es stark geregnet und die Flasche rutschte in das kleine Flüsschen. Der Junge hatte die Nachricht nie bekommen.

„Warte mal, Lukas und Hanna … Angeln … Ob das etwas Lukas und Hanna aus dem Dorf waren? Mit den beiden war der Opa zur Schulte gegangen. Das wäre jetzt etwa 60 Jahre her. Er ging mit seinem Enkel ein paar Schritte bis zum Haus von Lukas und klopfte. Der alte Lukas macht auf und schaute Ben und seinen Opa an. „Hallo Ihr beiden, was gibt’s denn?“, fragte Lukas. Der Opa grinste unsicher, „naja wir haben hier was gefunden und ich frage mich …“, in dem Moment fiel es ihm ein. Hanna war vor 1 Jahr gestorben und so lebte Lukas dort allein. „Hier ist eine Nachricht von einer Hanna an einen Lukas – könntet ihr … also ich meine, könnte die für Dich gewesen sein?“, fragte der Opa zögerlich. Lukas las die Nachricht, die ihm der Opa übergeben hatte. Plötzlich hatte er Tränen in den Augen, „Ja, das ist ihre Handschrift … und das war auch so. So haben wir uns kennengelernt.“

„Nach so vielen Jahren … eine so wundervolle Erinnerung an meine Hanna“, sagte Lukas gerührt, „Vielen Dank. Darf ich den Zettel behalten?“

„Natürlich“, sagte der Opa, „Die Nachricht ist ja für Dich.“

Dann drehte er sich zu seinem Enkel und sagte „Du hattest wohl recht. Du hast einen Schatz gefunden!“

Und die kleine alte Flasche strahlte voll Freude. Endlich – nach so langer Zeit hatte sie nochmal etwas tun können. Ihre Aufgabe war erfüllt.

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2017)

 

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27 Jan

Meine Therapeutischen Geschichten als Hörgeschichten

Ich habe mich entschieden, meine Geschichten zukünftig auch als „Hörgeschichten“ zu veröffentlichen.

Vielleicht gefällt es manchen Menschen, diese lieber zu hören als zu lesen oder ich erreiche zusätzlich Menschen, die sie nicht lesen können.

Wenn auch noch nicht alle Geschichten vertont sind, habe ich die, die schon als Hörgeschichten fertig sind, in den Beiträgen eingebunden.

Viel Spaß beim Hören und Lesen.

 

Das ist z.B. meine neueste Geschichte, die von Dankbarkeit und Achtsamkeit handelt.

 

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2017)

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20 Jan

Vortrag psychosomatische Rückenschmerzen bei Mrs.Sporty

© Praxis Der Zuhörer - Steffen Zöhl, 2017

 

 

Am 19.01.2017 fand einer meiner Vorträge „Psychosomatische Ursachen bei Rückenschmerzen“ bei Mrs.Sporty in der Reichsstraße statt. Herzlichen Dank an die Clubmanagerin Christin Dittrich und ihr Team für den freundlichen Empfang und die Unterstützung.

Mrs. Sporty richtet das Angebot explizit an Frauen, um in motivierender Atmosphäre, mit Spaß und individueller Betreuung durch qualifizierte Trainerinnen Ausdauer, Koordination und Beweglichkeit zu trainieren.

Über die ausgebuchte Veranstaltung und das rege Interesse der anwesenden Damen habe ich mich sehr gefreut.

Mein Vortrag befasste sich mit

  • Wechselwirkungen zwischen Körper und Geist/Gefühlen
  • Psychosomatische Erkrankungen
  • Ursachen und Auslöser
  • Entstehung Rückenschmerzen
  • multimodale Therapieansätze
  • Vorteile von begleitender Psychotherapie

Im Anschluss gab es noch einen interessanten und regen Austausch.

 

Weitere solcher Veranstaltungen werden folgen. Ebenso startet im Januar eine Vortragsreihe, die sich an Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Orthopäden richtet.

Bei Interesse freue ich mich über eine Nachricht.

 

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19 Jan

Aus dem Fenster geschaut (Therapeutische Geschichte)

© Praxis Der Zuhörer - Steffen Zöhl, 2017Gestern Abend schaute ich aus dem Fenster. Es war ein klarer, kalter Winterabend. Einer dieser Winternächte, wo man nicht draußen sein wollte, wenn es unbedingt nötig war. Der Wind pfiff durch die Straße und ließ die kalte Luft noch kälter auf der Haut scheinen, als sie ohnehin schon war.

