14 Jul

Psychoonkologie – Blogprojekt & Podcast – 4. Sinn und Sinnsuche

 

Mit meiner Kollegin Franziska Sebode von wieder-leben.info habe ich ein Videoprojekt begonnen zum Thema Psychoonkologie. Sie ist selbst Betroffene und schreibt in ihrem blog Lass-uns-reden u.a. über Krebs, Angst, Trauer und vieles mehr.

In mehreren Beiträgen werden wir verschiedene Aspekte rund um das Thema Psychoonkologie betrachten. Wir freuen uns über Zuschauerfragen und werden gerne darauf eingehen/reagieren.

Mir ist die Psychoonkologische Begleitung eine Herzensangelegenheit, die in Deutschland noch viel mehr Raum bekommen sollte.

 

Was ist der “Sinn meines Lebens”? Eine Frage, die sich und der sich viele Menschen stellen.

 

 

 

“Wir werden sterben. Keiner kommt aus dem Leben lebend heraus. Das ist außerhalb unseres Einflussbereiches. Was wir aber beeinflussen können, ist, wie wir diese Zeit – so lange sie auch sei – gestalten.” waren Deine Worte, die mich an die Logotherapie von Viktor Frankl erinnern. Wie hast Du Deinen Sinn im Leben, Dein IKIGAI gefunden?

So oder anders haben es schon Einige geschrieben. Früher oder später wird ein jeder von uns mit der existenziellen Frage des Seins und des “Wie lange noch” konfrontiert. Und letztendlich muss jeder den für sich passenden Umgang damit finden. Religion und Esoterik entsprechen zum Beispiel nicht meinem Wesen. Ich bin sehr der Eigenverantwortung und dem dem Hier und Jetzt zugewandt. So haben sich im Laufe der Zeit Themen herauskristallisiert, die mir ein Gefühl von Sinnhaftigkeit gegeben haben.
Im Laufe unseres Lebens ändern sich Prioritäten. Deshalb gibt es aus meiner Sicht nicht “den einen Sinn”. Er wandelt sich im Laufe der Rolle, die wir in unserem Leben einnehmen. Denn als Jugendlicher sind andere Prioritäten wichtig, als bei einem jungen Erwachsenen, bei Eltern, bei Singles, bei Menschen am Ende des Berufslebens und danach.

 

 

 

 

Wie hat sich Dein Sinn im Leben verändert? Wie hast Du vielleicht Dein Leben verändert?

Was sich für mich durch alle diese Etappen zog, war das Bedürfnis nach Kommunikation, Respekt, Neugier auf Andere, Nachhaltigkeit und der Wunsch, Spuren zu hinterlassen. Ich habe mich schon seit vielen Jahren mit Kommunikation, Philosophie und Psychologie beschäftigt. Mir wurde immer klarer, dass Selbstwirksamkeit, Sinnhaftigkeit und Zugehörigkeitsgefühl für mich wesentliche Bestandteile eines Lebens im Gleichgewicht sind. Einige Punkte hatte ich in den vergangenen Jahren vernachlässigt. Ich hatte Familie und einen Job. Ich habe gut verdient, konnte das, was ich tat. Aber mir fehlte das Gefühl von Sinn und Freude daran. Einfach alles hinwerfen und das studieren, was ich immer schon wollte, war keine Option. Also habe ich ein Fernstudium begonnen und 3 Jahre neben der Arbeit jeden Abend und am Wochenende studiert. Das hat mich sehr erfüllt. Gleichzeitig hat es mir in schwierigen Zeiten auch Struktur gegeben. Als sich die Chance für einen neuen Job im Unternehmen ergab, der mehr meinem Bedürfnis nach Kontakt zu Kunden und Kommunikation entsprach, habe ich zugegriffen. Und ich habe meine Arbeitszeit reduziert, um parallel eine eigene Praxis als Heilpraktikerin für Psychotherapie und Coach aufzubauen.
Ich bin heute im Gleichgewicht. Ich kann loslassen und mich an den kleinen Dingen im Leben freuen. Ich gönne mir jeden Tag kleine Pausen – beim Laufen ins Büro, in der Mittagspause, an meinem freien Tag.

Jede Form von Veränderungen bewirkt auch im Umfeld (System) eine Reaktion und Veränderung (systemische Ansatz). Wie hat Dein Umfeld auf Deine veränderte Lebensgestaltung reagiert?

