20 Mrz

Die Weisheiten der alten Eule 2 (Therapeutische Geschichte)

© Praxis Der Zuhörer - Steffen Zöhl, 2018

Die Weisheiten der alten Eule
(Therapeutische Geschichte)

 

In einer sehr alten Eiche lebte eine auch ziemlich alte Eule. Mit der Zeit konnte sie schlechter hören und sehen, aber die Tiere des Waldes gingen gern zu ihr, wenn sie Sorgen und Probleme hatten. Im Gespräch mit der alten Eule fanden viele Tiere ihre Lösungen und verstanden, was das eigentliche Thema war. Von einigen dieser Begebenheiten will ich berichten.

 

Die Schildkröte Lucinda

Vor vielen Jahren, als die Eule noch jünger war, kam die Schildkröte Lucinda zur alten Eiche und klagte ihr Leid. Sie berichtete der Eule, dass sie oft kränklich war und sich schlapp fühlte. Sie kam fast immer zu spät zur Schule, zu Treffen mit Freunden oder Geburtstagen und Feiern. „Soho so“, sagte die Eule zu Lucinda, „uhund was passiert dahann?“ Lucinda schaute die weise Eule fragend an, „Was soll dann schon sein? Dann muss mir immer einer helfen und mich unterstützen.“

Die Eule schaute sie an und fragte „Und sohonst? Was machst du sohonst?“ Lucinda antwortete: „Sonst … kann ich gut für mich alleine sorgen – alleine mein Essen zubereiten und meine Dinge alleine regeln.“ Die Eule fragte: „Wahas machst duhu denn gerne so, wenn duhu alleine bist?“ „Dann“, sagte Lucinda, „spiele ich für mich auf meiner Flöte.“

Ihr müsst wissen, die Weisheit der Eule lag nicht allein in ihrem Wissen, sondern vielmehr darin, dass sie zuhörte und mitfühlte. Daher lächelte sie die Schildkröte Lucinda an und sagte: „In den nächsten drei Mohonaten gehst duhu jeden Sonntag auf die Wiese mitten auf dem Dorfplatz und spielst auf Deiner Flöhöte.“ Lucinda schaute die Eule verwundert an: „Und wie soll mir das helfen?“ Aber sie versprach, es zu tun.

Das Herz der Schildkröte schlug schneller und sie war ziemlich aufgeregt, als sie am nächsten Sonntag mit ihrer Flöte zur kleinen Wiese auf dem Dorfplatz ging. Sie setzte sich und sah, dass die Eule dort schon wartete. Auch ein paar andere Tiere saßen dort. Lucinda machte es sich bequem und fing an, zu spielen. Angelockt vom Klang des Flötenspiels kamen immer mehr Tiere und lauschten ihrer Musik. Sie applaudierten Lucinda und die kleine Schildkröte strahlte vor Glück. Von da an spielte Lucinda regelmäßig sonntags.

Es sprach sich schnell herum, wie schön sie spielen konnte und immer wieder luden Tiere Lucinda ein, um auf Festen, Geburtstagen oder an Feiertagen zu spielen. Lucinda war nun stets pünktlich und fühlte sich gesünder und kräftiger als je zuvor.

 

 

 

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2017)

 

 

 

 

 

 

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