12 Feb

Die Weisheiten der alten Eule 8 (Therapeutische Geschichte)

Die Weisheiten der alten Eule © Praxis Der Zuhörer - Steffen Zöhl, 2018

Die Weisheiten der alten Eule
(Therapeutische Geschichten)

 

In einer sehr alten Eiche lebte eine auch ziemlich alte Eule. Mit der Zeit konnte sie schlechter hören und sehen, aber die Tiere des Waldes gingen gern zu ihr, wenn sie Sorgen und Probleme hatten. Im Gespräch mit der alten Eule fanden viele Tiere ihre Lösungen und verstanden, was das eigentliche Thema war. Von einigen dieser Begebenheiten will ich berichten.

 

Der kleine Igel Malte

Es gab eine Zeit im Wald, da war „Vorsicht Malte“ häufiger zu hören. Manchmal galt es dem kleinen Igel Malte selbst und manchmal war es eher eine Warnung für die anderen. Dass man beim Spielen mit Igeln vorsichtiger sein sollte, um nicht gepiekst zu werden, wussten die anderen Waldkinder. Auch die Igel wussten das.

Doch der kleine Igel Malte wurde oft traurig, wenn er „Achtung Malte“ oder „Vorsicht Malte“ hörte. So gern hätte er einfach nur mit den anderen spielen wollen. Doch wenn sie mal nicht mit ihm spielen wollten oder er nicht seinen Willen bekam, kugelte sich Malte schnell ein. Er sah dann aus wie eine kleine Stachelkugel. Dann hatten die anderen oft Angst und liefen weg. „Dann eben nicht“, schnaufte Malte in sich hinein. Seine Stachelhaut schützte ihn dann. Aber so sahen die anderen Waldkinder auch nicht, wie traurig er dann war. Wenn er mal so richtig ärgerlich über jemanden war, dann rollte er sich zusammen und auf denjenigen zu. Das piekste dann und der oder die andere war dann traurig. Manchmal weinten die Kinder dann auch. „Jetzt weißt Du mal, wie das ist.“, dachte sich dann Malte. Eigentlich wollte er die anderen zwar nicht verletzen, aber irgendwie wusste er auch nicht weiter.

Eines Tages spielten die Waldkinder auch unter der Eiche der weisen Eule. Das Fangen-Spiel mochten die Waldkinder. Malte wurde nur selten gefangen. Viele hatten Angst, ihn abzuklatschen, weil sie befürchteten, sich zu pieksen. „Hier bin ich . Hieeer. Fang mich doch.“, rief Malte. Er war ganz stolz auf sich, weil er geübt hatte, schneller zu laufen. Doch als die anderen ihn weiterhin nur sehr selten fangen wollten, wurde er trotzig und kugelte sich ein. „Achtung Malte“ hörte er wieder. Die Kinder machten nun erst recht einen Bogen um ihn. Die weise alte Eule schaute sich das eine Weile an und flog dann hinab zu den spielenden Kindern.

„Na Malte, Du scheinst nicht ganz zufrieden zu sein?“, fragte die weise Eule vorsichtig. „Das brauche ich jetzt gerade auch noch!“, grummelte Malte in sich hinein. „Na warte, Dir werde ich es zeigen.“, dachte er sich. Er fühlte sich ertappt und wollte nicht, dass die anderen merkten, dass er eigentlich traurig war. Er schaute einmal grimmig und rollte sich zusammen. Dann rollte er auf die Eule zu. „Du wirst es gleich selbst spüren, wie sich das anfühlt …“, dachte er sich und rollte über ihre Füsse. Er war es gewohnt, dass die anderen dann davonliefen, jammerten, weil er sie gepiekst hatte oder auf ihn schimpften. Doch die Eule … zuckte nicht einmal. „Komm mal zu mir und erzähle.“, sagte die weise Eule zum kleinen Igel.

Malte wollte, dass die Eule seinen Schmerz, die Traurigkeit und Wut, auch spürte. „Los geh weg!“, er rollte nochmal über ihre Füße, aber die reagierte nicht darauf. „Eulen scheinen keinen Schmerz in den Füßen zu spüren.“, versuchte er sich das unerwartet Erlebte zu erklären. „Ich werde nicht weggehen, bevor wir gesprochen haben“, sagte die Eule, „ganz gleich, wie oft Du mir noch in die Füße piekst.“ „Sie fühlt es also doch!“, erschrak Malte. Da war er verwundert. „Nun erzähl mal, was mit Dir los ist.“, lächelte ihn die Eule an.

Da nahm Malte seinen Mut zusammen und schüttete ihr sein Herz aus. Er erzählte davon, wie er sich fühlte, wenn er sich ausgegrenzt und anders fühlte. Nun kullerten auch ein paar Tränchen seine Wange herunter. Doch irgendwie fühlte er sich danach leichter. „Anders zu sein, ist nichts Schlechtes. Es kann sogar etwas sehr Gutes sein. Jeder ist doch auf seine Art irgendwie anders.“, sagte die weise Eule, „Schau Dich mal um. Hier ist doch keiner genau wie der andere.“ Malte schniefte kurz und sah sich um. „ABER …“, fing Malte an, „warum ärgern mich die anderen dann?“ Die Eule schaute ihm in die Augen und fragte: „Wie genau ärgern sie Dich denn?“

Malte überlegte kurz und antwortete: „Immer wenn ich ‘Achtung Malte’ höre oder sie mich beim Fangenspiel nicht fangen wollen zum Beispiel.“ „Hm“, die Eule schaut fragend, „Hast Du ihnen das denn mal gesagt?“ „Gesagt?“, stutzte der kleine Igel, „ähm … nein, ich dachte immer …“. Man konnte seinem Gesicht ansehen, dass es ihm plötzlich bewusst wurde. „Wenn Du Dich zur Kugel einigelst und den anderen nicht sagst, wie es Dir geht, … wird sich vermutlich nichts ändern.“, zwinkerte ihm die Eule zu bevor sie wieder in ihr Nest flog.