Ich schaute hinaus in die Nacht – auf die kleine Straße und die Bäume, die gegenüber auf dem Schulhof stehen. „Wie gut, dass ich nicht hinaus muss.“, war mein erster Gedanke, „So klar auch die Luft sein mag – es ist schon ganz schön kalt da draußen.“ Eine Frau ging die Straße entlang und verschwand bald wieder in der Dunkelheit der Straße.

„da draußen …“, ich nahm mir einen Moment für mich. In diesem Moment wurde mir bewusster, dass ein „da draußen“ bedeutete, dass es auch ein „da drinnen“ gibt – eine Wohnung, die warm war, ein Bett, in das ich gleich steigen würde und schlafen könnte. Ich würde schlafen können – gesund, ohne Hunger, ohne Angst verfolgt zu werden, ganz gleich weshalb. Ich werde warm, sicher und behütet schlafen können.

Ich habe ein „Zuhause“, einen Ort des Rückzuges, der Privatsphäre und der Sicherheit. Ein Zuhause voller ‘Luxus’ – mit Kleidungsstücken, die ich tlw. bestimmt schon über ein 1 Jahr nicht getragen habe -manche vermutlich länger, mit einem Computer, Fernseher, Bücherregalen und einer recht gut ausgestatteten Küche.

Ich bin nicht allein oder isoliert – ich habe Familie, Freunde, Bekannte, Kollegen, Klienten, Kunden oder kann neue freundliche Menschen kennenlernen.

Auch wenn es kitschig klingen mag … einmal bewusst wahrzunehmen, wie viele Dinge ich in meinem Leben besitze (von denen ich sicher nicht alle ‘brauche’) oder wie viel Glück es für mich bedeutet, genau hier und jetzt leben zu dürfen, erfüllt(e) mich mit einer großen Dankbarkeit.

Natürlich war es nicht immer und auch nicht alles leicht in meinem Leben. Es gab und gibt immer wieder Stolpersteine, Herausforderungen, aber ich erfreue mich mehr an den Erfolgen, als dass ich mich über die Tiefschläge des Lebens ärgere. … zumindest im Nachhinein. Jeder trägt sein Päckchen – ich kann meines (er)tragen.

Das Bewusstwerden, dass ich in meinem Leben aber viel Glück hatte – eine glückliche Kindheit, keine größeren Probleme in der Schule, Ausbildung, Studium, Erfolg im Beruf und ein auskömmliches Einkommen, was mir ein zufriedenes Leben und letztlich den Start in meine jetzige Berufung als Heilpraktiker für Psychotherapie ermöglichte, ließ mich unglaublich glücklich und dankbar sein.

Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.
(Sir Francis Bacon)

Die Chance, etwas tun zu können, was mich aus tiefstem Herzen glücklich werden lässt – Menschen helfen zu dürfen, wurde mir möglich. Und dafür war und bin ich zutiefst dankbar.

Auch mit meinen Klienten mache ich gerne eine Übung -meist als Hausaufgabe zwischen zwei Terminen, bei der sie eine Liste aufstellen, z.B. wofür sie dankbar sind, worauf sie in ihrem Leben stolz sind oder was sie an kleinen und großen Dingen in ihrem Leben glücklich macht. Denn allzu oft verlieren wir das aus den Augen und fokussieren uns auf das, was uns (scheinbar) fehlt.

Oft denken wir nicht an die wichtigsten Dinge … Gesundheit, Freiheit, Liebe, …

P.S. Wie wäre es, heute mit diesen oder zumindest einer dieser Listen zu beginnen?

 

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2017)

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11 Jan

Top 10 Heilpraktikerblogs bei ausbildungheilpraktiker.info

© Praxis Der Zuhörer - Steffen Zöhl, 2016Direkt zu Beginn des neuen Jahres informierte mich Florian Mayer von der Seite ausbildungheilpraktiker.info, dass sowohl mein Interview als auch mein Blog sich größerer Beliebtheit erfreuen.

Dabei hat es mein Blog bereits im ersten Jahr in die Top 10 (Platz 10) seiner Liste geschafft.
Ich bin schon ein wenig stolz darauf.

 

Gleichzeitig möchte ich diese Gelegenheit (1. Artikel in 2017) nutzen und allen einen guten Start in ein glückliches, zufriedendes, friedvolles und gesundes 2017 wünschen.

 

 

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19 Dez

Das Weihnachtslicht (Therapeutische Geschichte) 8/8

Ein Weihnachtslicht ist eine besondere Erscheinung. Es leuchten zwar zur Weihnachtszeit viele Lichter, aber Weihnachtslichter leuchten, wo menschliche Wärme, Herzlichkeit und Liebe sich zeigen. Dabei ist ein Weihnachtslicht nicht unbedingt heller oder größer als andere Lichter und es leuchtet auch nicht nur im Dezember. Es ist aber ein Licht, das so voller Wärme leuchtet, dass es Menschen berührt und Herzen wärmt. Von acht dieser Weihnachtslichter will ich Euch berichten.

