26 Apr

Der Morgen, an dem Carlo nicht bellte …

Der Morgen, an dem Carlo nicht bellte

 

 

Der Morgen, an dem Carlo nicht bellte …
Mein Liebesbrief an Dich
(Therapeutische Geschichte)
-Für Katja-

  

Als ich aufwachte, schien alles normal zu sein. Und doch war dieser Tag dann so ganz anders. Es stand kein Kaffee auf meinem Platz in unserer Küche. Es war nicht so, dass ich es erwarten würde und doch hatte ich mich über die Jahre daran gewöhnt. Der Kaffee war wie ein Morgengruß von Dir, der mich jeden Tag daran erinnerte, dass es Dich und uns gibt.

Am Tisch sitzend blicktest Du auf die leere Tischplatte vor Dir und sahst so traurig aus. Ich fragte Dich, was los sei, doch Du gabst mir keine Antwort. Du warst so versunken und ich ging erstmal in den Hof, um frische Luft zu schnappen.

Und dann war noch etwas anders: Carlo, der Hund unserer Nachbarin, der mich sonst jeden Morgen anbellte, schwieg. Ich versuchte mich zu erinnern, wann er das letzte Mal nicht gebellt hatte als ich auf dem Hof war und konnte mich nicht daran erinnern.

Als ich zurück kam, warst Du nicht mehr am Küchentisch und so ging ich nochmal durch unser Haus. Es kam mir merkwürdig verändert vor, auch wenn ich nicht genau sagen konnte, was es war. Auf Deinem Nachttisch stand noch immer mein Bild. Doch es sah anders aus. Die Box mit den Papiertaschentüchern neben Deinem Bett war mir wohl vorher nie aufgefallen.

Und dann sah ich mir mein Bild auf Deinem Nachttisch genauer an und bemerkte es. Wie ein Blitz durchfuhr es mich – es war in schwarz-weiss und plötzlich erinnerte ich mich. Da war dieser eine Tag und ein Augenblick veränderte mein Leben, denn er beendete es schlagartig – so schnell und ohne Vorwarnung.

Ich hatte keine Möglichkeit mehr, Dir zu schreiben, was ich Dir für Dein weiteres Leben von Herzen wünsche. Der Teil von mir, der noch immer hier ist, weil Du ihn im Herzen trägst und weil er noch etwas mitzuteilen hat, möchte, dass Du folgendes weisst:

Ich bin nicht mehr so bei Dir, wie Du es kennst, aber meine Liebe bleibt bei Dir. Menschen, die wir lieben, tragen wir in unserem Herzen mit uns. Auch wenn alles andere endet, bleibt das.

Wir wissen nicht, wieviel Zeit uns geschenkt ist. Mein Leben endete und daher bitte ich Dich zu leben, Dein Leben zu leben. Füll Dein Dasein wieder mit Leben, Liebe, Freude und Glück.

Lass Deine Erinnerungen an mich und unsere gemeinsame Zeit Deine Motivation sein, das Beste aus Deinem Leben zu machen und das beste Leben zu leben, was Dir möglich ist. Gib allen Gefühlen ihren Raum, ergreife die Hände, die Dir helfen wollen und lass Dir helfen. Dann kannst auch Du irgendwann dem Deine Hand reichen, der Deiner Hilfe bedarf.

Ich danke Dir für Dein Sein und Deine Einzigartigkeit, mit der Du mein Leben bereichert hast, Deine Liebe, Dein Vertrauen, Deinen Halt, Deine Zuverlässigkeit und für jede Träne, die Du um mich geweint hast.

Deine Leidenschaft hat mich begeistert und Dein Humor zum Lachen gebracht. Ich bin Dir so dankbar für jedes Lächeln, jeden Kuss, jeden Blick und jede Berührung, die Du mir geschenkt hast, für zwei Leben, die Du mit mir in diese Welt gegeben hast und die Du jeden Tag umsorgst.

Alle Momente, die wir gemeinsam erlebt, durchgestanden oder uns geschaffen haben, werde ich in Erinnerung behalten.

Für all das und so viel mehr danke ich Dir und deshalb wünsche ich Dir, dass sich Deine Trauer in dankbare Erinnerungen wandelt. Richte Deinen Blick nach vorn auf das, was noch alles vor Dir liegt und entdecke die Welt wieder mit Neugierde, so dass Du jeden Tag einen und sei es noch so kleinen Glücksmoment findest.

Ich möchte, dass Du wieder lachst und lebst und wieder glücklich wirst und von jemandem gefunden wirst, dem Du Dein Herz schenkst und der Deine Liebe erwidert. Er wird nicht wie ich sein, er wird wie er sein und Dein Herz heilen lassen.

