16 Sep

Das Buch vom Glück (Therapeutische Geschichte)

 gewidmet Diana Grabowski

Eine Freundin von mir hatte einmal eine längere Reise durch die Welt – vor allem durch Asien unternommen. Als sie zurück kam, schien sie mir verändert. Irgendwie war sie ausgeglichener, zufriedener und konnte trotz aller Spontaneität und Frohsinns, in sich ruhen.

Etwas auf dieser Reise musste sie glücklicher gemacht haben. Ihr Gesichtsausdruck, ja ihre ganze Körpersprache hatten sich verändert. Und sie trug das Notizbuch stets mit sich, dass ich ihr vor der Reise geschenkt hatte – ein dickes Notizbuch, um ihre Eindrücke festzuhalten. Nach ihrer Rückkehr hatte sie sich nochmals herzlich bei mir dafür bedankt – es hätte ihr Leben verändert. Ich weiß, dass sie anfangs alles für die Reisevorbereitung notiert hatte, um an alle Dinge zu denken. Aber wie könnte das ihr Leben verändert haben? Sie musste während der Reise etwas Besonderes erlebt haben.

Auf das Buch hatte sie geschrieben „Mein Buch vom Glück“. Ich bewunderte sie für ihr neues Leben – sie schien stets gut gelaunt und positiv. Nach einiger Zeit war meine Neugierde so groß, dass ich sie fragte, was es mit diesem Buch auf sich hatte. Sie hatte wohl bemerkt, wie sehr mich das Geheimnis dieses Buches interessierte. „Nun“, sagte sie und lächelte, „das Buch ist für mich ‘nur’ eine Erinnerungshilfe, an das, was mich meine Reise gelehrt hat. Nimm es Dir und lies es, wenn Du magst. Vielleicht gefällt es Dir ja.“

Auf den ersten Seiten waren tatsächlich die Notizen zu Visa- und Einreisebestimmungen, Dingen, die man auf Reise braucht und einige Reiseziele, die sie wohl ansteuern wollte. Plötzlich fiel mir eine Seite ins Auge, auf der seltsame Schriftzeichen oder Symbole standen und dahinter etwas in lateinischen Buchstaben, das ich jedoch nicht verstand. War sie etwa einem okkulten Bund beigetreten?

Ich blätterte weiter und es schien sich ein Muster zu ergeben. Offenbar waren es Namen in verschiedenen Sprache notiert und dahinter, wie man den Namen ausspricht. Zu jedem dieser Namen gehörte eine Geschichte und jede endete mit einer kleinen Weisheit, die sie für sich mitgenommen hatte. Oftmals waren es Begegnungen mit Menschen im Alltag, manche fröhlich, einige traurig und auch in Klöstern, Kirchen und Moscheen hatte sie Gespräche gefunden.

Auf den letzten Seiten hatte sie das zusammengetragen, was sie an Wichtigem für sich mitgenommen hatte. Es waren nicht so viele Worte, manche Fragen und andere Antworten und doch veränderten diese Worte mein Weltbild. Als erstes hatte sie die Frage einer alten Frau notiert, die sie am Anfang ihrer Reise kennenlernte und mit der sie sich wohl lange unterhalte hatte. Diese Geschichte hatte ich gelesen und wusste, wie lange sie zu dieser Frage überlegt hatte.

· „Wer ist der wichtigste Mensch in Deinem Leben?“ – Ich. Nur wenn ich mich achte und auf mich achte, kann ich für andere da und mit anderen sein.

Zunächst schien mir diese Antwort egoistisch und dann aber war sie für mich so klar, liebevoll und wahr.

Da waren so viele Erlebnisse und Geschichten – einige davon habe ich mir für mich notiert:

· „Ich entscheide in meinem Leben, ob ich glücklich bin. Die Dinge sind wie sie sind – Taten, Worte, Ereignisse – meine Bewertung davon bestimmt meine Gefühle.“

· „Mach alles in Deinem Leben in Liebe – in Liebe mit und zu Dir und in Liebe zu anderen.“

· „Wenn man etwas wirklich will, können Wünsche und Träume wahr werden.“

· „Unzufriedenheit beginnt mit dem Vergleichen.“

· „In Frieden mit uns selbst und anderen kommen wir, wenn wir akzeptieren, dass unsere Realität regelmäßig aus Meinungen und Wahrnehmungen besteht und nicht aus Wahrheiten und Fakten.“

· „Kein anderer Mensch macht mich glücklich. Er kann nur Bedürfnisse befriedigen, die ich habe. Emotionen entstehen immer in und aus mir selbst heraus.“

· „Der Sinn des Lebens besteht nicht darin, immer glücklich sein zu wollen, sondern zu fröhlich zu sein, wenn es möglich ist und Tränen zu weinen, wenn wir traurig sind. Jede Emotion hat ihren Platz im Leben.“

· „Ein Lächeln ist entwaffnender als eine Hand.“

· „Mein Leben ist ein Geschenk. Da ich nicht weiß, wie viel Zeit mir bleibt, will ich jeden Moment nutzen, genießen und bestmöglich leben.“

© Praxis Der Zuhörer - Steffen Zöhl, 2016

Ich verschlang die Geschichten und verstand immer mehr, was sie verändert hatte. Es war fast so, als wäre ich bei ihrer Reise dabei gewesen. 3 Jahre später unternahm ich meine eigene Reise, fand mehr zu mir und kam als ein anderer Mensch zurück.

 

 

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2016)

 

 

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