 

8. Licht „Der Wunschzettel“
-gewidmet all denen, die an andere denken und die Welt jeden Tag im Kleinen und Großen etwas besser machen-

Theo(dor) ist acht Jahre alt und schreibt seinen Wunschzettel zum Weihnachtsfest. Als seine Mutter ihn findet, stutzt sie und spricht mit ihrem Mann. Eine neue Schultasche, neue Sportschuhe, eine blaue Winterjacke, eine Spiderman-Trinkflasche, eine Taschenlampe, einen MP3-Player und einen Schokoladenweihnachtsmann.

Ganz schön viel überlegen sich die Eltern. Die Mutter schaut in den Flur. Der Schulranzen ist nicht mehr neu, aber auch nicht so abgenutzt, dass er unbedingt ausgetauscht werden müsste, gleiches gilt für die Sportschuhe. Eine weitere Winterjacke – nun gut, Trinkflasche, Taschenlampe, MP3-Player – wären auch kein Problem. Aber irgendwie passte es nicht zu Theo. Sonst hatte er nie so viele Wünsche geäußert.

„Er wird auch älter.“, dachten sich die beiden, „Es könnte auch schlimmer sein. Und naja – er ist ja meistens ein guter Junge. Wir könnten das schon möglich machen.“ Und doch schlafen beide mit einem eigenartigen Gefühl und fragen sich, was ihren Sohn so verändert haben könnte.

Beim nächsten gemeinsamen Frühstück fragen sie ihn, wie er auf seine Liste gekommen ist. „Ist es zu viel?“, fragte Theo? „Nein, das geht schon in Ordnung. Wir fragen uns nur, was mit Deinem Schulranzen und den Sportschuhen nicht mehr ok ist?“, antwortete ihm seine Mutter.

„Weißt Du Mama, mit meiner Schultasche ist alles ok.“ Die Mutter stutzte und sah Theo fragend an. „Aber Marios Tasche ist so kaputt, dass er schon seine Sachen in einen Beutel hinlegt, damit sie nicht herausfallen. Seine Eltern haben momentan nicht so viel Geld. Ich wollte ihm eine Freude machen. … Das macht man doch zu Weihnachten.“ Die Eltern sahen sich sprachlos an. “ … und anderen Sachen?“, fragte der Vater vorsichtig nach. „Naja, eine Winterjacke bräuchte er auch, seine ist recht dünn und er zieht dann immer mehrere Pullover an. Und Leon fand meine neuen Schuhe so toll, weil die schon in dem großen Fußballstadion waren – dann brauche ich andere. Sophie fährt sehr lange mit dem Bus – dann kann sie Musik hören und fühlt sich nicht so allein. Die Taschenlampe ist für Oma, dann findet sie ihre Brille besser, wenn sie mal wieder unter das Sofa fällt. … Die Trinkflasche könnte ich für den Sportunterricht brauchen, da habe ich immer mehr Durst und der Weihnachtsmann …“, da grinste er nur noch.

Die Eltern waren so stolz auf ihren kleinen Jungen. Der Vater strich ihm über den Kopf und in den Augen der Mutter löste sich eine Träne. Die Kerze auf dem Tisch leuchtete wohl noch nie so warm und hell … und ein Weihnachtslicht wurde geboren.

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2016)

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13 Dez

Das Weihnachtslicht (Therapeutische Geschichte) 7/8

Ein Weihnachtslicht ist eine besondere Erscheinung. Es leuchten zwar zur Weihnachtszeit viele Lichter, aber Weihnachtslichter leuchten, wo menschliche Wärme, Herzlichkeit und Liebe sich zeigen. Dabei ist ein Weihnachtslicht nicht unbedingt heller oder größer als andere Lichter und es leuchtet auch nicht nur im Dezember. Es ist aber ein Licht, das so voller Wärme leuchtet, dass es Menschen berührt und Herzen wärmt. Von acht dieser Weihnachtslichter will ich Euch berichten.

 

7. Licht „Der Hund des Fleischers“ -gewidmet Luna-

Amadeo hatte einen kleinen Laden, in dem er Fleisch verkaufte. Seinem kleinem Sohn hatte er einen Hund geschenkt. Oftmals kauften die Leute das Fleisch, ließen es von Amadeo entbeinen und dann bekam der Hund den Knochen. Seine Kunden kannten das und die meisten waren damit sehr einverstanden. Sein Sohn liebte diesen Hund und spielte oft im und vor dem Laden mit ihm. Die Familie hatte nicht viel, aber der Laden ermöglichte ein recht angenehmes Leben.