Am nächsten Tag erzählte er den anderen Waldkindern, was ihn manchmal traurig machte und warum er sich dann einigelte. Er hatte immer gedacht, die anderen würden ihn auslachen, aber das taten sie nicht. Auch die anderen erzählten nun, was sie manchmal störte, ihnen Angst machte oder sie traurig werden ließ. Irgendwie fühlten sich die Waldkinder nun verbundener. Seitdem rollte sich Malte nur noch selten zusammen.

Am Nachmittag verabredeten sie sich zum Fangen spielen. Malte sollte als erster fangen. Als er die anderen sah, strahlte er voller Glück. Sie hatte sich alle Handschuhe mitgebracht und Malte … musste ganz schön laufen ;o)

 

 

 

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2019)

 

 

 

 

 

 

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30 Jan

Das Vermächtnis einer alten Dame (Therapeutische Geschichte)

Das Vermächtnis einer alten Dame
(Therapeutische Geschichte)
-inspiriert durch Norbert Cuypers-

 

Manchmal lernen wir von Menschen auf eine sehr ungewöhnliche Weise. So lernte ich von einer verstorbenen alten Dame etwas über Menschen und Menschenbilder.

Ich war eine Zeit lang als Grabredner beschäftigt, manchmal neben einem Pfarrer und manchmal allein, wenn die verstorbene Person kein Kirchenmitglied war. Es war ein Zufall, der mich zu dieser Aufgabe führte. Für diese Erfahrungen bin ich heute sehr dankbar. Man lernt, aufmerksam und verständnisvoll zuzuhören und die „richtigen“ Fragen zu stellen, wenn man mit den Angehörigen über die Verstorbenen spricht. In einigen Fällen jedoch gibt es keine Angehörigen. So war es bei Hedwig Schulze. Die von Amts wegen bestellte Nachlasspflegerin übergab mir einen Ordner mit Unterlagen, die die alte Dame vorsorglich für ihre Beerdigung gesammelt hatte. In ihrem Testament hatte sie verfügt, dass ein ordentliches Begräbnis stattfinden soll und mit dem örtlichen Bestattungsinstitut eine Vereinbarung getroffen. Diese Vereinbarung deckte sowohl die Kosten für eine Beerdigung inkl. Blumen als auch eine Grabrede ab.

So wurde ich von diesem Bestattungsinstitut beauftragt, eine Grabrede zu halten. Ich fragte mich, was sie wohl gedacht haben mag, als sie diesen besonderen Ordner zusammengestellt hatte. Obwohl ich es aus beruflichen Gründen gewohnt war, sehr persönliche Informationen zu erhalten, war es doch etwas sehr Besonderes, den Brief der alten Dame zu lesen. Neben einer Art kurzem tabellarischen Lebenslauf und Familienstammbaum schrieb sie „mir“ einen Brief. Sie schrieb darin über ihr Leben, wie sie es erlebt hatte, was sie bewegt und geprägt hatte. Hedwig Schulze hatte ein für mich beeindruckendes Leben geführt. Auch wenn sie mit ihrem Mann keine Kinder bekam, war sie Zeit Ihres Lebens ein Segen für andere, vor allem Kinder, gewesen.

Als gelernte Kinderkrankenschwester hatte sie vielen Kindern den Weg ins Leben geebnet und das nicht nur im Krankenhaus. Solange sie konnte, engagierte sie sich ehrenamtlich, half in Familien mit Problemen aus und organisierte in der Gemeinde Kurse für erste Hilfe, Kochen, Singen oder Spielen. Bis ins hohe Alter war sie aktiv. Als dann die Krankheit kam, ging alles ziemlich schnell. 89 Jahre lang hatte sie diese Welt bereichert. Auch wenn ich sie zu ihren Lebzeiten nie kennengelernt hatte, diese Frau schloss ich sehr schnell in mein Herz. Diese Grabrede sollte ein Meisterstück werden. Auch wenn mir zur Vorbereitung gemäß Auftrag nur 90min zustanden, nahm ich mir für diese Rede viel Zeit. Dieser Frau, die so viel für andere getan hatte, wollte ich eine besondere Rede widmen, die ihr gerecht werden sollte.

Als ich mich mit dem Pfarrer absprach, gewährte er mir gerne etwas mehr Zeit. „Hedwig Schulze war ein wunderbares Mitglied unserer Gemeinde. Ich weiß nur nicht, wie viele zu ihrer Beerdigung kommen. Sie hatte keine Angehörigen mehr soweit ich weiß.“, sagte er zu mir. Eine Beerdigung heißt immer Abschied nehmen, aber dieser alten Dame wollte ich einen ehrenvollen letzten Weg gestalten. Auch die Sonne, die an diesem kühlen Morgen durch die Friedhofsbäume schien, schenkte dem traurigen Anlass etwas Würde und Glanz. Umso mehr betrübte mich, dass außer dem Pfarrer und mir niemand an ihrem Grab stand. Nur ein paar Meter entfernt saßen ein paar Jugendliche auf der Lehne einer Parkbank. Ich spürte gleich einen inneren Groll, als ich dieses in meinen Augen flegelhafte Benehmen beobachtete. Wie vereinbart, begann ich meine Rede, bevor der Pfarrer seine letzten Worte und den Segen sprach.