Nimm Dir Zeit für Dich, achte auf Dich. Gib Deinen Gefühlen den Raum, den sie brauchen und folge Deinem Herzen, wenn es Dir neue Wege zeigen will. Ich liebe Dich so, wie Du bist, also bleib Dir selbst treu und sei der wunderbare Mensch, der Du bist.

Schau Dir einen Sonnenuntergang mit jemandem an und mach die Nacht durch bis die Sonne wieder aufgeht, koste Schneeflocken, tanze im Regen, tauche Deine Füsse ins Meer und mach eine Schneeballschlacht – mit anderen Worten: LEBE.

Es wäre schön, wenn Du Dir an jedem Tag einen (wenn auch kleinen) Glücksmoment notierst, für den Du dankbar bist.

Dir wünsche ich alles Glück der Welt

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2022)

 

 

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Der Morgen, an dem Carlo nicht bellte …
18 Mrz

Das kaputte Fahrrad – so ein Tag wie dieser …

Das alte Fahrrad - so Tage wie dieser

 

 

Das kaputte Fahrrad – so ein Tag wie dieser …
(Therapeutische Geschichte)

  

Ich hatte ein schwarzes Fahrrad, auf dem ich tagein tagaus fuhr. Auf all diesen Wegen war es recht zuverlässig gewesen. In der letzten Zeit waren jedoch immer mal wieder kleinere Reparaturen erforderlich, um es in Stand zu halten.

Und dann gibt es so Tage …

 Diese Geschichte habe ich exklusiv auf nur-positive-nachrichten.de veröffentlicht.

https://nur-positive-nachrichten.de/inspirierende-geschichten/das-kaputte-fahrrad-kurzgeschichte

 

Hier gibt es die Hörversion:

 

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2021)

 

 

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Das kaputte Fahrrad – so ein Tag wie dieser …
22 Dez

Die kleine Murmel

Die kleine Murmel im Schnee - Weihnachtsgeschichte für Weihnachten 2021

 

 

Die kleine Murmel
(Therapeutische Geschichte)

 

Eine kleine Murmel lag inmitten eines von frischem Schnee bedeckten Fleckchens Erde. Sie hatte längst vergessen, wo genau das eigentlich war. Auch wie sie dort hingekommen war, wusste sie nicht mehr. Dafür fühlte sie sich allein und nutzlos. Sie war sich sicher, für nichts und niemanden mehr gut zu sein. Das machte sie sehr traurig.

Vor langer Zeit hatten Kinder mit ihr gespielt. Die kleine Murmel hatte so oft das Lachen der Kinder gehört und konnte ihre Freude spüren. Doch diese Zeiten und das Strahlen der Kinderaugen waren lange her. Die kleine Murmel hatte früher selbst auch gestrahlt. Sie war einst glatt poliert und funkelte im Licht der Sonne. Wenn die Sonnenstrahlen durch sie hindurch gingen, entstand ein buntes Lichterspiel. Dann fühlte sie sich wie eine kleine Zauberkugel und verzauberte die Kinderherzen.

Doch nun hatte sie eine Schmutzschicht angesetzt und ihr Zauber und das Funkeln waren verschwunden. Sie hatte sogar eine kleine Kerbe bekommen. „Mit dieser Kerbe und so schmutzig, wie ich bin, will mich ja sowieso niemand mehr haben.“, dachte sich die kleine Murmel oft.

Der erste Schnee fiel auf die Dächer der Stadt und deckte alles mit einem puderzuckerweißen Mantel ein. Doch heute sollte ein besonderer Tag für die kleine Murmel werden. Der kleine Caspar kam ausgerechnet heute und ausgerechnet an dieser Stelle vorbei. Normalerweise wäre er einen anderen Weg nach Hause gegangen, aber nun dachte er viel über seine jüngere Schwester Mila nach. Mila war nun schon einige Zeit krank und lag in ihrem Bettchen. Seitdem ihre Lieblingspuppe Tara, die wie eine kleine Elfe aussah, verschwunden war, ging es ihr nicht gut. Sie hatte viel geweint und klagte über Kopf- und Bauchschmerzen.

Überall hatten Mila, Mama, Papa und Caspar gesucht und doch konnten sie Tara nicht finden. „Vielleicht bekommst Du zu Weihnachten eine neue Puppe geschenkt“, hatte die Mama gesagt und ihre Tochter getröstet. Aber Mila wollte ja gar keine neue Puppe. Sie wollte ihre Tara zurück.

In dem Moment, als Caspar noch ein paar Schritte von der kleinen Murmel entfernt war, fiel ein Sonnenstrahl in eben diese kleine Kerbe der kleinen Murmel und ein Glitzerfunkeln traf Caspars Gesicht. Das weckte seine Neugier und er schaute nach, was denn da auf dem Boden lag. „Oh, eine kleine Murmel.“, sagte er erstaunt, „Die nehme ich für Mila mit.“ und steckte die kleine Murmel in seine Hosentasche.