Das ist in der Tat ein wichtiger Punkt. Nicht umsonst wird auch bei Psychotherapien darauf hingewiesen, dass sich im Laufe der Therapien Beziehungen nicht nur positiv verändern können.
Bei mir gab es am Anfang einige Reibungen. Plötzlich habe ich mehr Nein gesagt, war nicht immer verfügbar, habe bei alten Kommunikationsmustern nicht mehr mitgemacht. Bei mir traf diese Zeit mit der Pubertät und Ablösung unserer Tochter zusammen. Aus heutiger Sicht war alles ein verbundener Prozess und hat am Ende für uns alle positive Auswirkungen gehabt. Wir haben uns zum Beispiel als Eltern emanzipiert und ein neues Verständnis als Paar entwickelt.
Dabei war ein Familienmitglied mit Erfahrung in systemischen Prozessen, Entwicklungs- psychologie und gewaltfreier Kommunikation ganz nützlich.
So konnten wir einige Tretminen umgehen und haben uns alle weiterentwickelt.

Wir sprachen auch schon über die Unsicherheit auf beiden Seiten – bei PatientINNen und beim Umfeld. Welche Empfehlung würdest Du anderen aufgrund Deiner Erfahrungen geben, die von einer Krebsdiagnose unmittelbar oder indirekt betroffen sind?
Meine Empfehlung ist Offenheit und Ehrlichkeit. Fragen hilft. Was kann ich für die tun? Was willst du wissen? Es müssen keine unsinnigen Lügen sein, keine Verleugnung der Situation. Aber auch “es wird wieder gut”, “wir halten zusammen”, “ich bin für die da” wirken unterstützend: Sie schaffen positive Energie, Hoffnung, Emotionen. Sie stärken das Immunsystem und die Selbstheilungskräfte des Menschen.
Mißachtung, Schuldzuweisung, das Zurückziehen des Arztes hinter technische Termini, die körperliche Abweisung durch den Partner: das alles sind sogenannte Nocebo. Sie zerstören den Glauben an die Heilung, sie verstärken die Hilflosigkeit und Angst.
Aber auch der innere Dialog kann unsere Heilung sabotieren: “Ich werde sowie sterben, alles hat keinen Sinn mehr”…. das hilft auf keinen Fall.

Das heißt, auch bei einem so ernsten Thema darf mal gelacht werden?

Natürlich! Lachen löst peinliche und fremde Situationen auf. Es entlastet und setzt Endorphine frei. Es bringt Menschen mehr zusammen und ist einfach schön. Ich habe mit Mitpatienten gelacht, mit Ärzten und natürlich mit meiner Familie.

Du hast als Patientin sowohl betroffene Männer als auch Frauen erlebt. Was war Dein Eindruck: Gehen Männer und Frauen unterschiedlich mit der Diagnose um?
Es ist natürlich nicht in Ordnung, bei dieser Frage zu verallgemeinern. Ich habe “Kämpfer und Aufgeber” erlebt. Im Wesentlichen war zumindest meine Wahrnehmung, dass Frauen selbständiger und pragmatischer sind. Viele Frauen erhielten ihre Chemotherapie zwischen Haushalt und Kinder- bzw. Familienbetreuung und waren sehr selbständig. Sie waren offen, haben schnell Kontakte geschlossen und es haben sich kleine Gruppen gebildet, die sich die Zeit gegenseitig leichter gemacht haben. Es wurde viel geredet, über die Krankheit, aber auch praktische Themen und Probleme im Alltag.
Die Männer waren mehr für sich, haben wenig gesprochen und wurden oft von ihren Ehefrauen begleitet. In meinem Umfeld war allerdings auch der Altersdurchschnitt der weiblichen Patienten viel jünger, als der der männlichen.

Fällt es Männern vielleicht schwerer, mit der Diagnose umzugehen, weil sie sich schwach/schwächer fühlen und in unserer Gesellschaft und Erziehung “Ein Mann muss stark sein.” als impliziter und/oder expliziter Glaubenssatz vermittelt wird?