„Wir nehmen heute traurig Abschied von Hedwig Schulze.“, begann ich meine Rede und achtete darauf, so laut zu sprechen, dass die Jugendlichen mich auch hörten. Vielleicht besaßen sie ja nun so viel Anstand, sich zu entfernen und der Verstorbenen die Würde des letzten Geleits zu gewähren. Aber nein – ich bemerkte, wie sie nun auf ihren Smartphones schrieben. Es machte mich innerlich wütend. Diese Frau hatte so viel für Kinder getan und diese frechen Gören achteten das nicht. Ich war kurz davor, etwas in ihre Richtung zu rufen, doch dann stieß ich in meiner Rede auf ein Zitat dieser Frau: „Kinder brauchen viel Liebe und Zuwendung und viel Geduld“. Es wäre wohl Hedwig Schulzes Andenken nicht gerecht gewesen, meiner Entrüstung Ausdruck zu verleihen und meine Grabrede nicht bestmöglich zu halten.

Ich konzentrierte mich also auf meine Rede und schaute auf das, was ich ihr zu Ehren ausgearbeitet hatte. Als ich wieder aufblickte, waren die Jugendlichen verschwunden. Irgendwie war ich erleichtert. Was dann geschah, war einer der überraschendsten und zugleich bewegendsten Momente meines Lebens. Eine Frau mittleren Alters im schwarzen Mantel gesellte sich zu uns und stand vor dem Grab. „Schön, dass doch noch jemand zur Beerdigung kommt.“, sagte ich. Die Dame war sichtlich bewegt und reagierte nicht auf mich. Dann schaute sie in meine Richtung und begann „Aaaa…“. Sie verstummte.

Plötzlich hörte ich hinter mir einen Chor „Aaave Maariia …“. Mir schossen die Tränen in die Augen. Eine Gruppe von bestimmt 40-50 Menschen hatten sich hinter mir versammelt und sang für die alte Dame. Als ich mich umdrehte, erkannte ich einige der Jugendlichen darunter. Sie alle gaben nun der alten Dame das letzte Geleit. „Es war eine wunderschöne Grabrede. Vielen Dank Heddi hätte sich sehr darüber gefreut. Sie war ein ganz besonderer Mensch, die schon für meine Eltern da war. Und ich bin stolz, dass ich sie auch noch kennenlernen durfte.“, waren die ersten Worte eines der Jugendlichen, der sich mir als Milan vorstellte. „Es war ein Zufall, dass wir heute durch Ihre Rede davon erfuhren. Da haben wir so schnell wie möglich alle informiert, von denen wir wussten, dass die sie kannten. Es wären sonst so viel mehr gewesen.“, fuhr er fort. Auch er hatte Tränen in den Augen. Wir sprachen noch eine ganze Weile und saßen später bei einem Kaffee zusammen.

 

 

SinnSationsGeschichten Menschlichkeit Respekt Herzgeschichten

 

Diese alte Dame lehrte mich noch nach ihrem Ableben eine wichtige Lektion: Menschen, gleich welchen Alters, mit Respekt und Offenheit zu begegnen. Anstand, Respekt und Menschlichkeit, das habe ich vielfach gelernt, erkennt man weder am Alter noch am Aussehen.

 

 

Hier gibt es die Hörversion:

 

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2019)

 

 

 

 

 

 

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09 Sep

Der Lumpenhund (Therapeutische Geschichte)

exklusiv auf nur-positive-nachrichten.de

Der Lumpenhund (Therapeutische Geschichte)

 

Meine neueste Geschichte “Der Lumpenhund” ist nun exklusiv auf nur-positive-nachrichten.de zu lesen. Sie ist inspiriert durch eine wahre Begebenheit.

 

Ich war einmal wieder mit der S-Bahn in Berlin unterwegs und fuhr auf dem kleinen Ring von West nach Ost … so beginnt eine besondere Begegnung und meine kleine Geschichte über Menschlichkeit und Verbindungen zwischen Welten.

 

Hier die Hörversion:

 

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2018)

 

 

 

 

 

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14 Aug

Der zerbrochene Teller (Therapeutische Geschichte)

Der zerbrochene Teller
(Therapeutische Geschichte)
-in tiefer Dankbarkeit-

 

Ich schreckte zusammen als ich das Klirren und Scheppern aus der Küche hörte. Was war passiert? Hatte sie sich verletzt? Ich sprang auf und eilte in die Küche. Ein Teller oder vielmehr die Scherben eines Tellers lagen auf dem Boden. Elke schaute mich mit einer Mischung aus erschrocken und verärgert an. „Was ist denn passiert?“, entfuhr es mir. „Du hast ja auch alles so voll gestellt hier. Wie soll ich da auch vernünftig einen Teller in den Geschirrspüler stellen?“

„Wieso hast Du auch zwei Teller genommen? Dann wäre das nicht passiert.“, entgegnete ich. Ich konnte quasi sehen, wie die Wut und Verzweiflung in ihr anstieg. So froh ich auch war, dass ihr nichts passiert war, ärgerte mich der kaputte Teller. Sie war aber immer so ungeschickt, dachte ich noch, bevor ich mit vorwurfsvollem Blick die Scherben aufsammelte. Wutschnaubend verließ Elke die Küche. Im Nachhinein tat es mir leid, dass ich nicht entspannter darauf reagiert hatte. Ich war ja froh, dass es ihr gut ging. Es war letztlich nur ein Teller.