Als er zuhause ankam, schaute er als Erstes in Milas Zimmer. Sie lag noch immer im Bett und sah etwas kränklich aus. Dann ging er ins Badezimmer und wusch sich die Hände und dabei die kleine Murmel gleich mit. Ein bisschen von ihrem Zauberfunkeln konnte man nun schon wieder erahnen.

Dann holte er eine kleine Pappschachtel aus seinem Zimmer, die er vor einer Weile mit seinem Opa gebastelt hatte und legte die kleine Murmel hinein. So hübsch verpackt war die Murmel nun ein Geschenk geworden – für Mila. Mit einem strahlenden Gesicht ging er leise in Milas Zimmer. Sie schaute ihn an und Caspar sagte leise: „Hallo“. „Ich hab Dir etwas mitgebracht“, platzte es aus ihm heraus, „ein Geschenk – eine Zauberkugel“.

Mila sah ihn erstaunt an: „Eine Zauberkugel? Was kann die denn?“ Neugierig schaute sie über die Bettdecke und öffnete die kleine Schachtel. Caspar wollte seiner kleinen Schwester eigentlich nur eine kleine Freude bereiten. Darüber, was die Zauberkugel nun eigentlich genau konnte, hatte er nicht nachgedacht. „Hm, naja … sie glitzert und …“, er überlegte kurz, “… und kann Wünsche erfüllen, wenn man ganz fest daran glaubt.“ Nun war er es, der sich wünschte, dass die kleine Murmel Wünsche erfüllen könnte.

„Hatschi“, nieste Mila plötzlich und die kleine Murmel fiel auf den Fußboden. Dann rollte sie weiter und rollte und rollte – bis ans Bettende, weiter über den Holzboden und bis unter ihren kleinen Spielzeugschrank mit den bunten Schubladen. Erst als sie an die Wand stieß, blieb sie liegen. „Oh nein“, rief Mila laut, „meine Zauberkugel ist weg. Wo ist sie? Ich muss mir doch noch etwas wünschen.“ Kleine Tränchen bildeten sich in ihren Augen. „Keine Sorge, ich finde sie“, sagte Caspar sofort, denn er wollte keinesfalls, dass Mila wieder traurig werden würde.

Er hatte genau beobachtet, wo die kleine Murmel entlang gerollt war und versuchte, mit seinen Armen unter den kleinen Spielzeugschrank zu kommen. Aber sie waren zu kurz und er erreichte sie nicht. Der Schrank war zu schwer für ihn, um ihn zu verschieben. „Wir müssen den Schrank ausräumen“, sagte er, „dann kann ich ihn vielleicht verschieben und die Zauberkugel hervorholen.“

Mila krabbelte aus ihrem Bettchen und zog sich warme Sachen an. Das hatte sie schon einige Tage lang nicht mehr gemacht. Doch nun ging es um die Zauberkugel. Gemeinsam räumten sie Stück für Stück die Spielsachen aus und bei jedem Spielzeug erinnerte sich Mila daran, wie schön es war, damit zu spielen. Und doch war kein Spielzeug wie Tara.

Als der Schrank leer war, versuchte Caspar, ihn mit aller Kraft zur Seite zu schieben … und es gelang ihm. Plötzlich hörte man ein dumpfes Geräusch. Irgendetwas, was wohl zwischen den großen Kleiderschrank und ihren kleinen Spielzeugschrank gerutscht war, musste auf den Boden gefallen sein.

„Tara“, rief Mila laut und strahlte über das ganze Gesicht, „Meine Tara ist wieder da. Das hatte ich mir doch so sehr gewünscht. Woher wusste die Zauberkugel das nur?“ Sie umarmte ihren großen Bruder ganz fest und sagte immer wieder „Danke, Danke“. Die kleine Murmel war überglücklich, dass sie die verlorene Puppe „gefunden“ hatte.

„Sie ist wirklich eine wunderbare Zauberkugel“, sagte Mila und legte die kleine Murmel in ihr Schatzkästchen, das auf dem Spielzeugschrank stand. Als die Mama in Milas Zimmer kam, strahlte Mila noch immer. „Was ist denn passiert?“, fragte sie. „Dir scheint es ja wieder besser zu gehen“, freuten sich Mama und Papa, der auch dazu gekommen war.