Das war mein Gedanke, als ich die Frage nach den Unterschieden im Umgang zwischen Männern und Frauen reflektiert habe: Frauen wird es leichter zugestanden, schwach zu sein, zu weinen. Frauen sind aber auch schneller bereit, sich in neuen Situationen zurechtzufinden und sich zu öffnen. Sie dürfen eher über psychische Probleme sprechen, halten aber auch damit die Rolle der “Schwächeren” zugewiesen.
In vielen Familien steht der Mann zudem als Hauptverdiener der Erwartung gegenüber, immer funktionieren zu müssen.
Die Männer, die heute im mittleren Alter sind, wurden mit klassischen Rollenerwartungen erzogen: Ein Mann weint nicht, ist nicht schwach, darf nicht versagen. Mitleid zu erhalten ist ein Zeichen von Schwäche und unmännlich.
Ich habe aber auch in meinem Freundes- und Kollegenkreis ganz großartige Männer kennengelernt – die meisten davon selbst mit tiefen Einschnitten im Leben – die sich aus dieser Rollenzuschreibung befreit haben und sehr viel Lebensqualität dadurch gewonnen haben.

Dürfen heutige Männer auch mal schwach sein?

Aus meiner Sicht dürfen sie es nicht, sie müssen es! Licht und Dunkel gehören zusammen, Hitze und Kälte und so auch Stärke und Schwäche. Schwach zu sein ist menschlich. Das nicht zulassen zu dürfen, macht einen Menschen krank. Sein Ich nicht in allen seinen Facetten leben zu dürfen, kostet Lebensenergie und führt im schlimmsten Fall zu Depression und Sucht. Jeder Mensch hat das Recht, schwach sein zu dürfen und um Hilfe zu bitten, das macht das Leben reich.

 

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2020)

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07 Jul

Psychoonkologie – Blogprojekt & Podcast – 3. positive Aspekte von Erkrankungen

 

Mit meiner Kollegin Franziska Sebode von wieder-leben.info habe ich ein Videoprojekt begonnen zum Thema Psychoonkologie. Sie ist selbst Betroffene und schreibt in ihrem blog Lass-uns-reden u.a. über Krebs, Angst, Trauer und vieles mehr.

In mehreren Beiträgen werden wir verschiedene Aspekte rund um das Thema Psychoonkologie betrachten. Wir freuen uns über Zuschauerfragen und werden gerne darauf eingehen/reagieren.

Mir ist die Psychoonkologische Begleitung eine Herzensangelegenheit, die in Deutschland noch viel mehr Raum bekommen sollte.

 

Der Gedanke, dass eine Erkrankung positive Aspekte haben könnte, fällt vielen Menschen anfangs schwer. Wir möchten zeigen, dass es positive Effekte und Veränderungen geben kann.

 

 

Liebe Franziska, Du hast selbst vor einiger Zeit eine Krebsdiagnose erhalten. Wie hast Du diese damals aufgenommen?

Eine derartige Diagnose ist immer ein Schock. Selbst wenn man, wie ich damals, schon eine vage Vermutung hat, dass etwas nicht stimmt, ist die endgültige Diagnose ein tiefer Einschnitt in das Leben. Ich spürte schon einige Wochen tief in meinem Unterbewusstsein etwas Fremdes, Bedrohliches. Aber ich habe es verdrängt und wollte es nicht wahrhaben. Als ich mich entschloss, einen Arzt zu konsultieren, habe ich noch ein Wochenende mit meiner damals 13-jährigen Tochter am Meer verbracht. Mir war schon klar, dass danach die Zeit der Sorglosigkeit vorbei sein würde.
Dann ging alles schnell: Der Ultraschall war auffällig und ich hatte keine Zeit zum Nachdenken. Ich war beschäftigt mit der Suche nach einem schnellstmöglichen Mammographie-Termin. Ich kann mich nur daran erinnern, dass ich nicht denken konnte und innerlich vollkommen leer war. Vor allem fühlte ich mich allein, denn jede Praxis verließ ich mit einer weiteren Überweisung und keinerlei Idee, wie und wo ich den nächsten Termin bekommen könnte. Der einzige Wunsch, den ich immer im Kopf hatte, war: ich möchte irgendwo behandelt werden, wo ich mich sicher und nicht fremd fühle. So landete ich im Brustzentrum der Charité und dort bei einer Ärztin, die sich später als großer Gewinn herausstellte.
Als Mutter und Ehefrau bauten sich in meinem Kopf Horrorszenarien auf: Was würde aus meinem Kind? Würde es mich leiden und sterben sehen? Wie würde mein Mann reagieren? Was würde aus der Arbeit, meiner Mutter, den Freunden? Ich kann mich kaum erinnern, in dieser Zeit geweint zu haben. Ich wollte es allen leicht machen und habe signalisiert, dass ich keine Hilfe brauche und alles alleine schaffe. Das war natürlich nicht der Fall, aber das wurde mir erst später bewusst.