Einige Wochen später wollte ich im Fernsehen eine Sendung sehen und hatte mich mit dem Abendbrot beeilt. Ich griff beide vorbereitete Brettchen und stellte ein Glass Fruchtschorle dazu. Die Sendung sollte gleich beginnen und ich wollte ja Zeit sparen. Auf dem letzten Meter rutschte das Glas und ich ging in einen Jonglierversuch über … aber das Glas fiel doch zu Boden und die Schorle war nur noch eine Pfütze am Boden.

Diesmal war Elke es, die zur Tür hereinstürmte und fragte, was passiert sei. Ich spürte wie in mir die Wut über mein Missgeschick, der Ärger über das, was mir nun bevorstand und die Verzweiflung aufstieg. „Ist Dir was passiert?“, fragte Elke und ich druckste nur „Nein, alles ok.“ Innerlich bereitete ich mich auf einen Vortrag vor, warum ich denn nicht zweimal gegangen war und dass es ja klar ist, dass ein Glas auf dem Brettchen rutschen könnte. Ich überlegte schon, was ich entgegnen würde. „Du hättest mir ja auch helfen können, dann hätte ich nicht zweimal gehen müssen.“, war eine von mehreren Reaktionen, die mir durch den Kopf gingen. Ohne ein Wort lief sie in die Küche, holte die Küchenrolle und wischte die Flüssigkeit auf. „Pass auf die Scherben auf …bitte“, sagte ich, während ich die Brettchen abstellte und ein Kehrblech holte. „Naja, bis auf den Schrecken ist ja nichts passiert.“, lächelte sie mich an, „Es war nur ein Glas. Dir ist nichts passiert. Das ist wichtig!“

 

Der zerbrochene Teller - SinnSationsGeschichten Liebe Beziehung Leben

 

Ich war verunsichert, erleichtert und begeistert zur gleichen Zeit. Mir war klar, dass das DIE Gelegenheit für sie gewesen wäre, sich für meinen Ausbruch beim zerbrochenen Teller zu revanchieren. „Danke“, sagte ich kleinlaut. Dann nahm ich sie in den Arm und wiederholte es: „Danke, … dass Du nicht geschimpft hast. Ich weiß ja, dass das blöd von mir war.“ Wieder lächelte sie nur. In dem Moment wurde mir klar, dass weder ein kaputtes Glas noch ein Teller es wert waren, sich zu streiten oder Vorwürfe zu machen. Wenn einem so etwas passiert, wünscht man sich Verständnis, denn Vorwürfe macht man sich selbst schon genug.

Seitdem waren die kleinen Unfälle des Alltags nie wieder ein „Problem“ zwischen uns.

 

Was ich durch einen zerbrochenen Teller und ein kaputtes Glas lernte, macht mein Leben seitdem deutlich entspannter und leichter.

 

 

 

 

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2018)

 

 

 

 

 

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12 Jun

Die Weisheiten der alten Eule 6 (Therapeutische Geschichte)

Die Weisheiten der alten Eule © Praxis Der Zuhörer - Steffen Zöhl, 2018

Die Weisheiten der alten Eule
(Therapeutische Geschichte)

 

In einer sehr alten Eiche lebte eine auch ziemlich alte Eule. Mit der Zeit konnte sie schlechter hören und sehen, aber die Tiere des Waldes gingen gern zu ihr, wenn sie Sorgen und Probleme hatten. Im Gespräch mit der alten Eule fanden viele Tiere ihre Lösungen und verstanden, was das eigentliche Thema war. Von einigen dieser Begebenheiten will ich berichten.

 

Die kleine Spinne Dora

Auch wenn jedes Tier im Wald seine Aufgabe hatte, so wurden sie doch unterschiedlich wahrgenommen – besonders von den Menschen. Sie bewerteten die Tiere nach Aussehen oder Eigenschaften, die sie ihnen zuschrieben. Die kleine Spinne Dora war unglücklich, als sie die weise Eule aufsuchte. Die Eule musste schon genau hinsehen und hören, denn die kleine Spinne war wirklich nicht sehr groß.

„Die Menschen mögen mich nicht.“, jammerte Dora, „Sie schreien, treten und schlagen nach mir, wenn sie mich sehen – selbst wenn ich einfach nur still da sitze. Als wäre ich ein Monster. Weisst Du, liebe Eule, wie oft ich schon ‘Pfui Spinne’ gehört haben? Das tut manchmal schon weh. Es ist hart, wenn man von niemandem gemocht wird.“ Ein leises Schluchzen war zu hören.

„Die Menschen“, antwortete die Eule, „sehen meist nuhur mit ihren Augen und dann auch nuhur das, was sie sehen wollen. Sie bedenken nicht, wie viele Mücken und Fliegen duhu fängst und ihnen damit das Leben leichter machst. Viele haben Angst vor Dir, obwohohl sie ein Vielfaches größer sind als Duhu.“ Die weise Eule beugte sich zu Dora hinunter und schaute ihr tief in die Augen. „Duhu wirst sie nicht verändern können. Die Menschen glauben, sie würden die Natuhur verstehen. Dabei bewerten sie alles, was sie dort finden, nuhur danach, ob es für sie nützlich erscheint ohoder nicht.“

„Andere Tiere mögen die Menschen. Sie füttern sie, hegen und pflegen sie und haben sie gerne in ihrer Nähe. Ich wünschte, sie würden mich auch mögen und erkennen, dass ich vieles tue, was gut für sie ist. Ich webe viele Stunden und Tage an meinen Netzen und versuche auch, sie besonderen schön zu machen. Doch keiner achtet darauf.“, sagte Dora mit gesenktem Haupt.