„Meine Tara ist wieder da! Meine Tara ist wieder da!“, rief Mila nochmals, „Die Zauberkugel, die Caspar mir geschenkt hat, hat meine Tara gefunden. Das ist ganz wunderbar!“, freute sich Mila, „Das hatte ich mir so sehr gewünscht. Und dabei ist noch gar nicht Weihnachten.“

Mama lächelte: „Morgen ist Weihnachten …“

 

 

Hier gibt es die Hörversion:

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2021)

 

 

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Die kleine Murmel
05 Mrz

Die Geschichte von Zwei-Fell

 

Die Geschichte von Zwei-Fell

In einem tiefen Wald -fern von hier- lebte unter den Tieren des Waldes eines, das irgendwie anders war. Viele der Waldtiere nannten es „Fellchen“ oder „Zwei-Fell“, weil es ein zweites Fell übergezogen hatte. Dadurch wusste auch niemand so genau, welche Art Tier sich eigentlich darunter verbarg. Einige der älteren Tiere erinnerten sich, dass Fellchen -als es noch ganz klein war- oft verletzt wurde und sich dann in sein zweites Fell einpackte. So fühlte es sich geschützter. Aber das Fell wog auch schwer, so dass Fellchens Bewegungen langsamer wurden und man ihm ansah, dass die Last des zweiten Fells auf ihm drückte.

Auch wenn das Zwei-Fell eine Last war, trug Fellchen es tagein tagaus mit sich herum und fühlte sich so sicherer. Es war so gewohnt daran, es mit sich zu tragen, dass es ihm kaum noch auffiel. Schon oft hatten die anderen Waldtiere versucht, Fellchen zu überzeugen, das schwere zweite Fell abzulegen, aber die Angst, erneut verletzt zu werden, war bislang stets zu groß gewesen. Nur gelegentlich, wenn es zu dem kleinen Teich ging und dort badete, legte es für einen Moment sein Zwei-Fell ab. Auf einem seiner Wege zurück war Fellchen Vita -einer Häsin aus dem Wald- begegnet und hatte sie ins Herz geschlossen.

Eines Tages badete Fellchen im Teich und betrachtete anschließend seine Narben, da bemerkte es den Rauch, der von der Lichtung herüber wehte. So wie der Wind stand, würde er das Feuer auf den Wald zu treiben. Fellchen selbst war hier sicher, doch ein Gedanke schoss ihm plötzlich durch den Kopf: „Was würde aus Vita werden, wenn sie und die anderen nicht gewarnt werden.“ Nur gemeinsam könnten sie das Feuer bekämpfen.

Nun hieß es so schnell wie möglich in den Wald und die anderen Tiere warnen. Es blieb keine Zeit, das Zwei-Fell überzulegen. Außerdem würde die Last verlangsamen und damit wichtige Zeit kosten. Also nahm Fellchen allen Mut zusammen und lief los – so schnell und kraftvoll, wie noch nie in seinem Leben. Es war klar, dass der Wald und die Tiere gerettet werden müssen – vor allem natürlich Vita. Und plötzlich war da so viel Kraft und Leichtigkeit, denn ohne das Zwei-Fell ging es viel besser.

Schon von Weitem rief Fellchen in den Wald hinein „Feuer, Feuer“ und die Waldtiere versammelten sich und löschten gemeinsam das Feuer. Als alle aufatmeten, schauten sie Fellchen an, doch niemand erkannte es. „Wir danken Dir herzlich für Deine Warnung. Ohne Dich hätten wir das Feuer wohl nicht rechtzeitig bemerkt und es löschen können.“, sagte die alte Eule, „Doch wer bist Du?“

Nur Vita schaute in seine Augen und erkannte es: „Das ist doch Fellchen, mein Fellchen.“ Viele waren unsicher: „Das soll Fellchen sein, das Zwei-Fell? So schnell und kraftvoll?“ Doch Vita war sich sicher: „Aber natürlich, ich sehe es an den Augen. Die Kraft war schon immer da und nur durch das zweite Fell verdeckt.“ Alle Tiere schauten und waren erstaunt, denn vor ihnen stand ein kräftiger Hase.

Von da an wurde dieser Hase von allen nur noch Leonhard genannt. Und ein Jahr später erzählte Vita ihren Kindern die Geschichte ihres Vaters.

 

Hier gibt es die Hörversion:

 

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2021)

 

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Die Geschichte von Zwei-Fell
14 Dez

Die Weisheiten der alten Eule – Die Rotkohl-Therapie

Die Weisheiten der alten Eule © Praxis Der Zuhörer - Steffen Zöhl, 2018

 

 

Die Weisheiten der alten Eule
(Therapeutische Geschichten)

In einer sehr alten Eiche lebte eine auch ziemlich alte Eule. Mit der Zeit konnte sie schlechter hören und sehen, aber die Tiere des Waldes gingen gern zu ihr, wenn sie Sorgen und Probleme hatten. Im Gespräch mit der alten Eule fanden viele Tiere ihre Lösungen und verstanden, was das eigentliche Thema war. Von einigen dieser Begebenheiten will ich berichten.

Die Rotkohl-Therapie ist meine diesjährige Weihnachtsgeschichte und exklusiv auf https://nur-positive-nachrichten.de veröffentlicht. Die Hörversion gibt es wie gewohnt hier:

 

 

 

 

Die Weisheiten der alten Eule - Die Rotkohl-Therapie, Weihnachten 2020

 

 

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein frohes, friedvolles und gesundes Weihnachtsfest sowie einen guten Start in ein gesundes Jahr 2021.