 

 

 

 

Was hat Dir in der Situation und später geholfen?

Nach einem Burnout einige Jahre vorher hatte ich noch Kontakt zu einem Therapeuten, den ich sehr schnell um Begleitung gebeten habe. Bei ihm konnte ich meine Angst aufnehmen und über meine Sorgen sprechen, ohne Rücksicht auf fremde Erwartungen und Befindlichkeiten nehmen zu müssen.
Meine Ärztin war ebenfalls eine große Hilfe: klar, konkret, wertschätzend, offen und sehr professionell. Außerdem hat mein Mann mich von Anfang an zu den weiteren Terminen begleitet und sehr souverän reagiert. Ich weiß von vielen anderen Fällen, dass das nicht selbstverständlich ist.
Die Begleitung war besonders wichtig, weil zu jener Zeit alle Worte der Ärzte an mir vorbei geflossen sind und ich keinen klaren Gedanken fassen konnte. Das ist auch eine Empfehlung, die ich jedem Menschen mit einer schweren Diagnose geben möchte: Nehmt jemanden mit, der alles aufschreibt, vorher überlegte offene Fragen anspricht und der emotional stabil ist. Denn es müssen Entscheidungen getroffen werden, die man schon im unbelasteten Zustand kaum treffen kann: Brust ab? Brusterhaltende OP? Chemo, Bestrahlung? Was kann ich vertreten, was will ich nicht?
Während der Chemotherapie habe ich viele großartige Gespräche geführt. Viele Patientinnen hatten eine ähnliche Historie wie ich: Immer perfekt, immer für andere da, Familie und Arbeit im Mittelpunkt und keine Rücksicht auf das eigene Befinden. Selbst in der Krankheit konnten viele anfänglich nur schwer akzeptieren, jetzt verletzt und krank zu sein.
Der Punkt einer qualitativen Wende war der Tag, an dem ich Akzeptanz für meine Situation entwickelte. Ich werde sterben. Wir alle werden das. Nur findet diese Realität keinen Raum in unserem Leben. Wir hetzen voran, ohne im Hier und Jetzt zu sein. Und plötzlich war ich im Moment. Ich werde sterben. Aber nicht jetzt. Und nicht morgen. Und ich sah plötzlich viele Chancen, die mir diese Erkrankung gab: Ich hatte die einmalige Gelegenheit, innezuhalten und mich umzuschauen. Was war bisher geschehen? Was tat mir gut?
In den 9 Monaten Behandlung ging es mir oft schlecht, aber auch sehr oft gut. Und an allen diesen Tagen begann ich, bewusst zu leben, den Tag mit schönen Dingen zu füllen, auf mich zu hören und mich zu spüren.
Am Tag der letzten Bestrahlung verließ ich die Klinik mit Tränen in den Augen. Nicht vor Glück, sondern vor Unsicherheit, wie ich nun weiterleben sollte. Ohne wöchentlichen Arztkontakt, ohne Vertrauen in meine eigene Unversehrtheit, ohne Hilfe.
Ich habe mich damals bewusst entschieden, keine Anschlussheilbehandlung zu machen, weil ich mich nicht über die Krankheit definieren wollte. Vielmehr habe ich mir ein Netz von Unterstützung geschaffen: Massagen, viel Zeit an der frischen Luft, eine Verkürzung meiner Arbeitszeit, eine Beibehaltung der Termine bei meinem Therapeuten in größeren Abständen, Achtsamkeit und eine regelmäßige Überprüfung, um nicht wieder in alte Muster zu fallen. Ich habe mich nicht danach gerichtet, was die Krankenkasse zahlt, sondern was mir gut tat.
Nach 3 Jahren hatte ich eine emotional sehr belastende Situation im Familienumfeld und stand unter sehr starkem Stress. 2 Monate später -an Zufall glaube ich nicht – wurde ein Rezidiv festgestellt.

Wie hat sich Dein Leben verändert? Was hast Du verändert?