„Überlege Dir gut, was Duhu Dir wünschst!“, entgegnete ihr da die weise Eule, „Viele der Tiere, die die Menschen möhögen, wollen sie nuhur essen. Deshalb füttern sie sie uhund haben sie in ihrer Nähe.“ Dennoch verstand die Eule Doras Wunsch. Dora wurde nachdenklich. Die Menschen schienen schon komisch zu sein. Dann hörte sie die Worte der weisen alten Eule: „Wichtig ist nicht, ob andere bemerken, was Duhu Gutes tust oder wie sie über Dich denken. Wichtig ist, wie Duhu über Dich denkst, dass Duhu weisst, dass Duhu ein wertvoller Teil dieses Waldes bist.“

Dora war berührt und spürte, wie ein Stück Traurigkeit aus ihrem Herzen wich.

Als es zu dämmern begann, machte sich Dora daran, ein neues, ganz besonderes Netz zu weben. Der Mond schenkte ihr noch Licht, bis sie damit fertig war und zufrieden einschlief. „Sieh nur Mami, ist das nicht wunderschön!“ Als Dora, durch diese Worte geweckt, ihre Augen öffnete, sah sie ein kleines blondes Mädchen, das fasziniert vor ihrem Netz stand. Der Morgentau hatte sich in feinsten Perlen darin verfangen und glitzerte in der morgendlichen Sonne. „Sieh es Dir an, aber störe die Spinne nicht, Farah.“, sagte die Mutter zu dem Mädchen. „Das hat eine Spinne gemacht?“, fragte Farah, „Ich wusste nicht, dass diese Krabbelinge so schöne Dinge machen können. Ich glaube, dann mag ich Spinnen doch … auch wenn sie komisch krabbeln.“

Die kleine Spinne Dora hat diese Worte nie vergessen.

Vielleicht war es nur ein kleines Mädchen, vielleicht war es nur ein Zufall, vielleicht nur dieser eine Morgen, aber vielleicht war es auch ein Anfang …

Seiden web ich Fäden zum Gespinst,
dass Morgentau im Lichte glänzt,
fang Träume, Wünsche, Hoffnung ein
zu binden sie an diese Erden,
damit sie einmal Wahrheit werden
und glücklich machen – groß und klein.

Du Mutter vieler Fantasien,
verkannt, zu Unrecht oft verschrien,
ich will Dir meine Zeilen schenken,
Dein Bild in grade Bahnen lenken,
will wie ein Kind mit allen Sinnen
nach Herzenslust nur mit Dir – spinnen.
sz

 

 

 

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2018)

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05 Jun

Die Weisheiten der alten Eule 5 (Therapeutische Geschichte)

Die Weisheiten der alten Eule
(Therapeutische Geschichte)

 

In einer sehr alten Eiche lebte eine auch ziemlich alte Eule. Mit der Zeit konnte sie schlechter hören und sehen, aber die Tiere des Waldes gingen gern zu ihr, wenn sie Sorgen und Probleme hatten. Im Gespräch mit der alten Eule fanden viele Tiere ihre Lösungen und verstanden, was das eigentliche Thema war. Von einigen dieser Begebenheiten will ich berichten.

 

Das Lied der Steine - Shania und Goran

 

 

Shania und Goran

So wie die junge Ente lief, ahnte die weise Eule schon, was kam. Es war Liebeskummer, der die Ente zu ihr kommen und um Rat bitten ließ. Da erzählte die Eule ihr die Geschichte vom Maulwurf Goran, der in die Elster Shania verliebt war.

Es ist viele Jahre her, dass Goran und Shania hier im Wald lebten. Als die Elster sich in einem Winter den Flügel verletzt hatte, pflegte sie der Maulwurf. Obwohl er es anfangs kaum glauben konnte, spürten beide, dass es eine große Nähe zwischen ihnen gab. Die Elster und der Maulwurf kannten sich schon eine Weile, als der Maulwurf ihr seine Liebe gestand. Gerührt nahm sie es auf und beteuerte, dass auch ihr Herz für ihn fühlte. Auch wenn beide recht unterschiedlich lebten, fühlten sie doch eine große Verbundenheit zueinander. Einen Sommer lang hatten sie viele Tage und Nächte miteinander geteilt. Er suchte die schönsten und glänzendsten Steine für sie und kümmerte sich stets um ihr Wohl. Wann immer sie traurig war, kam er zu ihr und tröstete sie.

Doch weil der Maulwurf immer wieder eine Zeit unter der Erde war, kam es dazu, dass auch der Zaunkönig um die Elster warb. Goran wurde traurig, als er sah, wie beide durch die Sommerabende flogen. Sie bat ihn um Zeit, um für sich herauszufinden, was ihr Herz wollte. Doch sein Herz wurde schwer, mit jedem Tag, den sie mit dem Zaunkönig flog. Tränen kullerten aus seinen kleinen Knopfaugen. Er versuchte, um sie zu kämpfen. So ging er jeden Tag in den Berg, um Edelsteine für sie zu holen, die glänzten. Er legte sie ihr, liebevoll geschmückt, in ihr Nest. Sie mochte die Steine und wie er sich um sie sorgte.

Die Elster hatte ihn liebgewonnen und wollte den Maulwurf gerne in ihrem Leben behalten, fühlte aber, dass ihr der Zaunkönig gut gefiel. Sie bat Goran immer wieder, er möge doch als Freund bei ihr bleiben. Doch sein Herz war gebrochen. Immer häufiger und länger grub er sich in den Berg.