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2020)

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Die Weisheiten der alten Eule – Die Rotkohl-Therapie
24 Apr

„Veränderung im Leben“ und „Die kleine Biene“

© Praxis Der Zuhörer - Steffen Zöhl, 2017

 

Kürzlich fragte mich die Freie Waldorfschule Wahlwies an, ob eine meiner Geschichten in der Schulzeitung „Das Aktuell“ veröffentlicht werden dürfte:

„…In diesen Zeiten ohne Schüler möchten wir einen Beitrag für Kinder machen und wollten fragen, ob wir Ihre Geschichte „Die kleine Biene“ für die Kinder/Schüler zum Selberlesen oder Vorlesen in der Schulgemeinschaft veröffentlichen dürfen…

Gern habe ich dem Wunsch entsprochen. Ich finde es wichtig, Schüler_innen auf ihrem Weg zu unterstützen und biete daher auch gern Lesungen in Schulen an.

 

Herzgeschichten für kleine Glücksmomente ISBN 3865419402 SinnSationsGeschichten © Praxis Der Zuhörer - Steffen Zöhl, 2017

 

 

Das Ratgeber und Onlinemagazin ratgeber-lifestyle.de bat mich kürzlich einen Fachartikel zum Thema (intrinsische) Motivation zu schreiben. Dieser wurde nun veröffentlicht, was mich sehr freut und ein wenig mit Stolz erfüllt.

Der vollständige Artikel ist unter https://www.ratgeber-lifestyle.de/beitraege/persoenlichkeitsentwicklung/gedanken-zu-intrinsischer-motivation.html zu finden.

Die eigene Motivation ist eine wichtige Grundlage für Veränderungen bei KlientINNen in Coaching oder Therapie. Daher ist die motivationale Klärung (nach Grawe) ein wesentlicher Bestandteil in der Anfangsphase und bedeutsamer Faktor in der Umsetzung von Veränderungsprozessen (z.B. Disziplin, Durchhaltevermögen, Zielstrebigkeit).

 

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2020)

 

 

 

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„Veränderung im Leben“ und „Die kleine Biene“
05 Sep

Ein tolles Feedback zu meiner Geschichte „Das Aber-Männchen“

Ich bin gerade so erfreut und beseelt über eine Rückmeldung, die ich kürzlich erhielt.

Anfang des Jahres wurde ich vom Seraphischen Liebeswerk Solothurn SLS angefragt, ob einige meiner Geschichten in der selbst aufgelegten Zeitschrift „Antonius von Padua“ veröffentlicht werden dürfen. Die erste war „Das Aber-Männchen“ und gerade aktuell „Die gestohlene Zeit“.

Dann bekam ich eine Rückmeldung von Schwester Klara zur ersten Geschichte:

„Inzwischen sind noch zwei „Echos“ auf die Erzählung „Das Aber-Männchen“ bei uns eingetroffen. In einem Brief schrieb jemand:

Die Geschichte im letzten Antoniusheft vom «Aber-Männchen» hat mich sehr berührt und zum Nachdenken angeregt. Sie ist wirklich zauberhaft und wundervoll! Vielen Dank für diesen wundervollen Beitrag.

In einem zweiten Brief berichtete eine Frau, dass ihr Enkel sich nach dem Lesen der Geschichte gleich hinsetzte, um das Aber-Männchen zu zeichnen.“

Das Foto der Zeichnung war im Anhang und sie war so freundlich, beim jungen Künstler Jamiro und seiner Familie die Erlaubnis zur Veröffentlichung einzuholen. Daher freue ich mich sehr das Bild zu zeigen:

 

Zeichnung Jamiro zu Das Aber-Männchen aus Herzgeschichten für kleine Glücksmomente

 

Und hier auch nochmal die Geschichte dazu:

 

Das Aber-Männchen
(Therapeutische Geschichte)
-gewidmet Sabine Gerbrand-

© Praxis Der Zuhörer - Steffen Zöhl, 2017In einem Wald nahe einer Wiese und einem kleinen Bach leben die Waldlinge. Du musst wissen, dass Waldlinge etwa so aussehen wie Menschen, nur viel kleiner. Selbst wenn du mal in diesen Wald kommen solltest, wirst du sie wohl nicht entdecken, denn sie leben gut versteckt. Waldlinge leben von und mit dem, was der Wald ihnen bietet. Im Winter ziehen sie sich unter die Erde in ihre Baumkeller zurück.