Auch wenn die Behandlungen nach dem Rezidiv nun schon wieder 2 Jahre her sind, ist mir klar, dass jederzeit wieder eine Diagnose gestellt werden kann. Der Weg zu meiner inneren Freiheit sind Akzeptanz und Selbstwirksamkeit.
Die Krankheit hatte dafür gesorgt, dass ich runterschalte und mehr für mich sorge. Wenn ich diese Aufgabe selbst übernehme, kann ich die Krankheit loslassen.
Natürlich ist Krebs nicht selbst verschuldet. Die Entstehung eines Karzinoms hat viele Ursachen: genetische, Umwelteinflüsse, aber auch immunologische. Das Immunsystem ist an der Beseitigung fehlerhafter Zellen beteiligt. Auf meine Gene habe ich keinen Einfluss, auf meine Umwelt nur bedingt über Essen, Schlaf, gesunde Lebensweise. Meinen größten Einfluss habe ich darauf, ob ich mein Immunsystem durch Entspannung, innere Ruhe und positive Gedanken stärke, oder ob ich durch Dauerstress meinen Körper mit Adrenalin und schlussendlich Cortisol überflute.
Stress vermeidet man jedoch nicht durch Vermeidung des Lebens, sondern durch das Finden eines inneren Gleichgewichtes und der bewussten Entscheidung für eine positive lebensbejahende Einstellung.

Manche PatientINNen beschäftigen sich -teilweise unbewusst- mit der Frage „Darf ich wieder gesund werden?“ Ich durfte Dich als lebensfrohe Frau kennenlernen. Wie bist Du damit umgegangen?

Ja, ich darf gesund sein. Denn ich brauche den Krebs weder als Beschützer vor meinem eigenen selbstschädigenden Verhalten, noch als neuen Lebensinhalt. Natürlich erfährt man als Patient eine verstärkte Zuwendung. Man kann jederzeit Nein sagen, man wird rücksichtsvoll behandelt und hat etwas zu erzählen. Die Übernahme von Eigenverantwortung ist die Voraussetzung dafür, die Krankheit auch wieder loszulassen.
Es ist nicht einfach, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen. Denn Verantwortung bedeutet auch die Verantwortung für das Scheitern. Es kann keinem anderen Schuld zugewiesen werden für unbefriedigende Lebensumstände. Die Welt schuldet uns nichts, wir schulden uns selbst Achtung und Respekt.
Im Hier und Jetzt sein, heißt auch, Dinge in Frage zu stellen, Veränderungen anzustoßen und Situationen auszuhalten.
Ich hatte schon einige Jahre vor meiner Erkrankung neben meinem Beruf eine Weiterbildung auf dem Gebiet der Psychologie und Psychotherapie begonnen. Diese habe ich intensiviert und gleichzeitig mit meiner letzten Behandlung abgeschlossen. Ein Jahr nach dem Rezidiv habe ich die Heilpraktikerprüfung bestanden.

Mir hat das Lernen geholfen, mich in schlechten Zeiten zu fokussieren und mir eine Struktur zu schaffen. Gleichzeitig habe ich meine Situation sowohl aus Patientensicht als auch aus Therapeutensicht betrachten können. Viele theoretische Themen wurden plötzlich fassbar und klar.

In diesem Kontext bin ich auf das japanische Konzept des „IKIGAI gestoßen. Die Grundsätze finden sich in vielen psychologischen und philosophischen Ideen wieder, sind aber aus meiner Sicht dort am prägnantesten definiert. Es handelt sich um das Streben nach Sinn, ein Gleichgewicht zwischen Passion (es gibt etwas, was ich liebe zu tun), Profession (ich kann es gut), Mission (es hat einen Sinn, es wird gebraucht) und Anerkennung (ich werde dafür bezahlt, ich kann davon leben).

IKIGAI bedeutet: klein anzufangen, loslassen zu lernen, Harmonie und Nachhaltigkeit zu leben, die Freude an kleinen Dingen zu entdecken und im Hier und Jetzt zu sein.

Ikigai ist zum Teil Deines Lebens und als Tattoo Teil Deines Körpers geworden. Was bedeutet es für Dich?

Ich arbeite jeden Tag an meinem IKIGAI, denn genau wie Beziehungen zu anderen Menschen braucht auch die Beziehung zu sich selbst tägliche Arbeit.
Auch das ist Selbstverantwortung und Selbstwirksamkeit. Veränderungen treten nur ein, wenn man die neuen Wege täglich läuft. So lange, bis die alten Wege mit Gras überwachsen sind und der neue Weg auch für andere sichtbar ist und bleibt.
Um mein Ziel im Auge zu behalten, habe ich es mir an die Wand geschrieben und eines Tages habe ich mich entschieden, es als Tattoo immer bei mir zu tragen.
Aber die Bedeutung von Tattoos füllt einen eigenen Blog, darüber zu schreiben ist eines meiner nächsten Ziele.