Eines Tages lagen keine Steine in ihrem Nest. Shania flog zum Berg und suchte nach Spuren von Goran. Als auch nach Tagen kein Zeichen von Goran zu finden war, hatte sie die alte Eule aufgesucht, die damals noch eine eher junge Eule war. Die Eule wusste nicht, wo Goran geblieben war. Sie senkte nur den Kopf, als sie Shanias Geschichte gehört hatte.

Goran wurde nie wieder gesehen. Alles, was blieb, war das Lied der Steine, von dem manche glauben, dass es noch immer tief im Berg zu hören ist.

 

Das Lied der Steine

Für Dich grub ich mich tief und tiefer
durch den Stein, Granit und Schiefer
bis auf den Grund des Bergs hinein,
auf dass Dein Herz so werde mein.

Suchte nach Gold und Edelstein,
Dir nah zu sein, nicht allein.
Fand ich auch viel vom edlen Erz,
blieb mir zuletzt verwehrt Dein Herz.

Einst warst Du mir so tief und nah,
bis ich zerbrach, als ich es sah.
Es ging Dein Herz und Stück für Stück
verlor ich mich, mein Herz und Glück.

So geh ich in die Dunkelheit,
vergesse Leben, Traum und Zeit.
Was ich Dir gab, ward nicht belohnt,
Du lebst mit Sonne und mit Mond.
sz

 

 

 

 

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2018)

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10 Apr

Die Weisheiten der alten Eule 4 (Therapeutische Geschichte)

Die Weisheiten der alten Eule © Praxis Der Zuhörer - Steffen Zöhl, 2018

Die Weisheiten der alten Eule
(Therapeutische Geschichte)

 

In einer sehr alten Eiche lebte eine auch ziemlich alte Eule. Mit der Zeit konnte sie schlechter hören und sehen, aber die Tiere des Waldes gingen gern zu ihr, wenn sie Sorgen und Probleme hatten. Im Gespräch mit der alten Eule fanden viele Tiere ihre Lösungen und verstanden, was das eigentliche Thema war. Von einigen dieser Begebenheiten will ich berichten.

 

Der Storch Shakir

Als der Frühling wieder eines Tages den Wald zu neuem Leben erweckte, kam auch der Storch Shakir von seinem Winterquartier im Süden zurück. Nach der langen Reise erholte und stärkte er sich zunächst in den Auen, die an den Wald grenzten. In den letzten Jahren hatte er häufiger von der alten Eule und ihrer Weisheit gehört. Nun hatte er so viel Kummer im Herzen, dass er sie aufsuchte, um ihr sein Leid zu klagen. Er fühlte sich vom Leben gestraft, glücklos und tieftraurig.

Nachdem die Eule ihm eine Weile zugehört hatte, sagte sie nur „traurig, traurig, kohohomm heute abend wiehieder, wenn die Sonne uhuntergeht und klage auch den anderen Dein Leiheid.“ Shakir freute sich, dass die Eule ihn verstand. Etwas Trost von den anderen Tieren zu bekommen, würde ihm sicher gut tun. Als die Sonne ihre letzten Strahlen durch den Wald sandte und ihn in ein Farbenspiel hüllte, kam Shakir wieder zur Eiche der alten Eule. Darunter hatten sich einige Tiere versammelt, die wohl die alte Eule eingeladen hatte. Er sah in viele freundliche und glückliche Gesichter. Dieser Anblick lies ihn sofort wieder daran denken, wie schwer sein Leben und wie unglücklich er war.

„Ich hatte nicht viel Glück im Leben.“, begann er zu erzählen, „Als erstes musste ich mich durch die harte Schale eines Eies kämpfen, mit meinen 2 Brüdern musste ich das Nest und das Futter, was meine Eltern brachten, teilen und schon nach wenigen Wochen fliegen lernen. Heute muss ich zweimal im Jahr eine weite Reise antreten und viele Kilometer fliegen. Seit 10 Jahren mache ich das nun schon. Meine Beine sind lang und dünn und obwohl ich ein Vogel bin, kann ich doch nicht zwitschern und tirilieren, sondern nur klappern. Das klingt, als ob man schnell auf einen hohlen Baum schlagen würde.“

Mit gesenktem Haupt fuhr er fort: „Mein Gefieder ist auch nur schwarz und weiss und nicht so schön bunt, wie das anderer Vögel. Wann immer die Menschen mich sehen, zeigen sie auf mich und sprechen miteinander. Ich kann es von da oben zwar nicht hören, aber vermutlich mögen sie mich nicht und machen mich schlecht.“ Er wollte gerade weiter über seinen Kummer reden, als er einmal aufsah und in die Gesichter der anderen Tiere schaute. Viele der kleinen und großen Zuhörer hatten Tränen in den Augen. Shakir war froh, dass die anderen Mitleid mit ihm hatten und erkannt hatten, wie schlecht es ihm ging und dass sein Leben schon sehr hart war.