In diesem Dorf der Waldlinge lebte einer, den alle nur das Aber-Männchen oder Aberich nannten. Vielleicht nicht immer und doch sehr häufig, hörte man ihn etwas sagen wie: „aber ich wollte doch nur …“ oder: „das ist gut, aber zu groß/klein/viel/ wenig für mich“ So wurde aus dem häufigen „aber ich …“ der Aberich.

Auch wenn die anderen Waldlinge zum Beispiel etwas Neues gefunden, hergestellt oder verschönert hatten, hörten sie etwas wie „Das sieht schön aus, aber zu … bunt oder zu dunkel oder zu hell für mich.“ oder „Ein schöne Idee, aber ich glaub das wird schwer … und wer soll das ganze bezahlen?“ oder „und wer braucht schon … ?“

Man könnte glauben „aber … zu“ oder „und wer …“ wären seine Lieblingsworte. Eigentlich war Aberich nur etwas unsicher und manchmal auch etwas neidisch auf das, was andere geschafft hatten. So versuchte er, damit besser klar zu kommen, dass er manche Dinge nicht hatte oder konnte. Wenn er sich die Dinge weniger schön redete, empfand er es leichter.

Die anderen Waldlinge fanden es natürlich schade, wenn er an ihren Sachen etwas bemängelte und immer etwas fand, was „zu“ klein, groß, schwer, leicht, hart, weich etc. war. Irgendwann zeigten ihm immer weniger Waldlinge die Dinge, die sie so gefunden, geerntet oder gebaut hatten, denn keiner wollte wieder hören, was dem Aberich nicht gefiel. Als Aberich das bemerkte, wurde er traurig. Es beschäftigte ihn sehr. Er dachte darüber nach und schlief dabei irgendwann ein.

Im Traum erlebte er viele dieser Begegnungen mit den anderen Waldlingen. Plötzlich fiel auch ihm auf, dass er sehr oft “… aber zu …“ oder „und wer …“ sagte. Eigentlich wäre es doch schöner, wenn er sich mit den anderen freuen könnte, anstatt sie zu beneiden. Er sah in seinem Traum, wie traurig manche der anderen Waldlinge wurden, wenn er meistens etwas auszusetzen hatte. Diese Worte „ABER ZU“ und „UND WER“ wurden immer größer und größer in seinem Traum, wie riesige Felsblöcke.

Plötzlich schwebten die Felsen über seinem Kopf und drohten ihn zu erschlagen. Aberich bekam ordentlich Angst und hob die Hände über seinen Kopf. Da begannen die Felsblöcke in kleinere Steine zu zerspringen.

Jeder Stein wurde zu einem der Buchstaben und die drehten sich vor ihm. A, B, E, R, Z, U wirbelten hin und her und dann sah er es: Die Steine passten zusammen … doch irgendwie anders. Er sortierte die ganzen Buchstaben neu und lächelte. Aus „ABER ZU“ wurde: „ZAUBER“ und aus „UND WER“ entstand: „WUNDER“.

Als Aberich am nächsten Morgen aufwachte, sah man ein strahlendes Lächeln in seinem Gesicht. Er sprang auf, machte sich fertig und ging durchs Dorf. Manchmal entdeckte er etwas Neues im Dorf und sagte „Das ist sehr schön …“ und die anderen Waldlinge fragten dann gleich “ … aber zu …?“ und er lächelte „und ZAUBERhaft“ oder „und WUNDERvoll“ entgegnete er.

Schnell sprach es sich im Dorf herum, dass etwas passiert war mit Aberich. Anfangs waren manche noch skeptisch, doch als sie merkten, dass er sich wirklich verändert hatte, freuten sie sich sehr. Und er freute sich, dass die anderen Waldlinge auch freundlicher zu ihm waren und gerne mit ihm sprachen. Sie zeigten ihm nun gerne ihre Sachen, die sie so gefunden hatten. Und immer mehr Waldlinge nannten ihn wieder bei seinem eigentlichen Namen: Caius.

 

Gefallen gefunden und neugierig geworden? Diese und viele weitere Geschichten für Groß und Klein gibt es in meinem Buch

 

 

 

 

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2017)

 

 

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Ein tolles Feedback zu meiner Geschichte „Das Aber-Männchen“
08 Aug

Wie man einen Fluss bestraft (Therapeutische Geschichte)

Wie man einen Fluss betraft Weisheiten SinnSationsGeschichten in Herzgeschichten

 

„Wie man einen Fluss bestraft“ heisst meine neueste Kurzgeschichte, die nun auf nur-positive-nachrichten.de veröffentlicht ist. Sie befasst sich mit dem Thema „Schuld“ und wie wir sie so gern bei anderen suchen.

Manchmal könnte das Leben durch Akzeptanz und eigenverantwortliche Veränderung so viel leichter sein.