Wie ich schon sagte: Wir werden sterben. Keiner kommt aus dem Leben lebend heraus.
Das ist außerhalb unseres Einflussbereiches.
Was wir aber beeinflussen können, ist, wie wir diese Zeit – so lange sie auch sei – gestalten.

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2020)

(Ansichten 19, 1 Ansichten heute)
06 Jul

Workshop Therapeutische Geschichten online

Workshop Therapeutische Geschichten Magie von Märchen und Geschichten 2019

 

Workshop – Die Magie von Märchen und Geschichten
„Therapeutische Geschichten in der Therapie- und Coachingpraxis“

 

Warum sprechen Erwachsene in der Therapie so gut auf Geschichten an?
Kinder lieben Märchen und Geschichten. Sie werden seit Jahrhunderten für die Entwicklung und Erziehung von Kindern genutzt.

 

  • Entdecke die Möglichkeiten und Potentiale des gezielten Einsatzes von therapeutischen Geschichten in der Praxis – für Therapie oder Coaching.
  • anstelle von Rat-Schlägen, lerne, KlientINNen sanft Denkanstöße zu geben
  • Erfahre, wie Du den Raum öffnest, KlientINNen ihre eigenen Lösungen finden zu lassen.
  • Begeistere Deine Klienten durch maßgeschneiderte Geschichten.

 

Auf die aktuelle Situation (Coronavirus / SARS-CoV-2 / COVID-19) reagierend, biete ich diesen Workshop online (via zoom) an. Eine Webcam, ein Mikrofon bzw. Headset oder ein Smartphone und eine stabile Internetverbindung ermöglichen eine Teilnahme.

 

 

 

Online- Workshop – insbesondere für Heilpraktiker_innen (für Psychotherapie), Therapeut_inn_en, Coaches, Lehrer_innen, Pflegekräfte, Kinderzieher_innen, Kinderbetreuer_innen, Trauerbegleiter_innen

 

 

Workshopinhalte

  • Einsatzmöglichkeiten, Vorteile, Aufbau, Wie erzählt man eine Geschichte interessant?
  • Potentiale (Lösungsfindung, Widerstände umgehen, Kreativität)
  • Kreativteile – Methode „Heldenreise“, eigene Geschichte schreiben
  • viele Beispiele und praktische Übungen

 

Tag 1
ca. 09:00-18:00, 16.8. oder 12.9. oder 13.9. oder 26.9. oder 3.10.20
Grundlagen Therapeutische Geschichten, Heldenreise

Tag 2
ca. 10:00-16:00, 29.8. oder 27.9. oder 4.10. oder 7.11. oder 8.11.20
eigene Geschichten der TeilnehmerINNEN, Übungen Heldenreise

Onlineseminar via zoom.

Ab 8 TeilnehmerINNEN findet ein Kurs statt.

 

Ich arbeite seit einigen Jahren in eigener Praxis und nutze dabei Geschichten erfolgreich, um meine KlientINNen bei Ihren Heilungs- und Veränderungsprozessen zu unterstützen. Anstelle von Rat-Schlägen (!) erzähle ich ihnen Geschichten und jede/r darf daraus das von sich mitnehmen, was sie/er darin erkennt.

 

DAS bekommst Du für den Preis von nur 199 Euro:

  • Seminarunterlagen mit wertvollen Informationen und Tipps
  • praxisnaher Workshop zu therapeutischen Geschichten (Vorteile, Nutzen u.v.m.)
  • die nettesten Teilnehmer_innen mit Dir
  • meine Begeisterung für diesen Workshop und Praxiserfahrung
  • einfacher online-Zugang – alles bequem von zuhause aus
  • Lass Dich von Therapeutischen Geschichten begeistern und begeistere andere mit Deiner Geschichte
  • am 2. Tag – praktisches Üben, eigene Geschichten und Feedback

 

Um es Dir noch leichter zu machen… Sonderpreis 2020: nur 159 €

 

Ich freue mich auf Deine Teilnahme. Hier kann Du Dich anmelden:

Email und Anmeldeformular

 

 

 

Herzgeschichten für kleine Glücksmomente ISBN 3865419402 SinnSationsGeschichten © Praxis Der Zuhörer - Steffen Zöhl, 2017


 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2020)

 

 

 

(Ansichten 61, 1 Ansichten heute)