Plötzlich spürte er ein Pieksen am Bein. Es war das Küken der Schwalbe, das dem Storch an sein Bein pickte und es schaute eher wütend. Als Shakir hinabsah zum Küken, plusterte sich das Küken auf und fuhr ihn an: „Was fällt Dir eigentlich ein, die anderen so traurig zu machen? Du bist so reich beschenkt und siehst es nicht!“ Shakir war zunächst überrschascht und wurde dann sogar etwas wütend: „Was verstehst DU denn schon davon, Du kleines Küken? Womit sollte ich denn schon beschenkt sein?“

Da meldete sich eines der anderen Tiere. „Du beschwerst dich, dass du so weite Wege fliegen musst“, sagte die Taube, „und vergisst, dass du es KANNST. Mit meinem gebrochenen Flügel kann ich nicht mehr fliegen – und würde so gern. Frei durch die Luft fliegen zu können, ist ein großes Geschenk.“ Erst jetzt bemerkte Shakir, dass die Taube verletzt war und wurde verlegen. „Du ‘musstest’ deine Kindheit mit deinen Brüdern teilen? Ich hätte gerne Brüder gehabt, um mit ihnen zu spielen.“, meldete sich das Reh. So erfuhr Shakir, dass andere Tiere ohne Geschwister oder Eltern aufwuchsen, nicht fliegen oder zwitschern konnten oder auch gejagt wurden. Viele Tiere wurden nicht einmal 10 Jahre alt.

„Weisst Duhu, warum die Menschen ahauf Dich schauen und übeher Dich sprechen?“, fragte nun die alte Eule den Storch, “… weil Du für sie das Symbol der Gebuhurt bist. Manche Menschen erzählen ihren Kihindern sogar, duhu würdest die Babys bringen.“ Da mussten Shakir und die alte Eule lachen. „Die Menschen mögen mich?“, fragte Shakir überrascht, „Das hätte ich nicht gedacht.“

Vieles, was ihm selbstverständlich oder sogar belastend vorkam, erschien plötzlich in einem ganz anderen Licht. Shakir bemerkte, dass es vieles in seinem Leben gab, wofür er nun dankbar war. Er hatte noch ein halbes Leben vor sich. Die Menschen mochten ihn.

Es war ein warmes Gefühl, das sich in ihm ausbreitete und er war erfüllt von Dankbarkeit und Lebensfreude. Er klapperte voller Stolz und Freude und bedankte sich bei den Tieren des Waldes und der alten Eule, die ihm ein neues Lebensgefühl und ein Leben voll Dankbarkeit geschenkt hatten.

 

 

 

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2018)

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(Ansichten 160, 1 Ansichten heute)
26 Mrz

Die Weisheiten der alten Eule 3 (Therapeutische Geschichte)

Die Weisheiten der alten Eule © Praxis Der Zuhörer - Steffen Zöhl, 2018

Die Weisheiten der alten Eule
(Therapeutische Geschichte)

 

In einer sehr alten Eiche lebte eine auch ziemlich alte Eule. Mit der Zeit konnte sie schlechter hören und sehen, aber die Tiere des Waldes gingen gern zu ihr, wenn sie Sorgen und Probleme hatten. Im Gespräch mit der alten Eule fanden viele Tiere ihre Lösungen und verstanden, was das eigentliche Thema war. Von einigen dieser Begebenheiten will ich berichten.

 

Der Kater Elias
-gewidmet Manja Matschkus-Kotzur-

 
An einem Sonntagmorgen im Herbst, die Sonne wollte sich nicht zeigen und der Himmel war grau, kam der Kater Elias zur weisen Eule. Er wusste nicht mehr weiter. „Meine Frau Dori ist in letzter Zeit immer kratzbürstiger geworden und ist oft krank. Früher hatte ich zumindest am Wochenende frei und konnte mit den anderen Katern um die Häuser ziehen. Jetzt muss ich abends auch noch den Haushalt machen, da sie das oft nicht schafft oder sie pflegen, wenn sie krank ist. Zumindest ist sie dann nicht mehr so schnippisch zu mir.“, jammerte Elias.

Die Eule hörte ihm eine ganze Weile zu und fragte dann: „Wie hast du sie kennengelernt?“ Kater Elias war verwundert: „Kennengelernt? Das ist doch schon so lange her. Was hat das denn damit zu tun? Naja … wir waren schon in der Schule gern in der Pause…“ Plötzlich begannen seine Augen zu leuchten und er fuhr fort: “Sie hatte die schönsten Augen und ich war stolz, dass sie mit mir zum Abschlussball ging. Der Weg am Fluss … wir sind ihn so oft zusammen gegangen. Da bekam ich meinen ersten Kuss von ihr.“ Dann senkte sich sein Kopf, „Das haben wir schon eine Weile nicht mehr gemacht. Sie zieht sich immer mehr zurück. Vielleicht ist sie ja schwerkrank?“ Elias erschrak.

„Das könnte sein“, sagte die Eule, „aber vielleicht ist es noch nicht zu spät. Du wirst ihr ab sofort, jeden Abend ihr Lieblingsessen kochen, bringst ihr Blumen mit und holst frische, wenn sie verblüht sind – drei Wochen lang. Sobald es ihr besser geht, gehst du jeden Tag mit ihr diesen Weg am Fluss entlang und schaust ihr dort mindestens 3 Minuten in die Augen.“ Dann schaute sie ihn mahnend an und ergänzte: „Und du darfst ihr von all dem nichts verraten – egal wie sehr sie fragt. Du wirst lächeln und ihr sagen, dass du es gerne für sie tust und es möchtest.“ Als Letztes gab ihm die Eule einen hohlen Kürbis und sagte ihm , er solle jeden Abend einen Taler hineinlegen.

Elias ging nach Hause. Kurz bevor er die Tür öffnete und schon damit rechnete, dass seine Frau mit ihm schimpfen würde, wo er wieder gewesen wäre, versuchte er zu lächeln. Es war eine Grimasse. Dann erinnerte er sich an seinen ersten Kuss und lächelte. Er ging hinein und lächelte. Dori sah ihn und wollte sich gerade beschweren, wie er sie so krank allein lassen konnte … und sah dieses Lächeln. Dieses Lächeln hatte er schon lange nicht mehr gezeigt. Sie verstummte. „Bleib ruhig liegen und ruhe Dich aus. Ich bringe Dir Dein Essen. Du magst doch noch Milchreis mit Honig?“ Dori war überrascht: „Ähm ja, … ja ich mag das sehr gerne.“ Sie überlegte, wann er ihr das zuletzt gekocht hatte und war gerührt.

