21 Feb

Das Geheimnis der alten Flasche 3 (Therapeutische Geschichte)

© Praxis Der Zuhörer - Steffen Zöhl, 2017gewidmet Herbert Zöhl-

Viele Jahre waren vergangen und aus dem kleinen Ben – ein großer Benjamin geworden. Er war mittlerweile Vater  und hatte seinen geliebten Opa leider schon vor ein paar Jahren beerdigen müssen. Sein Sohn liebte es ebenso wie er, im Garten und den Wiesen darum zu spielen. Das Grundstück mit dem kleinen Häuschen hatte er vom Opa geerbt.

Er verband so wundervolle, spannende und glückliche Momente mit diesem Garten. So viele Abenteuer hatte er erlebt, Handwerkliches vom Opa und etwas über Gartenbau und Kräuter von der Oma gelernt. Auch die Geschichten der beiden „von früher“ hatte er geliebt. Abends, wenn er nach einem langen Tag des Herumtobens, Erkundens und Träumens im Bett sein sollte, halfen ihm die Geschichten, schnell einzuschlafen.

Eines Tages entdeckte sein Sohn die alte Flasche mit dem bunten Schiff darin auf einem Regal über dem alten Sofa. Er wurde neugierig und versuchte sie zu erreichen. Es fehlten nur ein paar Zentimeter … doch so konnte er sie nicht greifen. Er stapelte ein paar Kissen übereinander und … er konnte sie anstupsen, aber sie rutschte immer wieder weg. Also hüpfte er auf den Kissen und … erwischte sie … doch nicht richtig und sie fiel herunter. Sie plumpste auf das Sofa, nahm den Schwung mit und zersprang auf dem Boden in tausend Stücke.

Der Junge erschrak und weinte – zum einen um die schöne Flasche mit dem Schiffchen und zum anderen, weil ihm klar war, dass sein Papa vermutlich sauer sein würde. Als Benjamin das Scheppern hörte, war er in Sorge um seinen Sohn und lief sofort in das Häuschen. Seinem Sohn ging es gut. Die Flasche jedoch war kaputt und in viele Splitter zerborsten.

Das war doch die Flasche … seine Flasche. Es war doch DIE Erinnerung an seinen Opa und die Abenteuer und sein Schatz. Er war wütend, traurig und aufgeregt gleichzeitig. „Mein Schatz“ rief er laut und es durchfuhr ihn. Gerade wollte er los schimpfen – als er die ängstlichen und traurigen Augen seines Sohnes sah. Er war ja auch sehr froh, dass seinem Sohn nichts passiert war und dann nahm er ihn die Arme.

Dann erzählte er ihm, warum diese Flasche ihm so viel bedeutete und was er alles erlebt hatte. Er erzählte von seinem Opa und den Geschichten, die er als Junge gehört hatte. „Erzählst Du mir auch diese Geschichten?“, fragte ihn sein Sohn. Da fielen Benjamin wieder viele der Geschichten ein und die Worte seines Opas – „Die Liebe zwischen Menschen bleibt in den Erinnerungen und dazu braucht man keine Dinge – nur ein Herz.“

Er erinnerte sich, wie auch ihm Dinge kaputt gegangen waren und sein Opa stets gütig und verständnisvoll zu ihm war. „Vielleicht können wir die Flasche wieder heil machen und ich helfe Dir dabei?“, fragte sein Sohn kleinlaut. „Nein, das geht nicht mehr. Aber ich habe eine Idee“, sagte Benjamin plötzlich.

Er sammelt alle Scherben vorsichtig auf und legte sie auf den Tisch. Dann legte er sie zu Formen zusammen und probierte wieder und wieder. Bis er …

aus den Scherben der alten Flasche ein Bild entstehen ließ – ein Segelschiff. Er holte eine flache Holzkiste, goss sie mit Gips aus und drückte sie Scherben hinein.

Als die kleine alte Flasche wieder erwachte – hatte sie sich wiederum verändert. Sie selbst war nun zum Schiff geworden und ein Schatz. Bens Sohn liebte die Geschichten und erfuhr so viel über seinen Urgroßvater und seinen Vater.

Und das Bild, das aus der alten Flasche entstand, wurde zum Schatz – für Benjamins Sohn.

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2017)

 

 

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