Eines Tages kam ein neuer Kunde in den Laden. Er war gut gekleidet und kaufte etwas Fleisch. Seine Nachbarin hatte ihm Amadeos Fleischgeschäft empfohlen. Auch dieser Kunden ließ sich die Knochen aus dem Fleisch entfernen. Gerade wollte Amadeo den Knochen dem Hund wie gewohnt zuwerfen. Als der Mann das sah, sagte der Mann „Den Knochen packen Sie bitte ein.“

Amadeo war verwundert, warum war dieser Mann wohl so knauserig war. Gönnte er seinem Hund nicht mal einen Knochen? Dieser Kerl musste wohl ein gemeiner, geiziger Mensch und Hundehasser sein. Der sah auch gleich so komisch aus. „Naja, wer weiß, wo der auch herkommt!“, dachte er sich, als der Mann seinen Einkauf einpackte und zur Tür hinausging. Der Mann schaute auf den kleinen Sohn und den Hund und ging.

Kurz darauf kaufte der Mann wieder bei Amadeo ein. Diesmal ein Stück Filet. „Na klar – der kauft natürlich Fleisch gleich ohne Knochen – damit er bloß nichts an den Hund abgeben muss“, dachte sich Amadeo noch und unterdrückte sein Grummeln. Der Mann lächelte und ging. „Wie kann jemand einfach Hunde hassen? Der Hund hat ihm doch gar nichts getan. Aber was interessiert den schon mein Hund?“

Einige Tage später kam der Mann erneut. In Amadeo brodelte es schon, als er den Mann nur sah, aber war er höflich – schließlich war es ein Kunde. Wieder bestellte der Mann ein Stück Fleisch und ließ sich den Knochen herausschneiden. „Lassen sie ruhig etwas Fleisch am Knochen.“, sagte der Mann zu Amadeo. „Nun gut“, dachte sich Amadeo und schnitt großzügig den Knochen frei. Amadeo wollte den Knochen gerade einpacken, da nahm der Mann den Knochen und gab ihm den Hund. Er streichelte ihn und wollte gerade gehen, als sich Amadeo ein Herz fasste und ihn ansprach.

„Werter Herr, ich verstehe das nicht. Ihr habt nun schon mehrfach bei mir eingekauft und dem Hund keine Knochen gegeben. Was ist geschehen?“ Der Mann sah ihn freundlich an und sagte „Beim ersten Mal kaufte ich Huhn. Ich wusste zwar von meiner Nachbarin, dass Ihr die übrig gebliebenen Knochen gerne mal Eurem Hund gebt, aber ich sah auch Euren Sohn.“ Amadeo blickte ihn verwundert und fragend an. „Euer Sohn liebt diesen Hund ganz offensichtlich. Hühnerknochen können leicht splittern und Hunde könnten sich daran verletzen oder sogar sterben. Dieses Risiko wollte ich nicht eingehen.“, sagte der Mann ruhig, “…und ich konnte die Knochen noch auskochen. So wurde die Brühe kräftiger. Mein Sohn war erkältet – die Suppe hat ihm geholfen.“

Amadeo war sprachlos – das hatte er nicht erwartet. Der Mann sah die Verwunderung in Amadeos Gesicht. „Beim zweiten Mal ging es meinem Sohn schon wieder gut und er wünschte sich ein Filetstück. Da ist leider kein Knochen dran. Aber heute habe ich Rind gekauft. Da soll der Hund auch seinen Knochen bekommen – er musste ja schon lange warten.“, sagte der Mann zwinkerte mit einem Auge.

Amadeo war überrascht, berührt und beschämt zugleich. Wie konnte er nur so falsch gelegen haben? Der Mann mochte Hunde ganz offensichtlich. Er lächelte und Amadeo lächelte zurück. „Vielleicht kommt mein Sohn beim nächsten Mal mit … er mag Hunde auch sehr und ist etwa so alt wie Euer Sohn.“, verabschiedete sich der Mann. Amadeo strahlte und sein Herz begann zu leuchten. Ein Weihnachtslicht leuchtete in ihm.