 

Wie man einen Fluss betraft Weisheiten SinnSationsGeschichten in Herzgeschichten

 

 

Hier gibt es die Hörversion:

 

 

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2019)

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Wie man einen Fluss bestraft (Therapeutische Geschichte)
31 Jul

Die Weisheiten der alten Eule 9 (Therapeutische Geschichte)

Die Weisheiten der alten Eule © Praxis Der Zuhörer - Steffen Zöhl, 2018

Die Weisheiten der alten Eule
(Therapeutische Geschichten)

In einer sehr alten Eiche lebte eine auch ziemlich alte Eule. Mit der Zeit konnte sie schlechter hören und sehen, aber die Tiere des Waldes gingen gern zu ihr, wenn sie Sorgen und Probleme hatten. Im Gespräch mit der alten Eule fanden viele Tiere ihre Lösungen und verstanden, was das eigentliche Thema war. Von einigen dieser Begebenheiten will ich berichten.

 

Die Kuh Nicole

Vielleicht fragt ihr euch, warum eine Kuh im Wald lebt, denn normalerweise leben Kühe ja eher auf einer Wiese. Aber die Kuh Nicole lebte schon so lange im Wald, dass keiner mehr wusste, warum. Auch sie selbst konnte es nicht mehr sagen und fühlte sich doch manchmal nicht dazugehörig. Eines Tages kam die Kuh an der alten Eiche, in der alte, weise Eule lebte, vorbei und setzte sich darunter. „Muuuhuu“ seufzte sie leise vor sich hin. Die weise Eule hörte es eine Weile und flog dann hinab zur Kuh Nicole.

„Duhu siehst traurig aus.“, sagte die Eule, „Hast Du Kuhummer?“ Da kullerten ein paar Tränen aus Nicoles Augen. „Ich habe mein Lächeln verloren“, schluchzte sie, „und weiss manchmal nicht, ob ich hier her gehöre oder wie es weitergehen soll. Ich bin doch nur eine Kuh. In meinem Leben habe ich schon so einiges erlebt und wurde oft verletzt.“ Die Eule nickte. „Eine Kuh im Wald … das ist doch komisch. Was soll ich denn hier? Mich will doch niemand hier. Ich sollte weggehen … vielleicht für immer.“

„Ich weiss noch, wie Du als Kälbchen hier ankamst im Wald. Du hattest einige Wunden auf Deinem Weg hier her mitgenommen. Wir wussten anfangs nicht, ob Duhu es schaffen wirst.“, sagte die alte Eule plötzlich, „Aber Duhu warst stark. Duhu hast gehört, wie einige zweifelten und andere Tiere fragten, ob Duhu in den Wald gehörst. Duhu hast gekämpft. Duhu warst stark und hast gelächelt, wenn jemand Deine Wunden versorgte, auch wenn es manchmal schmerzte. Duhu wolltest den anderen nicht zeigen, wenn es Dir wehtat.“

Mit gesenktem Kopf schaute Nicole zur weisen Eule. „Das ist natürlich in Ordnung und doch nimmst Du den anderen die Möglichkeit, auf Deinen Schmerz zu reagieren.“, fuhr die Eule fort, „Auf Dauer hat Dich dann der versteckte Schmerz vielleicht Dein Lächeln vergessen lassen.“ Die Kuh Nicole schaute recht verzweifelt und fragte „… und was soll ich nun tun?“ „Wir werden Dein Lächeln suchen.“, sagte die weise Eule, „Lass uns in Deinem Haus anfangen.“

„Na gut“, druckste Nicole kleinlaut und spürte, dass es ihr gut tat, wenn jemand einfach da war und ihr zuhörte. Dann begann sie zu suchen – im Schrank, unter dem Bett, hinter dem Sessel, auf den Fensterbrettern. Doch nirgends war etwas zu finden, was sie ihr Lächeln wiederfinden ließ. Die Eule schaute auf die Bilder, die in Nicoles Haus an den Wänden hingen. „Wo ist das fotografiert worden?“, fragte sie immer mal wieder. Nicole erzählte zu jedem Bild eine kleine Geschichte, was sie auf den Bildern mit ihren Freunden jeweils unternommen hatte. „Duhu hast tolle Freunde und viel mit ihnen erlebt.“, sagte die alte Eule. „Naja, kann sein“, sagte Nicole kleinlaut. Mit jedem Bild und jeder damit verbundenen Erinnerung schien ihr Gesicht etwas weniger traurig. Dann zog die weise Eule ein Bild unter einer Ecke eines Teppichs hervor, was offenbar irgendwann vom Tisch gefallen war. Es war eine merkwürdige Kritzelei. „Was ist denn das?“, fragte die Eule.

