07 Feb

Das Geheimnis der alten Flasche 2 (Therapeutische Geschichte)

© Praxis Der Zuhörer - Steffen Zöhl, 2017

 

Ben hatte sich darüber gefreut, dem alten Lukas eine Freude mit seinem Fund gemacht zu haben, aber er hätte doch noch lieber einen Schatz gefunden. Die Enttäuschung muss ihm wohl ins Gesicht geschrieben gewesen sein, als er die kleine alte Flasche und den Zettel darin übergeben hatte und es keine Schatzkarte war.

 

 

Lukas hatte das sehr wohl gesehen und den Opa später danach gefragt. Der Opa hatte Lukas berichtet, wie Ben die Flasche gefunden und welche Hoffnungen auf einen Schatz er sich gemacht hatte. Da wusste Lukas, was er zu tun hatte. Und mit einem freudigen Lächeln verschwand er in seinem Schuppen.

Ein paar Tage später stromerte Ben mal wieder über die Wiese und schaute zu dem kleinen Flüsschen. Da … da sah er doch wieder eine Flasche, die in der Uferböschung lag. War das möglich? Noch eine Flasche? Vielleicht war es ja diesmal eine Schatzkarte. Er war so aufgeregt wie beim ersten Mal. Zum Glück konnte er diese Flasche allein zu fassen bekommen, da sie näher am Ufer lag.

Er rannte mit seinem erneuten Fund zu seinem Opa und rief ihm schon aus der Ferne zu. Der Opa hörte zwar nur „Schatzkarte … Schatzkarte“, aber das aufgeregte Verhalten seines Enkels ließ ihn vermuten, was da geschehen war. Wieder wuschen sie die Flasche und auch in dieser zweiten Flasche schien sich etwas zu befinden. Der Opa schüttelte wiederum einen Zettel aus der Flasche. Und … bekam große Augen. Das, was er da in den Händen hielt, sah … tatsächlich aus, wie eine Schatzkarte.

Je mehr er die Karte betrachtete – den Verlauf des Flusses, die Wiesen, den Wald und die Markierungen, die wie Häuser aussahen, dachte er, dass diese Karte tatsächlich die Gegend und das alte Dorf darstellte. „100 Schritte gen Osten von der Kirche“, der Opa las und überlegte. Die Kirche war eines der ältesten Gebäude. Die Karte könnte auch schon recht alt sein. „… und dann 50 Schritte gen Süden, Richtung Wald bis zu der Quelle“, lautete die Beschreibung. Ben machte sich mit dem Opa auf den Weg. Sie zählten die Schritte, wobei sie sich an Opas Schritten orientierten, da Bens Schritte doch noch etwas kleiner waren. Plötzlich kamen sie tatsächlich zu dem alten Brunnen, der allerdings schon seit Jahren nicht mehr in Betrieb war. Die letzten Worte waren „unter dem Fünf-Finger-Baum“. Was mochte ein Fünf-Finger-Baum sein? Der Opa sah sich seine Hand an und plötzlich grinste er. „Die alte Kastanie – manche Blätter sehen aus, wie die 5 Finger einer Hand“, sagte der Opa.

Die alte Kastanie war zwar nur noch ein Stumpf, aber man konnte noch genau sehen, wo sie einmal in voller Pracht gestanden hatte. Unter dem Stumpf hatte sich –vermutlich im Laufe der Zeit und durch den Regen- ein Hohlraum gebildet. Ben konnte es vor Spannung kaum noch aushalten und suchte und buddelte mit seinen Händen. Plötzlich spürte es etwas Hartes in dem Hohlraum. „Ich hab was … ich hab was gefunden, Opa“, rief er schnell. Er zog etwas in ein Tuch oder Lappen eingepacktes heraus.

Vorsichtig wickelten die beiden es aus. Zum Vorschein kam … ein Flaschenschiff. Es war wunderschön. „Ein Schatz … ein Schatz … mein Schatz“, jubilierte Ben laut, „es ist toll und so schön und bestimmt wertvoll. Vielleicht gehört es ja mal einem Piraten.“
Der Opa sah sich das Schiff und die Flasche genau an. „Ja, vielleicht ist es von einem Piraten, aber auf jeden Fall .. ein Schatz“, entgegnete er seinem Enkel.

Schon als Kinder hatten Lukas und der Opa „Buddelschiffe“ gebastelt und er erkannte die Arbeit von Lukas. Er erkannte auch die Flasche wieder … die kleine alte Flasche, die Ben und er aus dem Flüsschen gezogen hatten. Auch wenn er Ben nichts verriet, ging er am nächsten Tag zu Lukas und bedankte sich herzlich.

Und die kleine alte Flasche … hatte nochmal eine Aufgabe bekommen – eine wunderschöne. Lukas hatte sie gereinigt und geputzt und dann in seinem Schuppen ein Schiff hineingebastelt.

Die kleine alte Flasche strahlte und zeigte allen den Schatz, der sich nun in ihrem Bauch befand.

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2017)

 

 

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Das Geheimnis der alten Flasche 2 (Therapeutische Geschichte)

Ein Gedanke zu “Das Geheimnis der alten Flasche 2 (Therapeutische Geschichte)

  1. Und so schließt sich der Kreis….und alle sind glücklich: Ben und Lukas, selbst der Großvater.
    Und die alte Flasche hat einen unvorstellbaren Wert erreicht… 😉
    Welche Symbolik!

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