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2016)

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05 Dez

Das Weihnachtslicht (Therapeutische Geschichte) 6/8

Ein Weihnachtslicht ist eine besondere Erscheinung. Es leuchten zwar zur Weihnachtszeit viele Lichter, aber Weihnachtslichter leuchten, wo menschliche Wärme, Herzlichkeit und Liebe sich zeigen. Dabei ist ein Weihnachtslicht nicht unbedingt heller oder größer als andere Lichter und es leuchtet auch nicht nur im Dezember. Es ist aber ein Licht, das so voller Wärme leuchtet, dass es Menschen berührt und Herzen wärmt. Von acht dieser Weihnachtslichter will ich Euch berichten.

 

6. Licht „Die Predigt“ -gewidmet Julia-

An einem Sonntagmorgen ging Lucia in die Kirche. Sie mochte die feierliche Atmosphäre und die meisten Menschen dort waren freundlich zu ihr. Sie hatte im Leben viel Pech gehabt. Ihr Elternhaus war nicht sehr liebevoll gewesen, was die Schule nicht leichter und ihren beruflichen Weg nicht erfolgreicher gemacht hatte.

Heute sollte ein bekannter Prediger aus Amerika, Michael Johns, kommen und eine Gastpredigt zur Nächstenliebe halten. Sie hörte gerne den Predigten zu. Der Pfarrer hatte eine so schöne Stimme, wie sie fand, und seine Worte regten sie meist zum Nachdenken an. Sie war extra früh in Kirche gegangen, um noch einen guten Platz aussuchen zu können und den Gast auch gut zu sehen und zu hören.

In der vierten Reihe direkt am Mittelgang hatte sie einen Platz gefunden. Es waren noch nicht so viele Menschen da. Nur ein junger Mann schräg von ihr -unter der Kanzel- war ihr aufgefallen, der lächelte sie so nett an. Langsam füllte sich der Raum. Plötzlich kam eine Frau im sehr schicken Mantel und stellte sich neben sie. In der Sitzreihe waren noch 2-3 Plätze rechts neben Lucia frei geblieben, weil dort ein Pfeiler die Sicht einschränkte. Die so schick gekleidete Frau schaute Lucia an und fragte, ob noch zwei Plätze frei wären – für sie und ihren Mann. Lucia stand auf und wollte die Dame durchlassen. „Rutschen Sie doch einfach durch. Da hinten sehe ich ja nicht so gut“, sagte die Dame.

Lucia sah sie an und überlegte und verzog das Gesicht. „Hören Sie, ich bin Frau van Itas, mein Mann ist der Chefarzt im Klinikum hier. Wir spenden dieser Gemeinde jedes Jahr viel Geld. Da werden wir wohl einen vernünftigen Sitzplatz bekommen können.“, polterte die Frau ihr entgegen. Lucia war irritiert, traurig und eingeschüchtert zugleich. „Bitte … setzen Sie sich.“, war das einzige, was sie noch sagen konnte.

Sie überlegte, die Kirche zu verlassen … oder doch noch einen anderen Platz zu suchen, um der Predigt zuhören zu können. Der junge Mann, der sie so freundlich angelächelte hatte, hatte das Ganze beobachtet und winkte Lucia zu. Sie sah ihn verwundert an und er winkte noch deutlicher und zeigte auf einen freien Sitz neben seinem. Die Kirche war schon sehr voll. Bevor sie gar keinen Platz mehr finde würde, war dieser immerhin in der Nähe der Kanzel. „Tut mir leid, was da gerade passiert ist.“, sagte er als Lucia sich setzte, „aber so werde ich Deine Gesellschaft genießen. Ich bin Michael.“ „Lucia“, antwortete sie kurz. Selten war ein Mann so nett zu ihr gewesen und hatte etwas so Freundliches, Anerkennendes zu ihr gesagt. In ihr spürte sie ein warmes Gefühl und ihre Augen wurden wässrig – eine kleine Träne bildete sich im Augenwinkel. Ein Sonnenstrahl, der durch das Kirchenfenster fiel, brach sich darin. In diesem Funkeln wurde ein Weihnachtslicht geboren.

Der junge Mann stand plötzlich auf und ging die Kanzel hinauf. Er stellte sich kurz vor und sprach davon, wie er aus seiner Heimatstadt vor einigen Jahren nach Amerika ging und jetzt zurückkam, um hier heute eine Predigt zu halten. Dann sprach er über Nächstenliebe und wie diese im Alltag aussehen kann. Eine Dame fühlte sich sichtlich unwohl dabei.

Nach der Predigt geleitete Michael Lucia unter den Blicken vieler anderer noch bis zu Tür. Sie lächelte, wie sie vielleicht noch nie in ihrem Leben gelächelt hatte und nahm dieses warme Gefühl mit nach Hause.

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2016)

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