Elias kümmerte sich nun jeden Tag um sie und sie lachten auch wieder miteinander. Dori ging es schnell wieder etwas besser. Sie bedankte sich bei ihm und schien, wieder mehr zufrieden zu sein. Aber irgendwie fiel es ihr schwer, das Bett zu verlassen. „Heute gehen wir ein paar Schritte spazieren.“, sagte Elias zu ihr. „Ich weiss nicht recht“, zögerte Dori. „Wir machen langsam und schauen, wie es klappt“, beruhigte sie Elias. So gingen sie vor das Haus und Schritt für Schritt weiter. Dori genoss es sichtlich, mit ihrem Elias zu gehen. Als sie an dem Weg am Fluss ankamen, pochte Doris Herz. Sie erinnerten sich beide an ihre unzähligen Spaziergänge. Plötzlich nahm Dori Elias in ihren Arm und küsste ihn. Elias brachte weiterhin auf dem Heimweg Blumen mit, obwohl die drei Wochen schon längst abgelaufen waren und kochte am Wochenende Milchreis mit Honig.

Als ein Jahr vergangen war, klopfte es an der alten Eiche der Eule. Plötzlich erschien ein kleiner Katzenkopf vor der Baumhöhle und maunzte die Eule an. „Wer bist du denn?“, fragte die Eule, da erschienen noch zwei weitere neugierige kleine Katzenköpfchen. „Entschuldigung, Frau Eule“, sagte Elias rasch, „sie sind noch recht neugierig und stürmisch. Wir wollten uns sehr herzlich bedanken. Dori ist wieder gesund und … naja, den Rest könnt ihr euch denken.“ Dann grinste er: „Das ‘Kürbis-Geld’ konnten wir gut gebrauchen.“

An diesem Abend schlief die weise Eule mit einem warmen Gefühl im Herzen und einem Lächeln im Gesicht ein.

 

 

 

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2018)

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20 Mrz

Die Weisheiten der alten Eule 2 (Therapeutische Geschichte)

Die Weisheiten der alten Eule © Praxis Der Zuhörer - Steffen Zöhl, 2018

Die Weisheiten der alten Eule
(Therapeutische Geschichte)

 

In einer sehr alten Eiche lebte eine auch ziemlich alte Eule. Mit der Zeit konnte sie schlechter hören und sehen, aber die Tiere des Waldes gingen gern zu ihr, wenn sie Sorgen und Probleme hatten. Im Gespräch mit der alten Eule fanden viele Tiere ihre Lösungen und verstanden, was das eigentliche Thema war. Von einigen dieser Begebenheiten will ich berichten.

 

Die Schildkröte Lucinda

Vor vielen Jahren, als die Eule noch jünger war, kam die Schildkröte Lucinda zur alten Eiche und klagte ihr Leid. Sie berichtete der Eule, dass sie oft kränklich war und sich schlapp fühlte. Sie kam fast immer zu spät zur Schule, zu Treffen mit Freunden oder Geburtstagen und Feiern. „Soho so“, sagte die Eule zu Lucinda, „uhund was passiert dahann?“ Lucinda schaute die weise Eule fragend an, „Was soll dann schon sein? Dann muss mir immer einer helfen und mich unterstützen.“

Die Eule schaute sie an und fragte „Und sohonst? Was machst du sohonst?“ Lucinda antwortete: „Sonst … kann ich gut für mich alleine sorgen – alleine mein Essen zubereiten und meine Dinge alleine regeln.“ Die Eule fragte: „Wahas machst duhu denn gerne so, wenn duhu alleine bist?“ „Dann“, sagte Lucinda, „spiele ich für mich auf meiner Flöte.“

Ihr müsst wissen, die Weisheit der Eule lag nicht allein in ihrem Wissen, sondern vielmehr darin, dass sie zuhörte und mitfühlte. Daher lächelte sie die Schildkröte Lucinda an und sagte: „In den nächsten drei Mohonaten gehst duhu jeden Sonntag auf die Wiese mitten auf dem Dorfplatz und spielst auf Deiner Flöhöte.“ Lucinda schaute die Eule verwundert an: „Und wie soll mir das helfen?“ Aber sie versprach, es zu tun.

Das Herz der Schildkröte schlug schneller und sie war ziemlich aufgeregt, als sie am nächsten Sonntag mit ihrer Flöte zur kleinen Wiese auf dem Dorfplatz ging. Sie setzte sich und sah, dass die Eule dort schon wartete. Auch ein paar andere Tiere saßen dort. Lucinda machte es sich bequem und fing an, zu spielen. Angelockt vom Klang des Flötenspiels kamen immer mehr Tiere und lauschten ihrer Musik. Sie applaudierten Lucinda und die kleine Schildkröte strahlte vor Glück. Von da an spielte Lucinda regelmäßig sonntags.

Es sprach sich schnell herum, wie schön sie spielen konnte und immer wieder luden Tiere Lucinda ein, um auf Festen, Geburtstagen oder an Feiertagen zu spielen. Lucinda war nun stets pünktlich und fühlte sich gesünder und kräftiger als je zuvor.

 

 

 

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2018)

 

 

 

 

 

 

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