 

Die Kuh Nicole Weisheiten der alten Eule 9 SinnSationsGeschichten in Herzgeschichten

 

Nicole schaut auf das Bild und ein paar Tränen rannen aus ihren Augen. Dann begann sie plötzlich unter Tränen zu lachen. „Das ist von Micki, der kleinen Tochter vom Biber – meinem Patenkind. Sie wollte mir unbedingt ein Bild malen, weil ich doch eine Heldin für sie bin.“ Plötzlich fielen Nicole wieder die vielen schönen Dinge in ihrem Leben ein. Sie hatte Freunde, glückliche Momente und sie konnte wieder lächeln und sogar LACHEN.

Da sie nur auf ihren Kummer geachtet hatte, hatte sie die anderen, schönen und glücklichen Momente vergessen. Seit dem hing ein weiteres Bild an Nicoles Wand und wann immer sie sich nicht so gut fühlte, schaute sie auf dieses Kritzelbild, erinnerte sich und konnte wieder lächeln.

 

 

 

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2019)

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Die Weisheiten der alten Eule 9 (Therapeutische Geschichte)
11 Mrz

Im Land der Unfreundlichen (Therapeutische Geschichte)

Du bist das Echo der Welt. Erkenntnis, Menschen

Im Land der Unfreundlichen
(Therapeutische Geschichte)

Ich hatte mich eigentlich auf den Urlaub gefreut – ein anderes Land, eine neue Kultur und Sprache. Doch kaum war ich dort angekommen und noch ganz im Stress der Reise, fielen mir die unfreundlichen Menschen auf. Wohin ich auch schaute, blickte ich meist in unfreundliche, bestenfalls skeptische Gesichter. Waren die Leute einfach nur fremdenfeindlich oder warum schauten sie mich so komisch an? „Scheint das Land der Unfreundlichen zu sein.“, brummelte ich leise vor mich hin.

An einem Marktstand fiel es mir gleich auf. Der Frau vor mir packte der Obsthändler mit einem Lächeln ein paar Sachen extra in die Tüte und verabschiedete sie freundlich. Obwohl ich in seiner Sprache bestellte, erntete ich wieder nur einen abfälligen Blick. Es war zum Verzweifeln. Und hier sollte ich nun meinen Urlaub verbringen? Wie habe ich mich nur darauf einlassen können? Erschöpft und voller Selbstmitleid setzte ich mich auf eine Treppenstufe.

Plötzlich sprach mich ein kleiner Junge an, der vielleicht 6-7 Jahre alt war: „Bist Du krank?“ Ich freute mich, dass ich ihn verstanden hatte und schüttelte den Kopf. „Nein“, sagte ich zögerlich, „Wieso fragst Du?“ Er reichte mir seine Hand und ich nahm sie. Er führte mich ein paar Meter durch eine Gasse bis zu einem kleinen Laden, in dem eine alte Frau Souvenirs für Touristen verkaufte. „Ah, schon klar – eine Verkaufsmasche“, dachte ich. „Ist das Deine Oma?“, fragte ich ihn skeptisch. „Wer?“, sah er mich erstaunt an.

Und dann sah ich es. Plötzlich sah ich mein Spiegelbild in der Glasscheibe und erschrak. Hatte ICH wirklich die ganze Zeit so finster geschaut? Meine innere Anspannung stand mir bildlich ins Gesicht geschrieben. Der kleine Junge hatte mein Erschrecken und meinen verdutzten Gesichtsausdruck bemerkt und musste grinsen. Dann begann er zu lachen. Ich konnte nicht anders und lachte mit ihm. Er machte Grimassen und ich glaube, er versuchte ein bisschen, meinen finsteren Gesichtsausdruck nachzumachen. Aber ich konnte ihm nicht böse sein.

Er hatte mir den Tag versüßt und ich fühlte mich entspannter. Die alte Frau sprach mich plötzlich mit einem Lächeln an: „Kommen Sie gerne herein, wenn Sie wollen.“ Sie war die erste, die mich heute angelächelt hatte und so trat ich ein. Obwohl ich eigentlich nichts kaufen wollte, fiel mir doch ein bemaltes Holzschild auf. Ich kaufte Wasser und ein paar Snacks für unterwegs. Die alte Dame hatte wohl meine Blicke bemerkt und packte es mit ein. „Ein Geschenk – als Erinnerung.“, sagte sie lächelnd. Als ich das Geschäft verließ, war der Junge verschwunden.

Doch die Menschen, die mir entgegenkamen, lächelten mich an. Alle schienen wie ausgewechselt. Das machte mir meinen ersten Tag plötzlich viel leichter. Abends traf ich zur Begrüßung einen meiner einheimischen Reiseleiter und zeigte ihm mein Andenken. „Das ist weise.“, sagte er. Ich fragte ihn, was es denn bedeuten würde. Sinngemäß stand darauf „Die Welt ist Dein Echo.“

Ich lächelte und verstand. Nun begann mein Urlaub im Land der Freundlichen.

 

 

 

(© Praxis Der Zuhörer – Steffen Zöhl, 2019)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Im Land der Unfreundlichen (Therapeutische Geschichte)